Luftfahrt
Nach Swiss-Abgang in Basel: «Machen uns grosse Sorgen um Schweizer Arbeitsplätze»

Die Fluggesellschaft Swiss verabschiedet sich vom Euro-Airport Basel-Mulhouse. Stattdessen wird die Lufthansa-Billigtochter Eurowings Basel anfliegen. Die neue Strategie aus Deutschland erhitzt die Gewerkschaften.

Matthias Niklowitz
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Der Euro-Airport Basel-Mulhouse wird von der Swiss bald nicht mehr angeflogen

Der Euro-Airport Basel-Mulhouse wird von der Swiss bald nicht mehr angeflogen

Keystone

Der Abschied der Fluggesellschaft Swiss, die Tochter der Lufthansa, vom Flughafen Basel gibt weiter zu reden. Am Dienstag hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr im Rahmen einer Strategiebestimmung bekannt gegeben, dass die Lufthansa-Billigtochter Eurowings neu ab Basel einige europäische Destinationen anfliegen und die Swiss an diesem Standort ablösen wird. Das soll ohne den Abbau von Arbeitsplätzen erfolgen, so eine Swiss-Sprecherin.

«Trotz Sparprogrammen und günstigerem GAV presst die Lufthansa die Swiss-Tochter weiter aus», kritisiert Philipp Hadorn, Präsident von Groundstaff Aviation Technics and Administration (GATA), die Abteilung Luftverkehr der Gewerkschaft SEV, den jüngsten Coup aus dem deutschen Konzern und warnt: «Ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen würde von der Belegschaft nicht mehr kampflos hingenommen.»

Keine Vorab-Informationen

«Das Eindringen des Low-Cost-Schwesterbetriebs darf den zugesicherten langfristigen Erhalt der Arbeitsplätze in Basel nicht gefährden», stellt Hadorn klar und bemängelt die erneute Missachtung der Informationspflicht des Arbeitgebers gegenüber den Sozialpartnern.

«Während im Parlament und in der Öffentlichkeit die schweizerische Sozialpartnerschaft als ‹Güte-Label› gehandelt wird, zeigt sich in der Praxis ein faktischer Ausverkauf und Rückzug des ehemaligen Flaggschiffs der Schweizer Luftfahrt aus strategischen Bereichen – unter Missachtung der Umgangsformen mit den Gewerkschaften.»

Auch die Vertreter der Gewerkschaft für das Kabinenpersonal (Kapers) erfuhren vom Swiss-Abflug ohne Vorlaufzeit. «Wir machen uns Sorgen um das Berufsbild und um unsere Schweizer Arbeitsplätze», sagt Kapers-Vizepräsident Harry Kreienbühl.

Personal bereit zu schlechten Konditionen zu arbeiten

«Denn das Personal dürfte, wie wir bereits in Genf gesehen haben, vor allem im grenznahen Ausland rekrutiert werden, inklusive erfahrener ausländischer Flugbegleiter.»

Die seien bereit, zu deutlich schlechteren Konditionen zu arbeiten als Schweizerinnen und Schweizer, und es sei auch nicht durch einen Gesamtarbeitsvertrag geschützt.

«Unsere bereits vor Jahren geäusserten Befürchtungen, wonach Arbeitsplätze verlagert werden, bewahrheiten sich jetzt», so Kreienbühl. «Dass im Lufthansa-Konzern ein interner Konkurrenzdruck aufgebaut wird, beobachten wir mit grosser Skepsis.»

Für die Analysten von Morgan Stanley, einer US-Bank, bringt die neue Strategie von Lufthansa zwar eine Lösung für das Problem mit den teuren Piloten.

Denn die Germanwings-Piloten haben die gleichen Verträge wie die Lufthansa-Piloten.

Bei Eurowings sieht das anders aus: Weder das Kabinen- noch das Cockpitpersonal hat Gesamtarbeitsverträge. Unter dem Strich bringe die neue Strategie nichts. «Denn die Verkehrszahlen vom Juni waren glanzlos, wir sehen kaum Gründe, unsere Annahmen zu ändern.»

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