Anlegen 2017
Investieren mit Donald: Fahren sichere Anleihen dieses Jahr wegen Trump Verluste ein?

Nächste Woche, am 20. Januar, beginnt in Washington die Ära Donald Trump. Dann tritt der neue Präsident der USA sein Amt an. Eine neue Zeitrechnung auch an der Wall Street?

Tommaso Manzin
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Nächste Woche beginnt in Washington die Ära Donald Trump. Eine neue Zeitrechnung auch an der Wall Street?

Nächste Woche beginnt in Washington die Ära Donald Trump. Eine neue Zeitrechnung auch an der Wall Street?

Grafik: NCH/MTA

Die Wahl Trumps hat an den Börsen für Aufbruchstimmung gesorgt. Zusammen mit der Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank im Dezember liess das die Renditen von Obligationen bis Ende Jahr steigen. Gegengleich dazu fielen ihre Kurse (siehe nachfolgende Bildergaliere dazu). Auch der US-Dollar zog an.

Aktien: Noch im grünen Bereich Anleger wägen stets ab, ob sie ihre Mittel besser in Obligationen (Anleihen, Bonds) oder in Aktien investieren sollen. Aktien sind riskanter, da ihre Eigentümer im Konkursfall erst nach den Obligationären berücksichtigt werden. Sie rentieren daher im Durchschnitt mehr. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Zinsen/Renditen und Aktien: Je höher die Renditen, desto attraktiver sind Anleihen und desto eher leidet der Aktienmarkt. Die Experten des US-Geldinstituts Merrill Lynch haben sich die Beziehung genauer angesehen: Steigen Obligationenrenditen über 5 Prozent, fallen die Aktienmärkte. Liegen sie darunter, gehen steigende Renditen mit steigenden Aktienkursen einher. Niemand glaubt, dass der Zinsanstieg 2017 so gross sein wird, dass die Renditen derart steigen. Die höchsten Renditen in den Industrieländern hat derzeit die USA mit 2,4 Prozent bei 10-jährigen US-Staatsanleihen. Von dieser Seite spricht also noch nichts gegen Aktien.
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Obligationen: Die Verlierer Sollte der erwartete Zinsanstieg in diesem Jahr Wirklichkeit werden, dann sind Anleihen sicher die grossen Verlierer dieses Jahres. Dies besonders, wenn der Anstieg schneller oder markanter ausfallen sollte als von den Märkten in den aktuellen Kursen vorweggenommen. Bereits gekaufte Anleihen würden dann an Wert verlieren. Der Grund: Diese Anleihen werfen weniger Zins ab als jene, die in diesem Jahr noch auf den Markt kommen. Da Letztere attraktiver verzinst sind, werden sie mehr nachgefragt, während der Preis «alter» Obligationen fällt. Ein Beispiel: Falls jemand eine Anleihe mit einer Rendite (Zins bzw. Coupon) von beispielsweise 1 Prozent verkaufen möchte und 2017 eine Anleihe mit gleicher Fälligkeit aber 1,5 Prozent Zins auf den Markt kommt, dann wird er seine Anleihe billiger verkaufen müssen als die neue mit gleicher Laufzeit kosten würde.
Währungen: Dollar im Fokus Der Glaube an eine stärkere US-Wirtschaft und vor allem an höhere Zinsen hat den US-Dollar erstarken lassen. Vor allem aber ist es die Erwartung steigender Zinsen/Renditen, die die amerikanische Währung für Anleger interessanter gemacht hat. Dieser Effekt könnte bereits ganz oder teilweise im Anstieg des Dollars der letzten Monate «verbraucht» sein. Sollte der Dollar weiter zulegen, wäre das für die Schweiz eine gute Nachricht. Denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) muss den Franken nicht nur vor einer Aufwertung gegenüber dem Euro bewahren, sondern auch zum Dollar. Die USA sind nach Europa die wichtigste Exportdestination der Schweizer Wirtschaft.
Gold erhält Konkurrenz Auch der US-Dollar gilt als sicherer Hafen. Denn die USA sind ein mächtiger Staat und seine Währung ist jene, die global am meisten verbreitet ist und genutzt wird. Mit den steigenden Zinsen hat der Dollar bereits einen grossen Vorteil auf seiner Seite, denn Gold wirft keine Rendite ab. Ein Investor kann nur hoffen, dass sein Preis steigt (oder wenigstens nicht sinkt). Erwarten die Anleger zudem ein weiteres Erstarken der US-Währung, dann ist das ein weiteres Argument, um in Dollar-Wertschriften zu investieren. Damit büsst Gold weiter an Attraktivität ein. Andererseits bleiben die Risiken auch im nächsten Jahr hoch und risikoscheue Anleger werden den Goldanteil in ihrem Portfolio halten, ihn vielleicht sogar aufstocken. In Europa stehen Wahlen in Frankreich und Deutschland an.
Rohstoffe: wenig Energie Mit der erwarteten Wachstumsbeschleunigung in den USA, aber auch in Europa, sollte auch die Nachfrage nach Rohöl stärker werden. Doch scheint bei den Rohstoffen besonders viel der unterstützenden Effekte schon durch die Preissteigerungen der letzten Monate vorweggenommen. Wie etwa die Credit Suisse in einem Kommentar schreibt, war die Energiepreisdynamik in den letzten Monaten bereits sehr unterstützend für diese Anlageklasse. Die hohe Volatilität (Schwankungsbreite) der Preise deute nun auf eine Trendwende hin. Da viele positive Meldungen nach der Einigung des Ölförderkartells Opec über Produktionskürzungen und nach dem Wahlsieg Trumps bereits in den aktuellen Preisen enthalten seien, bestehe in den kommenden Monaten nur noch geringeres Aufwärtspotenzial.

