Kartoffeln

Kartoffelbauern produzieren 50'000 Tonnen Überschuss

Ein Landwirt bestellt im Seeland im Kanton Bern sein Kartoffelfeld (Archiv)

Ein Landwirt bestellt im Seeland im Kanton Bern sein Kartoffelfeld (Archiv)

Neben Butterbergen und Milchseen hat die Schweiz jetzt auch noch einen riesigen Haufen Kartoffeln, die niemand will. Bis zu 50'000 Tonnen Überschuss ernten die Bauern diesen Herbst. Statt im Teller landen die meisten dieser Knollen im Futtertrog der Tiere.

Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP), ist überrascht über die grosse Ernte. Im Frühling seien die Aussichten wegen der Trockenheit noch nicht so rosig gewesen, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda zu einer Meldung der "BauernZeitung" vom Freitag.

Dank dem Regen Anfang Juni hätten die Kartoffeln den Rückstand aber innerhalb kurzer Zeit aufgeholt. Nun zeigt sich, dass die Ernte sogar weit grösser ausfällt als letztes Jahr. Statt rund 420'000 Tonnen dürften heuer nach Schätzungen des VSKP bis zu 470'000 Tonnen geerntet werden. In einigen Gebieten sei die Ernte bis zu 20 Prozent höher ausgefallen als 2010, sagte Fischer.

Den Markt im Griff

Das bedeutet aber nicht, dass der Kartoffelpreis jetzt im Keller wäre. Anders als die Milchbauern kontrollieren die Kartoffelproduzenten ihren Markt nämlich rigoros. Was über einer bestimmten Menge hinausgeht, kommt gar nicht erst ins Angebot.

Die Produzenten erhalten für die Überschüsse derzeit noch zwischen 11 und 15 Franken pro 100 Kilogramm - rund die Hälfte dessen, was sie beim Verkauf bekommen hätten. Das Geld dafür stammt aus einem Fonds, der vor allem von den Produzenten, aber auch von Handel und Industrie geäufnet wird.

Die überschüssigen Kartoffeln werden vorwiegend an Kühe und Schweine verfüttert. Flocken werden heute keine mehr hergestellt, weil der Bund diese Art der Verwertung seit zwei Jahren nicht mehr subventioniert. Stattdessen wird aus einem Teil der Kartoffeln Strom gemacht.

Stefan Theiler von der Genossenschaft Ökostrom Schweiz, welche die überschüssigen Kartoffeln für ihre Mitglieder koordiniert, erwartet jedoch nicht mehr als ein paar hundert Tonnen. Posten, die Probleme mit Fäulnis haben oder nirgends gelagert werden können, wie er der sda sagte. Theiler wäre jedoch nicht unglücklich, wenn es noch weniger wären.

Gefälligkeit unter Bauern

Dass Ökostrom Schweiz die Überschüsse annehme, sei vor allem eine Gefälligkeit innerhalb der Branche. Interessant seien die Kartoffeln als Biomasse nicht: Mit 85 Prozent Wasseranteil seien sie für die Stromproduktion nicht sehr ergiebig.

Zudem gibt es dafür keinen Entsorgungserlös, was für den wirtschaftlichen Betrieb einer Biogasanlage nötig wäre. Und schliesslich zeigt die Öffentlichkeit laut Theiler wenig Verständnis, wenn Nahrungsmittel zu Strom verarbeitet würden.

Für die überschüssigen Kartoffeln bekommen die Bauern darum kein Geld von Ökostrom Schweiz. Trotzdem können sie zufrieden sein, schaffen sie es doch, trotz Überschüssen den Preis für die Kartoffeln einigermassen stabil zu halten.

Um ein solches System ringen die Milchbauern seit der Aufhebung der Milchkontingentierung im Mai 2009 vergeblich. Ihr Ertrag pro Liter Milch hat sich in der Zeit um rund einen Drittel reduziert.

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