Infrapark
Im Standort Schweizerhalle werden wieder Arbeitsplätze geschaffen

Nach jahrelangem Stellenabbau geht es auf dem Schweizerhalle-Areal bei Muttenz wieder aufwärts. Bayer hat zig Millionen in eine neue Produktionsanlage investiert.

Stefan Schuppli
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Eigentlich wäre das Areal «Rheinlehne» bei Schweizerhalle ideal (Kreis), doch hier ist anderes geplant und Wohnraum untersagt. ZVG

Eigentlich wäre das Areal «Rheinlehne» bei Schweizerhalle ideal (Kreis), doch hier ist anderes geplant und Wohnraum untersagt. ZVG

Zur Verfügung gestellt

Auf dem Industrieareal Schweizerhalle in Muttenz nimmt derzeit der deutsche Chemiekonzern Bayer eine hochmoderne Chemieanlage in Betrieb. Produziert wird ein Fungizid (Wirkstoff gegen Pilze), das für Pflanzenschutz eingesetzt wird. Innerhalb der letzten zehn Jahre konnte Bayer kontinuierlich rund 100 neue Stellen schaffen, bis Ende 2015 werden zu den aktuell 230 Stellen noch weitere 30 hinzukommen.

Bei Bayer ist man mit dem Standort Schweizerhalle sehr zufrieden. «Das Umfeld ist ausgezeichnet. Die Infrastruktur auf dem Gelände stimmt, der Service ist gut, auf dem Arbeitsmarkt finden wir die Spezialisten. Auch wenn das heute schwieriger geworden ist», sagt Bayer-Sprecherin Barbara Zimmermann. Das Werk hatte Bayer im Jahr 2000 von Novartis gekauft und gleichzeitig die Produktionsanlage und die rund 80 Mitarbeitenden übernommen. Auch andere auf dem Areal investieren teilweise kräftig.

Folge des Abbaus

Noch vor wenigen Jahren klang es anders. Der Spezialitätenkonzern Clariant steckte in Schwierigkeiten, baute um und ab. Von fast 1000 Clariant-Stellen blieben nur noch 660. Mit dem Abbau handelte sich Clariant ein neues Problem ein: Die Fabrikanlagen standen leer, die zentrale Energieversorgung und andere Infrastrukturanlagen waren unternutzt.

1. November 1986: Ein Fanal für die Chemieindustrie. Nicht nur wegen des Stellenabbaus ist der Name Schweizerhalle belastet. Für viele ist er noch immer ein Synonym für die grösste Brand- und Chemiekatastrophe Europas. In der Nacht auf den 1.  November 1986 brannte ein Chemielager der Firma Sandoz nieder und versetzte die Region in Angst und Schrecken – es stank bestialisch, das Löschwasser färbte den Rhein rot und tötete sämtliche Fische – bis nach Rotterdam. Für einmal konnte die Industrie nicht so tun, als sei überhaupt nichts gewesen, obwohl Sandoz anfänglich die Katastrophe kleinreden wollte und hartnäckig von «einem Ereignis» sprach. Auch die Kommunikation war eine Katastrophe, selbst von kantonaler Seite. Doch «Schweizerhalle» hatte zahlreiche Konsequenzen. Vorschriften wurden verschärft, es mussten Löschwasser-Rückhaltebecken gebaut werden, Lager mussten besser gesichert werden. Die Industrie kehrte in sich und stockte die Investitionen in Sicherheitstechnik massiv auf – mit dem Ziel, die Weltklassenbesten zu werden. Eine Schmach wie Schweizerhalle durfte nicht mehr vorkommen. Fast gleichzeitig markierte jene Zeit auch einen Wendepunkt für die Chemieproduktion, auch auf dem Industriegelände Schweizerhalle. Sie wanderte grösstenteils ab. Genauer: Ausgebaut wurden Standorte in den aufstrebenden Industrieländern, während hier die Produktion aus Kostengründen zurückgefahren wurde. Entsprechend wurden im Verlauf der Jahre auch Arbeitsplätze abgebaut. Vom abgebrannten Lager ist schon lange nichts mehr zu sehen; der Boden gilt heute unter umwelttechnischen Gesichtspunkten saniert, steht aber dennoch unter behördlicher Beobachtung. (sts)

