Als Viktor Vekselberg und seine Renova Group am 6. April von den USA mit scharfen Sanktionen belegt wurden, mussten all seine Geschäftspartner die Stoppuhr drücken. Bis zum 5. Juni müssen geschäftliche Verbindungen aufgelöst sein. So verlangt es das Office of Foreign Asset Control (Ofac), das die getroffenen Dispositionen am Ende auch absegnen wird.

Was die Beendigung von Vekselbergs Bankbeziehungen in der Schweiz anbelangt sind die Dinge offenbar schon weit gediehen. Agenturberichten zufolge ist der 720-Millionen-Franken-Kredit inzwischen abgelöst, den sich der Oligarch im Dezember 2017 von sechs Banken, darunter auch Credit Suisse und UBS, geben liess. Genau genommen ging der Kredit an die von Vekselberg kontrollierte Liwet Holding in der dessen Beteiligungen an den Industriefirmen Schmolz+Bickenbach und Oerlikon liegen.

Am Wochenende hat Liwet nun gemeldet, Vekselberg beziehungsweise dessen Renova habe die Kontrolle an Liwet aufgegeben und halte nurmehr 44 Prozent der Anteile. Die Mehrheit soll auf verschiedene Renova-Manager übergegangen sein. So sinkt zumindest formal die Beteiligung von Vekselberg/Renova an Oerlikon von 43 Prozent auf rund 20 Prozent und der Anteil an Schmolz+Bickenbach beläuft sich nach der notwendig gewordenen Aufkündigung des Aktionärsbindungsvertrags mit der Familie auf 26 Prozent gegenüber mehr als 30 Prozent davor.

Vekselberg hoffe, dass Liwet auf diese Weise die auf einem Sperrkonto liegende Dividende von Oerlikon herauslösen könne, spekulierte die SonntagsZeitung. Es geht um einen Betrag von immerhin 50 Millionen Franken. Das letzte Wort dazu wird allerdings die US-Sanktionsbehörde, also das Ofac, sprechen. Dort dürfte man den Russen kaum durch das Hintertürchen davonschleichen lassen, das ihm in der Schweiz bei seiner Ankunft vor über 10 Jahren offengestanden war. Sowohl beim Einstieg in den Sulzer-Konzern als auch beim Kauf des Oerlikon-Anteils nutzte Vekselberg die Tarnung des österreichischen Raider-Duos Ronny Pecik und Georg Stumpf. Vekselsberg tat dies so geschickt, dass er das Eidgenössische Finanzdepartement mit dessen Klage vor dem Bundesstrafgericht auf Verletzung börsenrechtlicher Meldevorschriften uralt aussehen liess. Rückblickend hätte sich ein Beharren auf mehr Transparenz wohl gelohnt. (DZ)