Alternativen, bei denen männliche Küken gemästet und als Poulets verkauft werden, sind bisher nur Nischenprodukte. Ein Franken mehr zahlt bei Coop, wer mit einem guten Gewissen Eier kaufen will. Ein 6er-Pack Bio-Eier kostet Fr. 4.95, Eier von sogenannten Zweitnutzungshühnern kosten Fr. 5.95.

Diese Hühner haben einen Vorteil. Sie können zur Ei- und zur Fleischproduktion genutzt werden. Die männlichen Küken müssen also nicht getötet werden, weil sie später zu Fleisch verarbeitet werden können. Das klappt bei normalen Rassen nicht, die entweder nur zur Fleischproduktion oder nur zur Eierproduktion gezüchtet werden. Die männlichen Geschwister der Legehennen müssen deshalb sterben.

Der Nachteil der Zweinutzungshühner-Rassen: Sie sind weniger produktiv beim Eierlegen und kleiner als normale Masthühner für Pouletfleisch. Das wiederum macht die Produkte teurer. «Es sind zwei Paar Schuhe, bei einer Umfrage anzugeben, man sei bereit, für das Tierwohl mehr zu zahlen und es dann auch tatsächlich zu tun», sagt Lukas Inderfurth von Biosuisse.

Der Aufschrei in der Bevölkerung ist jedes Mal gross, wenn es ums Kükenschreddern geht, trotzdem sind Zweinutzungshühner ein Nischenprodukt. «Der ökonomische Aspekt ist einer der Gründe, warum die Alternativen zum Kükenschreddern nur im kleinen Rahmen erfolgreich sind», sagt Inderfurth zur «Nordwestschweiz». Doch zumindest hätten die Konsumenten schon heute die Wahl.

Aldi mit neuem Angebot

Seit 2014 verkauft Coop Produkte von Zweinutzungshühnern. Man sei mit dem Absatz zufrieden, heisst es von der Coop-Medienstelle. Die Eier seien in rund 90 Coop-Supermärkten im Verkauf. Zum Vergleich: Coop bewirtschaftet momentan über 870 Supermärkte. Das Fleisch sei punktuell verfügbar. Ein Nischenprodukt also.

Das hält Aldi nicht davon ab, ebenfalls auf eine ähnliche Methode zu setzen. So können Konsumenten ab heute in der Ostschweiz und im Raum Zürich Eier aus dem Programm «Henne& Hahn» kaufen. Dabei wird pro verkauftes Ei ein Hahn, der sonst kurz nach der Geburt getötet würde, aufgezogen und gemästet. Die Eier und das Fleisch des Masthahns werden dafür teurer verkauft. Migros setzt auf ein ähnliches Programm wie Aldi. Doch bediene man damit nur eine Nische, heisst es bei Migros. Eine nachhaltige Lösung sei dies nicht.

Weil das Geschäft mit den Alternativen schleppend verläuft, setzt man in der Branche auf eine andere Methode, um das Kükenschreddern zu verhindern. Noch in diesem Jahr soll es möglich sein, das Geschlecht der Küken bereits im Ei zu bestimmen, um dann die männlichen Eier zu verkaufen. Dies sagte Friedrich-Otto Ripke, Chef des deutschen Zentralverbands der Geflügelwirtschaft, in einem Interview mit der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

In der Schweiz ist man jedoch skeptisch, ob die Verfahren bereits in diesem Jahr kommen werden. Bio Suisse verkündete im Mai 2016, dass bis 2019 dem Kükenschreddern in der Schweiz ein Ende gesetzt werden soll. «Noch ist offen, ob das Ziel bis 2019 realistisch umzusetzen ist», relativiert Lukas Inderfurth. Bei den Produzenten seien noch zu viele Fragen unbeantwortet. «Zudem sind Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon vielfach versprochen worden, Realität sind sie aber bis heute nicht.»