Industrie
In drei Jahren über 100'000 Jobs weggespart – jetzt wird dem Chef von General Electric der Lohn halbiert

Über 115'000 Mitarbeitende verloren in seiner Amtszeit den Arbeitsplatz bei General Electric. Dennoch kann CEO Larry Culp auf einen Megabonus hoffen. Nun muss auch er Abstriche machen.

Niklaus Vontobel
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Nach Aktionärsaufstand: GE-Chef Larry Culp wird der Lohn gekürzt

Nach Aktionärsaufstand: GE-Chef Larry Culp wird der Lohn gekürzt

Boston Globe

Nun leidet auch Larry Culp unter der grossen Krise von General Electric (GE), zumindest ein klein wenig. Culp wurde 2018 gebeten den Chefposten von GE zu übernehmen, als die einstige Industrieikone schon tief gefallen war. Sein Vorgänger John Flannery wurde nach nur einem Jahr vom Hof gejagt, ohne ein Wort des Dankes. Culp wusste, worauf er sich einliess und liess sich das Wagnis fürstlich entschädigen.

Culp handelte sich ein Paket aus, mit dem er in seinen GE-Jahren alles in allem 232 Millionen Dollar verdienen kann, wenn er ein bestimmtes Aktienkurs-Ziel erreicht. Allein letztes Jahr erhielt er im Rahmen dieses Entschädigungspakets total 22,6 Millionen Dollar ausbezahlt. Als dieser Jackpot vorübergehend ausser Reichweite geriet, liess sich Culp prompt vom Verwaltungsrat das vereinbarte Aktienkurs-Ziel halbieren.

Culp griff durch. Bevor er Chef wurde, hatte GE noch 283'000 Mitarbeitende, wie es im Geschäftsbericht von 2018 heisst. Gemäss dem neuen Geschäftsbericht hat GE weltweit noch 168'000 Mitarbeitende. In den drei Jahren unter Culp verloren also 115'000 Mitarbeitende ihre Stelle – das entspricht rund 40 Prozent aller Mitarbeitenden.

In der Power-Sparte, zu der auch die Standorte in der Schweiz zählen, war der Stellenabbau noch ein bisschen brutaler. Vor Amtsantritt von Culp arbeiteten dort weltweit noch 59'700 Mitarbeitende. Ende 2021 waren es noch 32'000 Mitarbeitende – ein Abbau von 46 Prozent aller Mitarbeitenden.

In der Schweiz begannen bereits vor der Culp-Ära die ersten Stellabbau-Runden. Seitdem General Electric vom französischen Konzern Alstom das Gaskraft-Geschäft übernahm, sind in der Schweiz insgesamt über 3000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Heute sind noch ungefähr 2000 übrig.

412 Mal mehr Lohn als der durchschnittliche GE-Mitarbeitende

Culp erhält also viel Geld, um den Aktienkurs von GE zu heben. Im Jahr 2021 hatte Culp beispielsweise 22,7 Millionen Dollar eingestrichen. Wie gesetzlich vorgeschrieben hat GE vorgerechnet, wie viel Mal mehr Culp verdient als durchschnittliche Mitarbeitende: nämlich 412 Mal mehr. Und dank der Halbierung des Aktienkurszieles war er auf Kurs zu seinem 230-Millionen-Dollar-Jackpot. Doch die Aktionäre spielten nicht mit.

An der letzten Generalversammlung stimmte über die Hälfte aller Aktionäre gegen die Vergütung des Topmanagements gestimmt. Das Resultat wurde weitherum so gewertet: als Protest gegen den 230-Millionen-Jackpot und die Halbierung des Aktienkurs-Ziels.

Die Abstimmung war zwar nicht bindend, aber sie hatte Signalwirkung. Es ist sehr selten, dass die Aktionäre sich gegen die Vergütungen aussprechen. Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg kommt es nur in 3 Prozent solcher Abstimmung vor. Das Signal war stark genug, dass sich der Verwaltungsrat zu einer Reaktion gezwungen sah.

Culp erhält für 2021 nicht 21 Millionen Dollar, sondern noch etwa 11 Millionen. Culp sei mit dieser beinahe Halbierung einverstanden gewesen. Sie gilt allerdings nur für das Jahr 2021. Genauer gesagt, wird Culp seine Aktienvergütung gekürzt von 15 auf noch 5 Millionen Dollar. Zusammen mit seinen sonstigen Zahlungen kommt er auf die 11 Millionen für 2021.

Lohnkürzung für ein Jahr.

Lohnkürzung für ein Jahr.

Proxy Statement General Electric