Euro-Airport
Keine Swiss mehr am Flughafen Basel: Es gibt aber keinen Stellenabbau

Die Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings wird im nächsten Jahr von Basel aus dem lokalen Platzhirsch Easyjet Konkurrenz machen. Swiss wird sich aus Basel zurückziehen und sich auf die Standorte Zürich und Genf konzentrieren.

Matthias Niklowitz
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Eine Maschine der Swiss auf dem Basler Euro-Airport.

Eine Maschine der Swiss auf dem Basler Euro-Airport.

Keystone

Eurowings wird komplett neu ausgerichtet. Das gab der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch an einer Pressekonferenz in Frankfurt bekannt. Basel wird mit zwei bis vier Maschinen im nächsten Jahr der erste operative Standort. Bisher bedient die Lufthansa-Tochtergesellschaft mit Flugzeugen mit 90 Sitzen dezentrale Europa-Strecken im Auftrag von Lufthansa. Die Flotte soll neu aus bis zu 23 kleinen Airbus-Maschinen bestehen.

Laut Spohr sollen die Kosten gegenüber der Lufthansa-Billigtochter Germanwings noch einmal um 20 Prozent gesenkt werden. Im Vergleich zu Lufthansa wäre das dann bei Eurowings eine um 35 Prozent günstigere Kostenstruktur. Diese günstigeren Kostenstrukturen sollen mit einer Kombination von billigerem, nicht in Tarifverträge eingebundenem Personal, engeren Sitzabständen, Einsparungen beim Catering und Zusatzgebühren für Gepäck erreicht werden. Spohr zielt damit auf den Basler Platzhirschen Easyjet.

Swiss-Sitz ist nicht betroffen

Easyjet hatte erst am Dienstag den Ausbau des Netzes ab Basel um zwei Destinationen bekannt gegeben. «Wir werden die Entwicklung am EuroAirport selbstverständlich aufmerksam mitverfolgen und parallel dazu unsere Wachstumsstrategie wie geplant weiterführen», sagt Thomas Haagensen, Commercial Director Nordeuropa bei Easyjet. Dem Lufthansa-Eurowings-Vorstoss sieht man gelassen entgegen. «Unser Geschäftsmodell beruht auf günstigen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen innerhalb Europas und diesem bleiben wir treu». Easyjet hat neun moderne Airbus-Flugzeuge in Basel stationiert und befördert damit rund 3,5 Millionen Passagiere ab und nach Basel.

Zum Vergleich: Swiss hielt dem Easyjet-Angebot bisher mit zwei uralt-Flugzeugen vom Typ Avro entgegen. Die Kapazitäten der Lufthansa-Gruppe ab Basel würden mit Eurowings aber erhöht und den Kunden ab Basel werde ein attraktives Produkt mit mehr Destinationen geboten, versichert man bei Swiss. «Einen Arbeitsplatzabbau wird es durch diese Gruppenlösung nicht geben, da die Swiss-Flugzeuge weiter auf anderen Strecken eingesetzt werden und es sogar zum Aufbau von Arbeitsplätzen in Basel kommt», sagt Swiss-Sprecherin Myriam Ziesack. Der Zeitplan sei noch nicht definiert. «Ein reibungsloser Übergang wird garantiert», so Ziesack weiter. «Der Firmensitz der Swiss in Basel ist nicht betroffen».

Billig-Langstrecke kommt

Swiss hatte in Genf bereits Erfahrungen mit nicht in Tarik-Verträgen organisiertem Billig-Personal gemacht. «Alle Mitglieder des Kabinenpersonals haben die Ausbildung der Swiss absolviert und arbeiten nach den gleichen Standards und Prozessen wie in Zürich», sagt ein Swiss-Sprecher. «Die Erfahrungen sind positiv.» Allerdings berichten in Zürich stationierte Swiss-Kabinenchefs, dass das Genfer Personal überdurchschnittlich oft bei den Qualifizierungsflügen mit schwachen Leistungen auffällt. Und bei anderen Flügen verbringt das Personal mehr Zeit mit Firmentratsch in der Bordküche als in der Kabine.

Lufthansa will nicht nur in Basel, sondern auch auf Langstrecken im Billigsegment Fuss fassen. Laut Spohr spricht man einerseits mit dem Konkurrenten und Star-Allianz-Verbundpartner Turkish Airlines über eine Billig-Tochter für Langstrecken nach dem Vorbild des bereits bestehenden Gemeinschaftsunternehmens Sun Express. Ziele sind «Warmwasserdestinationen» wie die Malediven. Andererseits will Lufthansa unter dem eigenen «Wings»-Dach einige ältere Langstreckenflugzeuge mit einer verkleinerten Business-Klasse ausstatten und Ziele in Asien anfliegen, wo sich die Kunden keine westeuropäischen Ticketpreise leisten können. Über den Markennamen wird noch diskutiert.

Rückläufige Passagierzahlen

Intern soll weiter gespart werden. Das Sparprojekt «Score», das Spohrs Vorgänger und heutiger Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz angestossen hatte, soll zu einem ständigen Einrichtung werden. Gleichzeitig soll Lufthansa mit einem besseren Service in der Luft und am Boden die einzige europäische 5-Sterne-Fluggesellschaft werden. In dieser exklusiven Gruppe sind Gesellschaften aus Asien bisher unter sich.

Und die jagen Lufthansa, Swiss & Co. weiter Passagiere ab: Bei Swiss gingen die Passagierzahlen in der ersten Jahreshälfte um 0,5 Pozent zurück, wie das Unternehmen gestern meldet. Ein kleines Plus im Interkontinentalverkehr konnte den Rückgang in Europa nicht wettmachen. Lufthansa selber und die österreichische Tochter Austrian Airlines verzeichneten zwischen Januar und Juni hingegen etwas mehr Passagiere. Die Lufthansa-Aktie stieg gestern um 1,3 Prozent, nachdem sie in den vergangenen vier Wochen um 25 Prozent eingebrochen war. Kleiner Trost: In den letzten 12 Monaten lagen die Aktien von Lufthansa und Easyjet gleichauf. Trotz völlig unterschiedlicher Strategien.

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