1. November 1986: Ein Fanal für die Chemieindustrie. Nicht nur wegen des Stellenabbaus ist der Name Schweizerhalle belastet. Für viele ist er noch immer ein Synonym für die grösste Brand- und Chemiekatastrophe Europas. In der Nacht auf den 1.  November 1986 brannte ein Chemielager der Firma Sandoz nieder und versetzte die Region in Angst und Schrecken – es stank bestialisch, das Löschwasser färbte den Rhein rot und tötete sämtliche Fische – bis nach Rotterdam. Für einmal konnte die Industrie nicht so tun, als sei überhaupt nichts gewesen, obwohl Sandoz anfänglich die Katastrophe kleinreden wollte und hartnäckig von «einem Ereignis» sprach. Auch die Kommunikation war eine Katastrophe, selbst von kantonaler Seite. Doch «Schweizerhalle» hatte zahlreiche Konsequenzen. Vorschriften wurden verschärft, es mussten Löschwasser-Rückhaltebecken gebaut werden, Lager mussten besser gesichert werden. Die Industrie kehrte in sich und stockte die Investitionen in Sicherheitstechnik massiv auf – mit dem Ziel, die Weltklassenbesten zu werden. Eine Schmach wie Schweizerhalle durfte nicht mehr vorkommen. Fast gleichzeitig markierte jene Zeit auch einen Wendepunkt für die Chemieproduktion, auch auf dem Industriegelände Schweizerhalle. Sie wanderte grösstenteils ab. Genauer: Ausgebaut wurden Standorte in den aufstrebenden Industrieländern, während hier die Produktion aus Kostengründen zurückgefahren wurde. Entsprechend wurden im Verlauf der Jahre auch Arbeitsplätze abgebaut. Vom abgebrannten Lager ist schon lange nichts mehr zu sehen; der Boden gilt heute unter umwelttechnischen Gesichtspunkten saniert, steht aber dennoch unter behördlicher Beobachtung. (sts)

Keystone

So gründete Clariant 2010 die Infrapark AG, die das Gelände vermarktet, vermietet und den dort tätigen Firmen zahlreiche Dienstleistungen anbietet wie Energieversorgung (Strom, Erdgas, Dampf, Heisswasser), Feuerwehr, Sanität, Entsorgung, Abwasservorbehandlung, Löschwasser-Rückhaltebecken, Transport und Lagerung gefährlicher Güter. Daneben bestehen Möglichkeiten für Kooperationen. So liefert beispielsweise die Firma Brenntag verdünnte Schwefelsäure an Bayer – per Pipeline.

Auch Firmenzuzug

Das Geschäftsmodell sei sehr erfolgreich, sagt Infrapark-Leiter Renaud Spitz. Rund ein Dutzend Firmen haben sich neu niedergelassen. Seit der Infrapark-Gründung nahm die Zahl der Beschäftigten um 200 auf 388 zu. Insgesamt sind heute im Infrapark 2400 Mitarbeitende tätig, davon 180 bei der Infrapark AG selbst. Spitz rechnet damit, dass in den kommenden Jahren der Arbeitsplatzverlust von Clariant kompensiert sein wird. Pro Jahr investiert Infrapark im Schnitt zehn Millionen Franken. Der Vorteil des Infraparks sei, dass der Kunde einen einzigen Ansprechpartner habe. Damit werde Zeit und Geld gespart. Zu den neuen Firmen gehören unter anderem Pangas (Produktion von Stickstoff, Sauerstoff, Argon), Comar (Katalysatoren), Ava Chem (Produktion von Spezialchemikalien mittels einer neuartigen Umsetzung von Biomasse), Beyond Surface (Oberflächenbehandlung von Textilien) und Archroma (Clariant-Spinoff).

Unweit des Infraparks finden sich auch noch Novartis, BASF, die Chemiefirma Cabb und die Schweizerischen Rheinsalinen. Letztere gaben der Region den Namen: «Hall» ist ein altes Wort für Saline. Salz war für die «Chemische» ein wichtiger Grundstoff. Eine der ersten Firmen auf dem Gelände war übrigens die Chemische Fabrik Schweizerhall. Diese gehört heute zum deutschen Chemiehändler Brenntag.