Manor
Manor zahlt krasse Tiefstlöhne

180 Mitarbeitende der ostdeutschen Sigma Inventuren & Bestandskontrollen GmbH erfassen in diesen Wochen jeweils nach Ladenschluss die Warenbestände der Warenhauskette Manor. Dies tun sie zu rekordtiefen Löhnen, wie Recherchen der Zeitung «Sonntag» zeigen.

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Warenhauskette Manor

Warenhauskette Manor

Keystone

Laut Sigma-Geschäftsführer Tomislav Cutura erhält seiner Mitarbeiter die Mehrheit für ihren nächtlichen Einsatz nur 7 Euro pro Stunde. Das sind umgerechnet 10 Franken. Zusätzlich erhalten die Mitarbeiter eine Tagespauschale von 43 Franken. Mit dieser müssen sie allerdings ihr Mittagessen berappen, womit laut dem Bund nur 23 Franken als Lohn anrechenbar sind. Bei durchschnittlich sechs Stunden Arbeitszeit pro Tag erhalten die tiefstbezahlten Mitarbeiter somit alles in allem einen Stundenlohn von 13,85 Franken. Für die Gewerkschaft Unia ist das «ein krasser Fall von Lohndumping» und «Ausbeutung». «Wir verlangen, dass diesen Mitarbeitern die Löhne bezahlt werden, die Manor sonst auch bezahlt», sagt Vania Alleva, Leiterin Sektor Dienstleistungsberufe. Für ungelernte Personen sind das rund 23 Franken pro Stunde. Tomislav Cutura weist diese Forderung zurück. «Es gibt in der Schweiz keine Inventurbranche, von daher gibt es auch keine branchenüblichen Mindestlöhne.» Das sei falsch, sagt dazu Beat Werder, Leiter Vollzug Flankierende Massnahmen des Kantons Zürich. «Bei Inventurtätigkeiten gehen wir von einem üblichen Bruttostundenlohn inklusive Ferien- und Feiertagsentschädigung sowie des anteilsmässigen 13. Monatslohnes von 21,40 Franken aus.» Mehrere Kantone haben in Manor-Filialen eine Lohnkontrolle unter den Sigma-Beschäftigten durchgeführt. Die Ergebnisse stehen noch aus. Manor als Auftraggeberin sieht sich deshalb nicht verpflichtet, einzuschreiten. «Solange die Löhne nicht von den tripartiten Kommissionen oder den Arbeitsinspektoraten beanstandet werden, sehe ich mich nicht veranlasst, bei Sigma als Dienstleister Lohnanpassungen zu verlangen», sagt Personalchef Luciano Ponti.

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