Herr Settembri, das Jahresergebnis von Nestlé, das diese Woche präsentiert wurde, enttäuschte insgesamt. Wie verlief das Geschäft in der Schweiz?

Marco Settembri: Es war in Ordnung, aber nicht aussergewöhnlich gut, entsprechend der generellen Entwicklung im Schweizer Detailhandel. Einige Produktkategorien entwickelten sich erfreulich, wie zum Beispiel Tiernahrung. Auch Cailler war erfolgreich, den Kunden gefallen die neuen Geschmackskreationen.

Seit Jahren heisst es bei Nestlé, man wolle Cailler-Schokoladebesser vermarkten. Gibt es international Fortschritte?

Wir fokussieren unsere Ressourcen vorläufig in erster Linie auf den Schweizer Markt. Aber ich glaube, dass es international Möglichkeiten gibt, mit Cailler mehr zu erreichen, auf der ganzen Welt. Die Marke ist lokal angesiedelt und authentisch, weil die Zutaten von hier stammen. Wo und wann wir damit in die Offensive gehen, ist aber noch nicht entschieden.

In der Schweiz, und auch in anderen Ländern, wird über eine Steuer für zuckerhaltige Nahrungsmittel diskutiert. Eine gute Sache?

Unsere Haltung ist es, selber aktiv zu werden und unsere Produkte gesünder zu machen und den Zuckergehalt zu reduzieren. In Schokolade möchten wir den Zuckergehalt Schritt für Schritt um bis zu 40 Prozent reduzieren. Zuckersteuern können das Ziel verfehlen. Wenn jemand fünf Tafeln Schokolade pro Tag isst, ist das natürlich ungesund. Aber wenn jemand ab und zu ein Stück Schokolade will, wird er sich durch eine Steuer von ein paar Rappen nicht abhalten lassen.

Der Kaffeekapselmarkt mit den zahlreichen Nespresso-Kopien ist in der Schweiz enorm umkämpft.

Das stimmt. Aber wir haben ja auch noch Dolce Gusto, und vor allem Nescafé hat gute Resultate erzielt. Bei Nespresso findet das Wachstum vor allem im Ausserhaus-Geschäft statt, mit Hotels, Restaurants und anderen Firmenkunden.

Wegen des Swissness-Gesetzes, das eine gewisse Anzahl Schweizer Zutaten verlangt, mussten Sie auf rund 80 Produkten das Schweizer Kreuz entfernen, so auch bei den Thomy-Tuben. Hat sich das auf die Umsätze ausgewirkt?

Bisher nicht. Wahrscheinlich weil Marken wie Thomy nun mal sehr stark sind. Die Kunden wissen auch ohne Schweizer Kreuz, dass die Sauce in der Schweiz hergestellt wird.

Zuletzt hat Nestlé in der Schweiz vor allem für Negativschlagzeilen gesorgt. Sie gaben die Schliessung der Spirig-Fabrik in Egerkingen SO bekannt, wo 190 Stellen verloren gehen. Das Chocolate Center of Excellence von Cailler wird nach England ausgelagert. Gibt es auch wieder mal Good News?

Wir haben in der Schweiz in den vergangenen Jahren 4800 Stellen geschaffen und geben 57 Prozent unseres Budgets für Forschung und Entwicklung in der Schweiz aus.

Und dieses Jahr?

Das wird man sehen. Wir müssen überall wettbewerbsfähig bleiben, auch in der Schweiz. Dazu gehört es, regelmässig die Kosten zu überprüfen. Aber wir sind der Schweiz enorm verpflichtet!