Seit vergangenem Herbst war die New Yorker Kultmarke Supreme auch in der Schweiz erhältlich, exklusiv beim Versandhaus Lehner in Schenkon. Es handelte sich dabei aber nicht um das Original, sondern um die Nachahmer-Marke Supreme Spain. Dieses Unternehmen machte sich angeblich eine rechtliche Lücke zunutze, um Supreme-Kopien weltweit zu verkaufen. Dabei lässt die Firma ein Warenzeichen in einem Land eintragen, wo die Originalfirma noch nicht tätig ist – und kopiert dann deren Geschäftsidee.

Eine Lücke, die, wie es nun scheint, doch keine ist: Auf der Website von Lehner sind alle Spuren der Kleidermarke bereits wieder verschwunden. Thomas Meier, CEO des Lehner-Versands, wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht über die Gründe äussern. Meier hatte aber bereits im Januar auf den anhaltenden Rechtsstreit hingewiesen. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass sich Supreme New York gegen die Kopien gewehrt hat. In einem solchen Fall gilt nämlich das Recht des Älteren: Neben dem Schutz eingetragener Marken existiert auch ein Schutz von nicht oder noch nicht eingetragenen Marken.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist ein Artikel in der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums aus dem Jahre 1925. Dieser besagt: «Jede im Ursprungsland vorschriftsmässig eingetragene Fabrik- oder Handelsmarke soll so, wie sie ist, unter den Vorbehalten dieses Artikels in den anderen Verbandsländern zur Hinterlegung zugelassen und geschützt werden.» Das internationale Schutzkonzept für sogenannte notorisch bekannte Marken wurde erschaffen, um diese vor Markenpiraten zu schützen.

Weitere Kopie-Firma 
mit Sitz in der Schweiz

Supreme New York hat sich dadurch international erfolgreich gegen Kopien wehren können – auch in der Schweiz. Seit dem 26. Februar ist die Marke zusätzlich auch noch beim eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum (IGE) hinterlegt. Doch nach Supreme Spain befindet sich bereits der nächste Supreme-Klon in den Startlöchern: Seit Ende 2018 ist Supreme Italfigo im Schweizer Handelsregister eingetragen. Auch ein Logo lässt sich beim IGE finden: Nur die Hintergrundfarbe (schwarz statt rot) und der Zusatz «Italfigo» unter dem Schriftzug unterscheiden sich vom Original.

Der Europa-Sitz der Firma befindet sich in Lugano, seit Februar ist sie auch im Deutschen Patent- und Markenamt gelistet. Die nächste Runde im nicht endenden Markenkampf hat also bereits begonnen.

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Die Logos der beiden Firmen: Oben das Original, Supreme New York, unten die Kopie, Supreme Italfigo. Bilder: IGE

Die Logos der beiden Firmen: Oben das Original, Supreme New York, unten die Kopie, Supreme Italfigo. Bilder: IGE