Zug

Nach Spionage-Affäre: Die Crypto International AG entlässt fast alle Mitarbeitenden

Der Hauptsitz des Chiffriergeräte-Herstellers Crypto in Steinhausen.

Der Hauptsitz des Chiffriergeräte-Herstellers Crypto in Steinhausen.

Weil der Bundesrat die Ausfuhrbewilligung nicht mehr erteilt, entlässt die Cyber-Security-Firma über 80 Mitarbeitende. Sie konnte die Behörden nicht davon überzeugen, nichts mit der Spionageaffäre zu tun zu haben.

Massenentlassung bei der Crypto International AG mit Sitz im zugerischen Steinhausen. Am Freitagmorgen, 3. Juli, wurde die Belegschaft darüber informiert, dass 83 der 85 Arbeitsplätze in der Schweiz abgebaut werden. Dies vermeldete die NZZ am Freitagnachmittag. Betroffen von den Kündigungen seien vorwiegend führende Spezialisten im Bereich der Cyber Security. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zug bestätigte die bevorstehende Massenentlassung auf Anfrage.

«Dieser Schritt tut uns unendlich leid», sagt das Besitzerpaar Linde gegenüber der NZZ. Das schwedische Ehepaar Andreas und Emma Linde hatten den internationalen Teil der früheren Crypto AG erst vor zwei Jahren gekauft. Die Massenentlassung sei «unvermeidlich» gewesen. Sie ist die Folge der Aufarbeitung der sogenannten Crypto-Affäre. Diese wurde von der «Rundschau» und weiteren Medien ins Rollen gebracht. Die Medien konnten erstmals aufzeigen, dass die damalige Crypto AG, eine Herstellerin von Chiffriergeräten, lange Zeit im Besitz von US-amerikanischen und deutschen Geheimdiensten war. Heimlich soll in die Geräte eine sogenannte Hintertür eingebaut worden sein, so dass die involvierten Geheimdienste, wohl auch der schweizerische, die Nachrichten der Kunden, denen die Geräte verkauft wurden, mitlesen konnten.

Der Firmenteil den das schwedische Ehepaar gekauft hatte, war der globale Teil dieser ehemaligen Crypto AG. Mit der Spionage habe dieser Bereich der Firma aber nichts zu tun gehabt, beteuerten die Besitzer wiederholt. Es sei ihnen aber nie gelungen, die Behörden davon zu überzeugen, «dass unser Unternehmen nie etwas mit der früheren Crypto AG zu tun hatte.»

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hatte im Fall Crypto wegen möglicher Widerhandlungen gegen das Exportkontrollrecht bereits Ende Februar bei der Bundesanwaltschaft Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. Vor zwei Wochen ermächtigte dann der Bundesrat die Bundesanwaltschaft, im Zusammenhang mit der Crypto-Affäre, eine Strafuntersuchung zu führen. Zum anderen beschloss der die Landesregierung, dass der Crypto International AG vorderhand keine Ausfuhrbewilligungen erteilt wird. Das war der Todesstoss für die Firma. Sie konnte keine Geräte mehr ins Ausland verkaufen und dass, obwohl gemäss NZZ die Auftragsbücher der Crypto International AG voll gewesen wären.

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