Pharmaindustrie
Martin Ebner hat kein Glück mit seinem Pharma-Investment Vifor – wird es zum Verlustgeschäft?

Beim Pharmaunternehmen Vifor ist es zuletzt zu personellen Veränderungen gekommen, die Fragen aufwerfen. Nun trennt sich der Konzern auch von seinem Finanzchef. Der Aktienkurs fällt weiter und die Risiken nehmen zu - mit Folgen für Börsen-Hai Martin Ebner.

Daniel Zulauf
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Hofft auf Auftrieb bei seinem Vifor-Investment: Aktionär Martin Ebner.

Hofft auf Auftrieb bei seinem Vifor-Investment: Aktionär Martin Ebner.

Melanie Duchene / KEYSTONE

Die Zeit des Jahreswechsels ist für Finanzchefs normalerweise besonders intensiv. Der Rechnungsabschluss steht an, die betriebliche Leistung will geprüft und gemessen werden und es gilt Abweichungen vom Zielpfad rasch zu erkennen und zu verstehen. Dies hindert Colin Bond nicht daran, seinen Job auf Ende Jahr zu schmeissen. Bond ist seit 2016 Finanzchef beim Pharmaunternehmen Vifor.

Das Erstaunliche an der Personalie ist nebst dem Zeitpunkt auch die sehr kurze Kündigungsfrist von nur vier Wochen. Die Vermutung liegt auf der Hand, dass man sich nicht in Minne trennt. So war es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch im Sommer, als der vormalige CEO Stefan Schulze seinen Posten binnen weniger als vier Wochen für den Nachfolger Abbas Hussain räumte. Und es hat seither weitere Wechsel in der Konzernleitung gegeben.

Die Frage nach dem Generikum

Die mysteriösen Mutationen erfolgen vor dem Hintergrund einer enttäuschenden Kursentwicklung der Vifor-Aktien. Die Titel bewegen sich noch bei knapp 100 Franken, also etwa im Rahmen des Durchschnittskurses des Jahres 2015 als der Aktionärsaktivist Martin Ebner den Grossteil seiner derzeitigen Beteiligung von gut 20 Prozent erworben hatte. Der 76-jährige Börsenaltmeister hatte vor 20 Jahren den Dauerschreck für Topmanager von Schweizer Grosskonzernen gegeben. Im Börsenkollaps 2001 war er der Pleite nur knapp entronnen.

Auf Vifor hatte Ebner lange Zeit grosse Stücke gehalten. Doch die Firma ist den Erwartungen zuletzt nicht mehr gerecht geworden. Das Eisenpräparat Ferinject, das mehr als ein Drittel zum Konzernumsatz beisteuert, verliert ab 2023 den Patentschutz. Vifor geht davon aus, dass den Generikaherstellern bei der Produktion einer billigeren Kopie kein Erfolg beschieden sein wird. Das ist auch das Szenario mit dem Finanzanalyst Stefan Schneider von der Bank Vontobel rechnet. Sollte es aber anders kommen, wäre Vifor mit eine aktuellen Börsenkapitalisierung von sieben Milliarden Franken stark überbewertet, warnt er. In diesem Fall könnte Vifor für Ebner zum Verlustgeschäft werden.

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