Nachtleben
Clubs müssen Testcenter selbst eröffnen: Wird das zum neuen Geschäftsmodell?

Covid-Zertifikate sind in der Freizeit vielerorts inzwischen ein Muss - die Testkapazitäten deshalb am Anschlag. Darunter leiden besonders Clubbetreiber. Um ihre Lokale zu füllen, werden sie jetzt selber aktiv.

Thaddäus Braun
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Tanzende Partygäste. Damit dieses Bild wieder zur Normalität wird, müssen Veranstalter selbst Corona-Testcenter aufbauen.

Tanzende Partygäste. Damit dieses Bild wieder zur Normalität wird, müssen Veranstalter selbst Corona-Testcenter aufbauen.

Martin Ruetschi / KEYSTONE

Die Schweiz ist wieder in Feierstimmung. Aufgrund des Entscheids des Bundesrates ist der Clubbesuch seit dem 26. Juni wieder möglich und es kann wieder getanzt werden - theoretisch. Denn obwohl viele Clubbetreiber diesen Moment schon lange herbeigesehnt haben, müssen gewisse Veranstalter auf eine, zumindest vollständige, Öffnung ihres Lokals verzichten.

Grund dafür sind die weiterhin geltenden Coronavorschriften. Um in eine Disco eingelassen zu werden, muss man im Besitz eines GGG-Zertifikats sein, somit entweder geimpft, genesen oder (negativ) getestet sein. Gerade bei den jungen Partywilligen ist die Impfbereitschaft beschränkt. Um feiern zu können, brauchen deshalb die meisten einen negativen Test. Das Resultat ist eine grosse Nachfrage nach Tests, vor allem am Wochenende, um ein Covid-Zertifikat für den Clubeintritt zu erhalten.

Zu wenige Coronatestcenter

Jedoch mangelt es in vielen Schweizer Städten an Testkapazitäten. Apotheken werden als Folge dessen seit Ende Juni förmlich überrannt. Durch die hohe Arbeitsbelastung und die Kürzung der Bundesgelder, welche von 54 Franken auf 47 Franken pro Test reduziert wurden, kapitulierten viele Apotheken und gaben ihr Testangebot auf.

Das Fehlen der Testkapazitäten stellt die Clubinhaber vor ernsthafte Probleme. Damit es sich finanziell überhaupt lohnt den Club zu öffnen, muss auch sichergestellt sein, dass er gefüllt ist. Dafür müssen genügend Menschen in den Besitz eines Covid-Zertifikats kommen.

Eine mögliche Lösung dieses Engpasses bieten gewisse Veranstalter gleich selber an: Sie eröffnen eigene Corona-Testcenter, in denen sich Besucher auch kurz vor dem Eintritt noch bis 23 Uhr testen lassen können. Das Resultat bekommt man dann bereits 15 Minuten später auf das Smartphone geschickt.

Eigenes Testcenter lohnt sich für Clubs kaum - einer macht es trotzdem

Tests selber durchführen, um dann seinen Club füllen zu können. Das klingt ganz nach einem neuen Geschäftsmodell für die durch die Pandemie arg gebeutelte Branche. Allerdings nur auf den ersten Blick, lukrativ ist das Geschäft nämlich nicht. So werden vom Bund nur die Kosten für das Testmaterial übernommen. Laut Jonas Montani, Mediensprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), vergütet der Bund maximal 6.50 Franken für einen Antigen-Schnelltest. Die restlichen Kosten, wie zum Beispiel Personal- und Infrastrukturkosten, müssen vom Veranstalter selbst gedeckt werden.

Dennoch bleibt den Clubbetreibern praktisch nichts anderes übrig, als selber aktiv zu werden und ein Testzentrum aufzubauen. Denn gemäss eines Entscheides des Bundesrates vom 5. Juli müssen die Freizeitveranstalter den Zugang zu Tests selber gewährleisten und können nicht auf die Eröffnung neuer Testcenter durch die Kantone hoffen.

Zu den Clubs, die ein eigenes Testzentrum betreiben, gehört auch der Berner Nachtclub «Le Ciel». Der Inhaber, Jan Kamarys, bestätigt, dass er das Testzentrum nicht aus finanziellen Interessen auf die Beine gestellt hat. «Wir konnten unseren Club nur so öffnen», sagt Kamarys. «Es hat sich auch bestätigt, da wir 50 Prozent unserer Gäste selber testen mussten, nur so konnten wir unseren Club auch füllen.»

Kamarys spricht ein weiteres Problem an: «Das Testen lohnt sich erst ab einer gewissen Zahl an Tests, weswegen der Businessgedanke erst einmal im Hintergrund steht.» Ab welcher Anzahl Tests es sich lohnt, ein eigenes Testzentrum zu eröffnen, kann Kamarys nicht genau sagen, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielten.

Veranstalter müssen zusammenspannen

Da längst nicht alle Veranstalter, vor allem kleinere, ein eigenes Testzentrum betreiben können, wenden sich viele verzweifelt an Kamarys und erkundigen sich nach einer Zusammenarbeit «Wir erhalten viele Anfrage von anderen Veranstaltern und versuchen dann mit allen eine Lösung zu finden.»

Dass sich aus dieser Situation doch noch ein neues Geschäftsmodell entwickeln könnte, mag der Betreiber des «Le Ciel» nicht ganz ausschliessen und hängt sehr stark von der Entwicklung der Corona-Situation ab «Wir werden sehen, was daraus entsteht». Ein baldiges Ende der Testerei sieht Kamarys auf jeden Fall nicht kommen, im Gegenteil. «Wir gehen davon aus, dass sich bald sogar Geimpfte testen lassen müssen.» Angesichts der neuen, aggressiveren Mutationen ist auch nicht klar, ob die Clubs überhaupt geöffnet bleiben können.

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