Khan-Affäre

Nach Beschattungsskandal: Rassistische Attacken gegen CS-Chef Thiam

Üblen Attacken ausgesetzt: Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Üblen Attacken ausgesetzt: Tidjane Thiam, Chef der Credit Suisse. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Die Credit Suisse will die misslungene Beschattung des Topbankers Iqbal Khan mit Hochdruck aufklären. Sie hat gemäss Informationen von CH Media die Zürcher Wirtschaftskanzlei Homburger mit der Untersuchung beauftragt. Derweil wird der angeschossene CEO Tidjane Thiam zum Opfer rassistischer Hetze.

Die Beschattungsaffäre um den früheren Credit-Suisse-Manager Iqbal Khan wird für den Chef der Grossbank, Tidjane Thiam, gefährlich. In der Erzählung, mit der die Medien den Hergang der kläglich gescheiterten Überwachungsaktion derzeit geschildert bekommen, steht unverkennbar, wenn auch meist unausgesprochen, als Urheber der 57-jährige Franko-Ivorier Thiam da. Hintergrund ist der Wechsel von Noch-CS-Banker Khan zur UBS auf den 1. Oktober.

"Deals mit der Kalaschnikow getätigt" und andere üble Vorurteile

Thiam wurde an französischen Eliteuniversitäten ausgebildet, er strahlt Durchsetzungskraft und Autorität aus - und diese wagt er auch immer mal wieder gegenüber Journalisten zu zeigen. Seine Herkunft und sein selbstbewusstes Auftreten führen im aktuellen Schlagzeilenkonzert zu unschönen Folgen: Bei der Credit Suisse sind in den vergangenen Tagen haufenweise rassistisch angehauchte Mails und sonstige üble Reaktionen eingegangen, erfährt man dort auf Nachfrage. Die Urheber trachten danach, Thiams Stellung als Chef der zweitgrössten Schweizer Bank zu diskreditieren.

Die Kommentarspalten des Finanzblogs «Insideparadeplatz», der die Beschattungsaffäre am Freitag als erster publik gemacht hatte, geben einen Eindruck der aufgeladenen Stimmung. Über Thiams Heimat, die Elfenbeinküste, ist da mitunter zu lesen, dass in jenen Breitengraden «Deals und Abmachungen grundsätzlich mit dem Geldkoffer oder/und der Kalaschnikow getätigt» würden. Oder dass es «höchste Zeit zum Aufräumen» sei, weil «die in Schwarzafrika zulässigen Geschäftspraktiken hier nichts zu suchen haben».

Eklat bei einem Nachtessen im Hause Thiam

In einer Enthüllungsgeschichte des Tages-Anzeigers tritt Thiam in einem wenig vorteilhaften Licht in Erscheinung. Der Bericht schildert ein Nachtessen im Januar, zu dem Thiam verschiedene Credit-Suisse-Mitarbeiter, unter ihnen auch Iqbal Khan und dessen Ehefrau, eingeladen hatte. Bei dem Essen sei es unter Einfluss von Alkohol zu einem heftigen Streit zwischen Gastgeber Thiam und seinem 14 Jahre jüngeren Manager gekommen, der gleich neben seinem Haus in Herrliberg wohnt.

Wechselt von der Konzernleitung der CS in jene der UBS: Iqbal Khan.

Wechselt von der Konzernleitung der CS in jene der UBS: Iqbal Khan.

Der Krach sei so weit ausgeartet, dass Khans Ehefrau die beiden nur knapp vor dem Beginn von Handgreiflichkeiten bewahren konnte. Über die Hintergründe der Auseinandersetzung erfährt man wenig. Thiam soll sich über ein unangemessenes Verhalten Khans geärgert haben, heisst es offenbar aus dem Lager des CEO. Aus Khans Ecke wird hingegen kolportiert, Thiam habe sich zunehmend entnervt darüber gezeigt, dass Khan, den er vor vier Jahren an die Spitze der Vermögensverwaltungsdivision setzte und in die Konzernleitung berufen hatte, nun als «Kronprinz» und aussichtsreichster Kandidat für Thiams Nachfolge gehandelt werde.

Dieselbe Kanzlei wie bei der Vincenz-Affäre bei Raiffeisen

Die Credit Suisse will die Beschattungsaffäre mit Hochdruck aufklären. Gemäss Informationen von CH Media hat die CS die Zürcher Wirtschaftskanzlei Homburger beauftragt, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen. Die Anwälte rapportieren an Verwaltungsratspräsident Urs Rohner persönlich, der die Aufklärung zur Chefsache erklärt hat. Dieselbe Kanzlei hat auch bei Raiffeisen eine Untersuchung durchgeführt, um die Vorgänge in der Affäre Pierin Vincenz aufzuklären.

CS-Insider erwarten, dass Ergebnisse bis Dienstag oder Mittwoch vorliegen. Die Homburger-Anwälte interviewen dazu alle beteiligten Personen, insbesondere auch CEO Thiam. Im Zentrum steht die Frage: Wer hat den Beschattungsauftrag gegeben, und warum wurde er so miserabel ausgeführt? Falls CEO Tidjane Thiam dafür verantwortlich ist, könnte ihm das seinen Job kosten. Oswald Grübel, früherer Chef von UBS und CS, hat in der "Schweizer Illustrierte" bereits den Rücktritt gefordert: «Wenn die Zeitungsberichte stimmen, dann sollte der Verwaltungsrat der CS sofort handeln und den CEO ersetzen.»

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