Zusatzversicherungen

Krankenkassen zocken ihre Kunden ab

Die neue Spitalfinanzierung ruft kantonale Gesundheitsdirektoren und Konsumentenschützer auf den Plan. Die Prämien der Zusatzversicherungen seien viel zu hoch, sagt etwa die St. Galler Regierungsrätin Heidi Hanselmann. Grund für den Ärger ist unter anderem die Umlagerung der Kosten für die freie Spitalwahl.

Früher musste tief in die Tasche greifen, wer sich in einem Spital ausserhalb seines Wohnkantons behandeln liess. Da war eine Zusatzversicherung «Spitäler ganze Schweiz» sinnvoll. Mit der neuen Spitalfinanzierung aber zahlen die Wohnkantone auch die Kosten für ausserkantonale Behandlungen. Voraussetzung ist lediglich, dass das Spital auf einer so genannten Spitalliste steht. Die Zusatzversicherungen müssen nur noch für die Differenz aufkommen, wenn der Tarif im Behandlungskanton höher ist als im Wohnkanton.

Die Prämien für den Zusatz «Spitäler ganze Schweiz» hätten daher eigentlich sinken müssen. Doch das ist nicht geschehen – und es wird sich gemäss Santésuisse, dem Verband der schweizerischen Krankenversicherer, nicht vor 2014 ändern. Die Versicherungen geben an, noch keine verlässlichen Zahlen über die tatsächlichen Kosten zu haben. «Erst wenn Tarife, aber auch Kostenteiler definitiv sind, können wir die Kosten berechnen – spätestens 2015», sagt Santésuisse-Sprecherin Silvia Schütz.

Intransparentes Päckli-System

Gesundheitsdirektorin Hanselmann hält dagegen, dass die Kassen genau wüssten, wie viel sie sparen: «Allein in St. Gallen zahlen die Zusatzversicherer 61 Millionen Franken weniger pro Jahr.» Gesamthaft rechnet die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK), dass die Zusatzversicherer pro Jahr um 600 Millionen Franken entlastet würden. «Ein grosser Teil davon betrifft die ausserkantonale Spitalbehandlung», so Michael Jordi, GDK-Generalsekretär. Schütz widerspricht: «Man kann die Kostenverschiebung nicht 1:1 auf die Prämien umrechnen.» So sei «Spital ganze Schweiz» nur ein Teil in einem Zusatzversicherungspaket.

Für Jordi hat diese Päckli-Schnürerei der Zusatzversicherer System: «So wird verhindert, dass sich der Versicherte einfach informieren und für oder gegen eine Zusatzversicherung entscheiden kann.» Für ihn sei klar, dass die Prämien auf den nächstmöglichen Termin angepasst werden müssen.

Auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, fordert: «Die Prämien müssen runter – und zwar schon nächstes Jahr.» Ausserdem verlangt sie, dass die jetzt zu viel bezahlten Prämien über Sonderrabatte in den nächsten Jahren rückvergütet werden.

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