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Kampf der Titanen: Roche und Novartis duellieren sich bei Therapien verschiedener Krankheiten

Roche-Chef Severin Schwan (links) ist seit elf Jahren im Amt. Vas Narasimhan (rechts) ist seit etwas mehr als einem Jahr Novartis-Chef.

Roche-Chef Severin Schwan (links) ist seit elf Jahren im Amt. Vas Narasimhan (rechts) ist seit etwas mehr als einem Jahr Novartis-Chef.

Das Duell der beiden Basler Pharmakonzerne Roche und Novartis wird längst nicht mehr nur auf dem Feld der Nachahmerpräparate ausgefochten.

Wenige Kilometer voneinander entfernt befinden sich in Basel zwei der weltgrössten Pharmakonzerne. Und dennoch haben die beiden Giganten bislang nur sehr punktuell die Klingen gekreuzt. Beide sind zwar wichtige Spieler im Bereich der Krebsbekämpfung, doch nur selten kam es bei den Anwendungsgebieten zu Überschneidungen. Auch sonst gab es kaum direkte Duelle.

Dies hat sich in den letzten Jahren zunehmend geändert und spitzt sich nun weiter zu. Inzwischen greift Novartis den Konkurrenten Roche direkt an. So stellt die Novartis-Tochter Sandoz eine Kopie des Roche-Kassenschlagers Rituxan her. Das Mittel wird gegen eine Form von Blutkrebs und rheumatoide Arthritis eingesetzt.

Rituxan hat Roche seit 2010 im Schnitt jährlich rund 6,8 Milliarden Franken eingespielt. Damit ist es nun vorbei. Im vergangenen Jahr musste das Präparat in Europa eine Umsatzeinbusse von 47 Prozent hinnehmen, da der Patentschutz abgelaufen ist. Die Kopie von Novartis klingt ziemlich ähnlich wie das Original: Rixathon.

Seltene Muskelkrankheit

Doch das Geschäft mit neuartigen Generika, sie werden Biosimilars genannt, ist nicht ohne Tücken. In den USA musste Novartis jüngst einen Rückschlag hinnehmen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA verlangte weitere Informationen, um Rixathon zuzulassen. In der Folge entschied Novartis, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.

Der Grund: Bis der Pharmakonzern hätte starten können, hätten andere Konkurrenten schon weite Teile des Marktes abgegraben. Für Roche gibt es daher keinen Grund, aufzuatmen.

Novartis dürfte auch andere potente Medikamente von Roche ins Visier nehmen, deren Patentschutz bald ausläuft oder schon abgelaufen ist. Aus Konkurrenzgründen lässt sich Novartis jedoch nicht in die Karten blicken, um welche Präparate es sich dabei handelt.

Das Duell der beiden Basler Pharmakonzerne wird jedoch längst nicht nur auf dem Feld der Nachahmerpräparate ausgefochten. So entwickeln beide Firmen derzeit eine Therapie gegen die spinale Muskelatrophie. Dabei handelt es sich um eine seltene Krankheit, die Nervenzellen befällt, die für die willkürlichen Bewegungen der Muskulatur zuständig sind.

Fast alle Kinder, die vom Typ I der Erkrankung betroffen sind, sterben vor ihrem zweiten Geburtstag. Die Babys können weder sitzen, noch den Kopf halten oder drehen. Atmen, Schlucken oder Husten ist kaum möglich.

Hat Roche eine Chance?

Novartis hat sich mit der 8,7 Milliarden Dollar teuren Übernahme einer US-Firma eine Gentherapie gesichert. Diese führt zur Heilung der betroffenen Babys, wie erste Studiendaten zeigen. Im besten Fall könnte Novartis in den USA die Zulassung bereits im Mai erhalten.

Roche kann dagegen nicht ganz so spektakuläre Studiendaten vorweisen. Von 21 Babys mussten 20 während der ersten acht Monate nicht permanent beatmet werden, wie das sonst üblich ist. Gut 20 Prozent konnten selbstständig sitzen. Roche wird die Zulassung in der zweiten Jahreshälfte beantragen.

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Die Frage ist, ob Roche überhaupt eine Chance hat, da die Novartis-Therapie Heilung verspricht. Doch im Unterschied zu Novartis beantragt Roche eine Zulassung für die Typen 2 und 3 der Krankheit. Bei diesen Formen sind die Symptome nicht ganz so schwerwiegend und werden je nach Typ zwischen 6 und 18 Monaten nach der Geburt entdeckt. Auch Novartis will für die Typen 2 und 3 eine Zulassung einreichen, dies dürfte jedoch frühestens im nächsten Jahr der Fall sein.

Roche-Chef Severin Schwan zeigt sich zuversichtlich, dass das eigene Präparat einen Platz neben der Gentherapie von Novartis haben wird. «Es könnte eine sehr wichtige Ergänzung zu anderen Therapien sein», sagte Schwan Anfang Jahr. Selbst von unabhängiger Warte wird dem Roche-Mittel ein gewisses Potenzial eingestanden.

Es gehe nicht nur um Symptomlinderung, sagt Michael Nawrath, Analyst der Zürcher Kantonalbank. Zudem könne die Novartis-Gentherapie nicht bei allen Patienten angewendet werden. Denn die Krankheit müsse spätestens in den ersten Tagen nach der Geburt diagnostiziert werden, damit die Injektion etwas nütze.

Dazu bräuchte es eine praktikable wie auch zuverlässige Methode zur Diagnostik, die so noch nicht angeboten werden kann. Hinzu kommt: «Wir wissen heute nicht, wie lange die Gentherapie anhält», sagt Nawrath. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Behandlung nach einigen Jahren wiederholt werden müsse.

Beim Kampf in der Therapierung von multipler Sklerose dürfte Roche die besseren Karten in den Händen halten. Erst vor zwei Jahren in den USA zugelassen, spielte das Präparat im vergangenen Jahr bereits 2,4 Milliarden Franken ein. Novartis hofft, mit dem gleichen Wirkmechanismus Boden gutzumachen.

Das Unternehmen will in diesem Jahr die Zulassung für das entsprechende Medikament beantragen. Das Roche-Mittel weise sehr gute Daten bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit auf, sagt Nawrath von der Zürcher Kantonalbank. «Novartis wird es sehr schwer haben, diese zu übertreffen.»

Der Analyst erinnert zudem daran, dass Novartis für die Rechte an seinem Medikament über eine Milliarde Dollar an den britischen Pharmakonzern GSK überweisen musste, damit es gegen multiple Sklerose eingesetzt werden darf. Dies geht auf einen Tausch von Firmenteilen im Jahr 2014 zurück.

Ein weiteres Duell zeichnet sich bei der Bekämpfung einer Form der Erkrankungen der Netzhaut des Auges ab. Hier haben die beiden Konzerne bisher zusammengespannt und das Mittel Lucentis auf den Markt gebracht. In den USA, wo Roche die Rechte hält, läuft das Patent nächstes Jahr ab. Für Spannung im Duell der beiden Titanen ist also gleich auf mehreren Feldern gesorgt.

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