Wirtschaft

Jeder vierte Angestellte will nach der Pension weiter arbeiten – das wird sogar nötig sein

Ein Student im Pensionsalter liest im Studiensaal der Bibliothek der Universität Luzern.Bild: Christoph Schürpf/Keystone (11. Mai 2017)

Ein Student im Pensionsalter liest im Studiensaal der Bibliothek der Universität Luzern.Bild: Christoph Schürpf/Keystone (11. Mai 2017)

Eine Umfrage zeigt: Vier von zehn Schweizern möchten im Pensionsalter weiterarbeiten. Das trifft sich gut. Denn 2030 werden fast 600'000 zusätzliche Arbeitsnehmer gebraucht, um die demografische Lücke schliessen zu können.

Die Schweizerinnen und Schweizer arbeiten in der grossen Mehrheit gern. Diese Tatsache wird seit Jahren durch Erhebungen belegt. Für viele ist der Übergang in die Rente eine schwere Zäsur. Eine neue, repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmens Deloitte zeigt nun, dass vier von zehn Erwerbspersonen auch über das Pensionsalter hinaus gerne berufstätig bleiben würden. Befragt wurden 1000 Personen im Alter zwischen 50 und 64 Jahren. 35 Prozent von ihnen wünschen sich eine Fortsetzung des Arbeitslebens in einem Teilzeitmodell. 5 Prozent möchten sogar vollzeitlich weitermachen.

Ob man diese Zahlen eher als hoch oder als niedrig bewerten will, ist eine Frage des subjektiven Ermessens. Wirklich überraschend sind sie nicht. Fakt ist, dass rund 45 Prozent der erwerbstätigen Personen in der täglichen Arbeit physischen Risiken wie dem Tragen schwerer Lasten, starkem Lärm oder giftigen Substanzen ausgesetzt sind. Das zeigen die regelmässigen Untersuchungen des Bundesamtes für Statistik. Obschon es auch in dieser Gruppe viele Menschen gibt, die ihren Beruf gerne ausüben, ist zu vermuten, dass eine Mehrheit lieber etwas früher als später in Rente gehen würde.

Dieser Umstand ist bedeutungsvoll, wenn man die Konklusionen betrachtet, die Deloitte aus der Umfrage zieht. Die Studie rechnet hoch, dass eine vollumfängliche Nutzung des Potenzials, das durch die ordentliche Pensionierung verloren geht, ein zusätzliches Heer von 578 000 Arbeitskräften hergeben würde. Fast exakt so viele zusätzliche Berufsleute werde der Arbeitsmarkt im Jahr 2030 maximal benötigen, damit die in diesem Zeitraum entstehende demografisch bedingte Lücke geschlossen werden könne, stellte die UBS unlängst in ihren eigenen Berechnungen fest.

Wenig Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung

Doch die Realität sieht anders aus. Die aktuellen Arbeitsmarktstatistiken zeigen, dass derzeit nur 23 Prozent der 65- bis 69-Jährigen noch in einem Beschäftigungsverhältnis stehen. Arbeitswillig wären gemäss Deloitte aber 40 Prozent. Und mehr noch: Von angehenden Rentnern, die den Wunsch zur Weiterarbeit hätten, glauben nur 30 Prozent, dass sie die Chance dazu erhalten werden. Optimistisch sind diesbezüglich also nur zwölf von hundert Personen.

Deloitte führt diese Diskrepanz auf das gesetzlich verankerte Rentenalter zurück. Das ordentliche Pensionierungsdatum führe dazu, dass der Rückzug aus dem Arbeitsleben ein Automatismus werde. Festgestellt wird auch, dass angehenden Rentnern im Arbeitsmarkt oft keine Möglichkeiten zur Weiterbeschäftigung geboten würden.

In dem Studienergebnis sieht Deloitte Handlungsbedarf. Gefordert seien einerseits die Unternehmen, die bei der Planung ihres Arbeitskräftebedarfes die älteren Semester stärker einbeziehen sollten. Aber auch die Politik sei in der Pflicht, die Fortführung der Berufstätigkeit mit finanziellen Anreizen (steuerliche Entlastung, Erhöhung des Freibetrags in der AHV) zu fördern. Die vorgeschlagenen Massnahmen sind zwar einleuchtend und sofort plausibel. Doch sie unterschlagen die erwähnte Tatsache, dass viele Arbeitnehmende aus Belastungsgründen gar nicht über das Rentenalter hinaus berufstätig bleiben können.

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Autor

Daniel Zulauf

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