Möbelhaus
Ikea schafft «ewiges» Recht zum Umtauschen ab

«Wir wollen, dass du glücklich bist», so lautete 2014 die Begründung für das ewige Umtauschrecht auf Ikea-Waren in Deutschland. Nun ist damit Schluss. Neu müssen 365 Tage für die Rückgabe reichen.

André Anwar, Stockholm
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Ikea Deutschland streicht das «ewige» Rückgaberecht. Key

Ikea Deutschland streicht das «ewige» Rückgaberecht. Key

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Das Staunen war gross bei der Konkurrenz und den Kunden, als Ikea zum 25. August 2014 werbewirksam ankündigte, alle Waren, auch aufgebaute und gebrauchte, zeitlich völlig unbefristet gegen Vorlage des Kassenbons zurücknehmen zu wollen. Es wurde erwartet, dass auch in der Schweiz diese Regelung eingeführt werde: Der volle Kaufpreis sollte erstattet werden. Ausgenommen vom lebenslangen Umtauschrecht wurden nur zugeschnittene Artikel, Pflanzen und Schnäppchen aus der «Fundgrube».

Schluss mit Sonderregeln

«Wir wollen, dass du glücklich bist», hiess es damals zur Begründung. Nun rudert Ikea Deutschland zurück. Ab September gilt die bedingungslose Rückgabe von Waren gegen den Kaufpreis nur noch innerhalb von 365 Tagen nach dem Kauf. Auch das sei noch grosszügiger als bei vielen Konkurrenten und übertreffe die gesetzlichen Mindestanforderungen zu Umtausch und Rückgabe, hiess es vom Unternehmen. «Für Artikel, die zwischen dem 25. August 2014 und dem 31. August 2016 gekauft wurden oder werden, ist die Rückgabe unbegrenzt möglich», sagt Ikea-Manager Klaus Cholewa dieser Zeitung. Rückgabefreudige Ikea-Kunden haben also noch eine kleine Galgenfrist erhalten.

Gleiches Recht in allen Ländern

Ikea vereinheitliche seine deutschen Regeln mit denen in anderen Ländern, begründet Cholewa. Zudem sei das lebenslange Rückgaberecht eigentlich unnötig. «Unsere Erfahrungen aus den vergangenen zwei Jahren zeigen, dass fast alle Rückgaben (weit über 90 Prozent) in den ersten 90 Tagen nach dem Kauf vonstattengehen», begründet Cholewa.

In wieweit das ewige Umtauschrecht zu Missbrauch und zu hohen Kosten geführt hat, liess der Konzern offen. Auch die Arbeitszeit von Angestellten, die auf die Rücknahme von Waren verwendet wird, gilt in der Branche als erheblicher Kostenfaktor.

Praxis sah etwas anders aus

Eigentlich hatte Ikeas Deutschlandchef Peter Betzel sich aber schon im Oktober 2014 vom märchenhaften Versprechen distanziert. Mitarbeiter sollten den Abnutzungsgrad der Retour-Waren dann doch prüfen, sagte er. Es sollte im Einzelfall entschieden werden und es gehe da ja «um den gesunden Menschenverstand», so Betzel.

Alles könne man nicht umtauschen. «Das Geschäftsmodell hält auch Ikea nicht aus», sagte er. Grösstenteils hielt der Konzern sich laut Kundenerfahrungen aber an eine grosszügige Grundeinstellung. Doch es wurde auch berichtet, dass Umtausch verweigert wurde oder dass statt Geld nur ein Ikea-Kaufgutschein ausgehändigt wurde.

Druck auf Konkurrenz

Branchenexperten vermuten, dass hinter der Einführung des lebenslangen Rückgaberechts vor zwei Jahren auch der zunehmende Druck auf Ikea durch die Onlinekonkurrenz verantwortlich war. Lange waren Onlinehändler mit bis zu 120 Tagen bedingungslosem Umtauschrecht grosszügiger als der Marktführer Ikea. Inzwischen versuchen aber auch immer mehr Onlinehändler, ihre Retourkosten zu senken.

Zudem wird gewöhnlich bei solchen vermeintlich grosszügigen Aktionen davon ausgegangen, dass nur wenige Kunden davon Gebrauch machen. Gleichzeitig ist es eine unschlagbare Werbebotschaft, die letztlich den Verkauf deutlich mehr antreibt als die entstehenden Kosten. Die Werbebotschaft hat vermutlich ihren Zweck längst erfüllt.

In der Schweiz: von 90 auf 365 Tage

Für Schweizer Ikea-Kunden wird es besser: Auch sie haben künftig eine Rückgabefrist von 365 Tagen. Bisher hatten Schweizer dafür nur 90 Tage Zeit. Gemäss einem Bericht der «Handelszeitung» gilt die neue Regelung schon bald. Im nächste Woche erscheinenden Katalog jedenfalls sind sie bereits aufgeführt. Demnach erstattet Ikea den vollen Betrag zurück, wenn die Gegenstände ungebraucht oder in einwandfreiem Zustand sind – auch wenn sie bereits zusammengebaut sind. (nch)