Roche kauft sich mit der Übernahme von Spark Therapeutics in den Markt für Gentherapie ein. Nachdem es am Wochenende bereits Gerüchte über diesen Schritt gab, hat der Pharmakonzern am Montag nun Fakten geschaffen. Roche lässt sich die Sache etwa 4,3 Milliarden US-Dollar kosten.

Gegenüber dem Schlusskurs von Freitag zahlt Roche für die Aktien des Biotechunternehmens eine Prämie von 122 Prozent. Das erscheint auf den ersten Blick viel. Allerdings hoben sowohl Analysten als auch Händler hervor, dass der Aufschlag gegenüber Juli 2018, als die Spark-Aktien ihr bisheriges Rekordhoch erreicht hatten, nur bei 19 Prozent liege. Diese Diskrepanz ergebe sich nicht zuletzt aus der deutlichen Korrektur, die der Biotechsektor im Laufe des vierten Quartals 2018 erlebt habe.

Wie Roche in der Mitteilung am Montag weiter ankündigte, soll die Transaktion noch im zweiten Quartal 2019 abgeschlossen werden. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen hätten bereits ihre Zustimmung gegeben. Roche werde nun umgehend ein Kaufangebot für alle ausstehenden Aktien von Spark Therapeutics unterbreiten. Spark Therapeutics wiederum werde seinen Aktionären die Annahme der Offerte empfehlen.

Spark hat bereits Gentherapie auf dem Markt

Spark Therapeutics ist vor allem auf Gentherapien für genetisch bedingte Krankheiten wie Blindheit, Hämophilie und neurodegenerative Krankheiten konzentriert.

Es hatte 2017 als erstes Unternehmen von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für seine Gentherapie Luxturna zur Behandlung von Patienten mit einer seltenen Form von vererbbarem Sehverlust erhalten. Später erhielt die Therapie dann auch von der europäischen Zulassungsbehörde EMA grünes Licht.

Der Roche-Konkurrent Novartis hatte sich dann Anfang 2018 über eine Lizenzvereinbarung mit Spark die Rechte gesichert, Luxturna ausserhalb der USA entwickeln und vertreiben zu dürfen. Wie Roche auf Nachfrage von AWP erklärte, sollte dies aber keine Auswirkungen auf die bereits bestehende Vereinbarung zwischen den beiden Unternehmen haben. Auch andere Gemeinschaftsprojekte zwischen Roche und Novartis, etwa beim Augenmittel Lucentis, werden durch diese Übernahme nicht beeinflusst.

Roche kann Hämophilie-Portfolio ergänzen

Aktuell gilt SPK-8011, eine neuartige Gentherapie zur Behandlung der Bluterkrankheit Hämophilie A, als wichtigster klinische Produktkandidat von Spark. Er werde voraussichtlich 2019 in eine Phase-III-Studie eintreten. Roche selbst ist mit seinem Mittel Hemlibra stark in der Behandlung von Hämophilie aktiv.

Neben dem bereits weiter fortgeschrittenen Pipeline-Projekt SPK-8011 verfügt Spark Therapeutics auch noch über den Kandidaten SPK-8016, der sich aktuell in einer Phase I/II-Studie befindet. Auch hier geht es um die Behandlung von Patienten mit Hämophilie A. Beim Kandidaten SPK-9001 werden Patienten mit Hämophilie B in einer Phase-III-Studie behandelt.

Analysten loben strategischen Nutzen

Mit der Übernahme sichert sich Roche nicht nur ein Standbein in der immer wichtiger werdenden Gentherapie, der Konzern holt sich damit auch eine sehr gute Ergänzung für sein bereits zugelassenes Mittel Hemlibra ins Portfolio - so lassen sich die ersten Analystenreaktionen zusammenfassen.

Der Preis sei zwar hoch, heisst es etwa in einem Kommentar, aber das sei in der Branche eher typisch. Ein anderer Analyst warnte zwar davor, dass Spark Therapeutics nicht zwingend das Rennen gewinne. Er erachtet den Markt aber als gross genug, um mehr als eine Gentherapie aufnehmen zu können. Damit zielt der Experte auf die Tatsache ab, dass das US-Unternehmen Biomarin derzeit auch eine Gentherapie zur Behandlung von Hämophilie testet.

Für Mark Purcell von Morgan Stanley hievt sich Roche durch die Übernahme in eine führende Position im Bereich Gentherapie. Laut ZKB-Analyst Michael Nawrath hat Roche sich gerade im Bereich Bluterkrankheit eine sehr potente Konkurrenz selbst einverleibt. Und Eric Le Berrigaud von Bryan Garnier meint, Roche habe das Wettrennen mit Novartis in der Gentherapie eröffnet.

Der Roche-GS büsst aktuell 0,2 Prozent auf 276,55 Fr. ein, dies in einem leicht festeren Gesamtmarkt. Vor allem der hohe Kaufpreis wurde bei Investoren etwas bemängelt.