Aktien: Noch im grünen Bereich Anleger wägen stets ab, ob sie ihre Mittel besser in Obligationen (Anleihen, Bonds) oder in Aktien investieren sollen. Aktien sind riskanter, da ihre Eigentümer im Konkursfall erst nach den Obligationären berücksichtigt werden. Sie rentieren daher im Durchschnitt mehr. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Zinsen/Renditen und Aktien: Je höher die Renditen, desto attraktiver sind Anleihen und desto eher leidet der Aktienmarkt. Die Experten des US-Geldinstituts Merrill Lynch haben sich die Beziehung genauer angesehen: Steigen Obligationenrenditen über 5 Prozent, fallen die Aktienmärkte. Liegen sie darunter, gehen steigende Renditen mit steigenden Aktienkursen einher. Niemand glaubt, dass der Zinsanstieg 2017 so gross sein wird, dass die Renditen derart steigen. Die höchsten Renditen in den Industrieländern hat derzeit die USA mit 2,4 Prozent bei 10-jährigen US-Staatsanleihen. Von dieser Seite spricht also noch nichts gegen Aktien.

KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Der «Trump-Effekt»

Der Hauptgrund: Trump hat höhere Staatsinvestitionen angekündigt. Fragt der Staat mehr Güter und Dienstleistung nach, steigt deren Preis. Wird das erwartet, beginnen Gläubiger, mehr Zins für Geld zu verlangen, das sie dem Staat oder Unternehmen in Form von Obligationen leihen. Sonst hätte das Geld bei der Rückzahlung in Zukunft weniger Kaufkraft. Zusätzliche Staatsausgaben würden auch die Wirtschaft ankurbeln. Auch das spiegelt sich in den gestiegenen Renditen.

Werden also Anleihen, die zu den sichersten Anlageklassen gehören, dieses Jahr Verluste einfahren?

Unterdessen haben die Märkte viel von der Euphorie vorweggenommen, im Börsenjargon: eingepreist. Die jetzigen Preise in verschiedenen Anlageklassen enthalten schon viel des «Trump-Effekts». So viel, dass teilweise eine Gegenbewegung eingesetzt habe, erklären Experten. So etwa die Credit Suisse: Nach Trumps Pressekonferenz vom letzten Mittwoch habe sich die Umkehr einiger Effekte fortgesetzt. Die Renditen von US-Staatsanleihen und der Dollar sanken beispielsweise.

Dennoch dürfte 2017 das Jahr sein, an dem der Anleihenmarkt nach 30 Jahren Aufwärtstrend ausgebremst wird. Rund drei Jahrzehnte lang stiegen die Obligationenkurse, entsprechend sanken Renditen und Zinsen. Besonders in den Jahren nach der Finanzkrise versanken die Sätze ins Bodenlose. Jedes Jahr gab es Ökonomen, die die Wende nach oben ausriefen und die Epoche unaufhaltsam steigender Anleihenpreise archivieren wollten. Doch abgesehen von kleinen Zuckungen sanken Renditen und Zinsen seelenruhig weiter. Damit dürfte nun Schluss sein.

Und wie wird der Aktienmarkt auf steigende Zinsen reagieren? Mittlerweile dauert der Anstieg der Börsen rund acht Jahre. Time to say goodbye? In der Vergangenheit stellten steigende Zinsen zu Beginn kein Problem für Aktien dar. Sie werden im Normalfall als Signal für einen besseren Arbeitsmarkt, eine bessere Wirtschaft und eine verbesserte Gewinnsituation angesehen.

Erst wenn sie weiter steigen, werden sie zum Problem für die Börsen, da die steigende Attraktivität der Anleihen in den Vordergrund rückt. Doch der Zürcher Vermögensverwalter Aquila gibt zu bedenken, dass die Wirtschaft noch nie derart aggressiv und lang durch billiges Geld stimuliert wurde wie seit der grossen Finanzkrise von 2008. Und das in vielen Ländern gleichzeitig. Wegen der tiefen Zinsen investierten Anleger in ihrer verzweifelten Suche nach Rendite in Scharen an der Börse. Die Reaktion auf einen Zinsanstieg könnte daher diesmal heftiger ausfallen.

Die Rückkehr des Staats

Für das Wirtschaftswachstum und die Finanzmärkte entscheidend könnte dieses Jahr die Fiskalpolitik sein, also Höhe und Art der Staatsausgaben. Das Wort «Fiskalpolitik» dürfe vielen gar nicht mehr geläufig sein, denn die Stimulierung der Wirtschaft durch Staatsausgaben ist seit der Finanzkrise fast vollkommen von der Geldpolitik verdrängt worden. Sie schien fast zum «Pfuiwort» in der Wirtschaftspolitik verkommen.

Nun wurde klar, dass Geld allein nur die Finanzmärkte glücklich macht, nicht aber Konsumenten und Unternehmen. Letztere brauchen Nachfrage nach ihren Gütern. Wenn diese von den Privaten zu schwach ausfällt, kann gemäss der Theorie des berühmten britischen Ökonomen John Maynard Keynes der Staat in die Bresche springen. Keynes forderte allerdings auch, dass der Staat in «fetten» Jahren wieder spart, was Politikern sehr schwerzufallen scheint.

Nach dem Entscheid Grossbritanniens, aus der EU auszutreten (Brexit), der Wahl Trumps und dem Zulauf, den populistische Parteien in Europa zu erhalten scheinen, sitzt auch bei den Regierungen anderer Länder das Geld wieder lockerer. Inflation und Zinsen dürfte dies weiter Auftrieb verleihen.