Wirtschaft

«In erster Linie investiert man in Persönlichkeiten der Gründer»: Innovationszentrum Startfeld bot Nährboden für bereits 650 Arbeitsplätze rund um den Säntis – SGKB erhöht nun Stiftungskapital

Im Innovationszentrum Startfeld sind heute 30 Start-ups eingemietet.

Im Innovationszentrum Startfeld sind heute 30 Start-ups eingemietet.

Das Innovationszentrum Startfeld bietet Gründern seit 10 Jahren einen Nährboden. Dank dem Austausch untereinander und mit Experten gedeihen viele der Start-ups. Manchen hilft auch die Anschubfinanzierung der Stiftung. Deren Kapital stockt die SGKB nun um fünf Millionen auf.

Gewöhnlich wimmelt es im Erdgeschoss des Innovationszentrums Startfeld von Tüftlern und Jungunternehmern. Die offenen Räume bieten Platz zum Austausch und für Kreativität. Rund 170 Leute arbeiten hier bei den 30 eingemieteten Start-ups. Zurzeit ist es aber recht ruhig hier. Cornelia Gut, Geschäftsführerin des Vereins Startfeld, sagt:

«Die Umsetzung der Ideen dauert so schon meist länger und kostet auch mehr als geplant.» Nun stocken Lieferungen, platzen Termine mit Kunden, Investoren und Geschäftspartnern.

Doch das Startfeld passt sich an. Der Event «Startfeld Innovationsforum», wo sich KMU jeweils neue Ideen holen, wird zu einer Serie von Videokonferenzen. Mit guter Resonanz, sagt Gut. Und hinter den Kulissen wird die Zukunft vorangetrieben. Die St. Galler Kantonalbank (SGKB) stockt das Kapital der Stiftung Startfeld auf, um noch einmal fünf Millionen Franken.

Risikokapital gut investiert

Das ist auch nötig. Zum Verein Startfeld, der 2010 gegründet wurde, kam 2011 die Stiftung hinzu. «Wir wollten gewissen Start-ups in der Frühphase eine Anfangsfinanzierung mit bis zu 300'000 Franken anbieten können», sagt Gut. 20 Start-ups haben schon davon profitiert. Drei weitere kommen demnächst hinzu.

Albert Koller verlässt im Sommer die Geschäftsleitung der SGKB und tritt auch aus dem Stiftungsrat der Stiftung Startfeld aus.

Albert Koller verlässt im Sommer die Geschäftsleitung der SGKB und tritt auch aus dem Stiftungsrat der Stiftung Startfeld aus.

Das ursprüngliche Stiftungskapital ist also zwar nicht weg, aber in Form von Beteiligungen und Darlehen grösstenteils besetzt: 4,4 Millionen Franken sind als Darlehen oder Eigenkapital in Start-ups investiert. Dass man das Kapital eines Tages aufstocken muss, wurde bald klar, sagt Albert Koller, der als Leiter des Privat- und Firmenkunden bislang die Bank im Stiftungsrat vertrat. «Wir fragten grössere Unternehmen der Region an, ob sie bei einem solchen Schritt helfen würden», sagt Koller.

Trotz Interesses winkten sie aber ab. «Für sie lohnt sich die Investition in die eigene Forschung mehr. Aber als Kantonalbank tragen wir eine volkswirtschaftliche Verantwortung.»

Der Einsatz trug Früchte

Dabei sind die bis anhin getätigten Investitionen erstaunlich sicher. Die Finanzierung von Start-ups in einer so frühen Phase gilt als Hochrisikogeschäft. Trotzdem sind unter den geförderten Unternehmen bis jetzt nur zwei Ausfälle zu verzeichnen.

Und der volkswirtschaftliche Nutzen für die Region lässt sich sehen. 650 Arbeitsplätze wurden von den Start-ups rund um den Säntis geschaffen. Über 60 Millionen Franken haben private Investoren in die Start-ups aus dem Startfeld investiert. Dazu tragen auch die Anschubfinanzierungen der Stiftung bei. «Für private Investoren ist das oft ein Signal», sagt Cornelia Gut.

Das Netzwerk bringt den Erfolg

Das Geld der Stiftung alleine hätte das aber nicht geschafft, ist Albert Koller überzeugt. «Das Ökosystem ist entscheidend», sagt Koller. Dazu zähle die kreative Atmosphäre im Innovationszentrum selber. «Aber auch, dass die Empa und die Hochschulen beteiligt sind, trägt entscheidend dazu bei.»

So ist das Startfeld in den letzten zehn Jahren kräftig gewachsen. 2016 wurden die engen Räume beim Einkaufszentrum Lerchenfeld zu klein. Vis-à-vis der Empa, in den Räumen der einstigen Druckerei Zollikofer, breitet es sich seither aus. Auf unterdessen 5600 Quadratmetern treiben die Start-ups hier ihre Ideen voran.

Investition in Gründer

René Walser folgt auf Koller in der Bankleitung und im Stiftungsrat.

René Walser folgt auf Koller in der Bankleitung und im Stiftungsrat.

Albert Koller aber verlässt demnächst die Kantonalbank und damit auch den Stiftungsrat der Stiftung Startfeld. Sein Nachfolger wird der neue Leiter Privat- und Geschäftskunden der Bank, René Walser. Eine erste Sitzung hat dieser schon hinter sich. Eine herausfordernde Aufgabe, meint er:

Der Entscheid darüber, ob ein Start-up eine Finanzierung verdient, müsse auch anderen Kriterien folgen wie bei einem herkömmlichen KMU, sagt er. «Bei diesem hat man eine Geschichte, man kennt die Umsätze und Gewinne über die Jahre hinweg.» Beim Entscheid steht man damit auf vergleichsweise festen Beinen. «Bei einem Start-up hat man eine Idee, vielleicht einen Prototypen.» Ob das Produkt am Markt schlussendlich Erfolg haben wird, ist kaum abzuschätzen.

10 Jahre Startfeld

2010

Startschuss: Auf Anregung der Stadt St.Gallen wird der Verein Startfeld gegründet. Er soll einen Nährboden für Start-ups in der Region schaffen. Neben Stadt und Kantonen sind auch Empa, die HSG und die Fachhochschule am Projekt beteiligt. Am 1. April nimmt die Geschäftsstelle die Arbeit beim Einkaufszentrum Lerchenfeld auf.

2011

Mit der St.Galler Kantonalbank wird die Stiftung Startfeld gegründet. Sie soll es erlauben, den Start-ups neben Coaching und Räumen auch Anschubfinanzierung zu gewähren.

2012

Die SGKB richtet zum ersten Mal den Jungunternehmerpreis Startfeld Diamant in Zusammenarbeit mit dem Startfeld aus. Gewinner ist die Ausserrhoder Weibel CDS.

2016

Innovationszentrum eröffnet: Das Startfeld zieht in die neuen Räumlichkeiten neben der Empa ein.

2018

Das Startfeld widmet sich mit dem Bildungsprogramm Smartfeld auch den ganz jungen Unternehmen: Vor allem Mädchen sollen an technische Berufe herangeführt werden.

2020

Das Innovationszentrum Startfeld hat sich im Gebäude der ehemaligen Druckerei Zollikofer auf über 5000 Quadratmetern ausgebreitet. 170 Mitarbeiter arbeiten hier für 30 Start-ups.

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