Möbelhaus

Ikea punktet mit nachhaltigen Projekten – ist aber wegen Holzdeklarationen im Visier des Bundes

Blick in die Lagerhalle der Ikea-Filiale in Spreitenbach.

Blick in die Lagerhalle der Ikea-Filiale in Spreitenbach.

Ikea Schweiz schliesst das Geschäftsjahr überraschend positiv ab. Eine Untersuchung des Bundes wirft aber einen Schatten auf den Erfolg.

Ikea Schweiz als Krisengewinner zu bezeichnen, ist sicher übertrieben. Der Lockdown traf das Möbelhaus hart, aufgrund der geschlossenen Geschäfte entgingen ihm rund 110 Millionen Franken. Danach ging es für das Unternehmen aber steil bergauf. Dank dem rasant gewachsenen Onlinehandel und einer starken Nachfrage nach Heimeinrichtung konnte der Verlust mehr als wettgemacht werden. Ikea Schweiz schloss das Geschäftsjahr Ende August mit einem leichten Plus ab, der Umsatz stieg um 0,7 Prozent auf 1,15 Milliarden Franken.

Jessica Anderen, CEO von Ikea Schweiz.

Jessica Anderen, CEO von Ikea Schweiz.

Schweizerinnen und Schweizer kauften also fleissig Möbel ein, das eigene Daheim soll in Zeiten von Corona schliesslich komfortabel sein. Besonders in den Kategorien Büro und Küche war das Wachstum laut Ikea Schweiz mit 70 und 50 Prozent überproportional gross. Ebenfalls hätten die Kunden im Frühling rund 60 Prozent mehr für Outdoormöbel ausgegeben. «Unser Zuhause dient uns plötzlich als Büro, Restaurant und Fitnesscenter», bilanzierte CEO Jessica Anderen am Donnerstag vor den Medien.

Ikeas Geschäftsmodell, Einrichtungsgegenstände zu erschwinglichen Preisen anzubieten, könnte sich auch in Zukunft als vorteilhaft erweisen. Wegen der Krise haben zahlreiche Schweizerinnen und Schweizer schliesslich weniger Geld im Portemonnaie. Ikea bedient das Tiefpreissegment aber längst nicht mehr allein, der Markt ist hart umkämpft. Seit einer Weile drängen mit XXXLutz und Mömax ausserdem günstige Möbelhändler aus dem Ausland in die Schweiz. Jessica Anderen sagte dazu: «Diese Anbieter sind neu für die Schweiz aber nicht neu für Ikea. In anderen Ländern konnte Ikea bereits Erfahrungen mit diesen Konkurrenten sammeln.»

Ikea kauft alte Möbel zum doppelten Preis zurück

Um sich von diesen Anbietern abzugrenzen, versucht Ikea salopp gesagt billig zu bleiben, ohne billig zu wirken. Seit Jahren gibt sich der schwedische Konzern alle Mühe, das Image des Massenkonsums loszuwerden und als nachhaltig zu gelten. Dabei lässt er den Worten tatsächlich Taten folgen: Um den veränderten Kundenbedürfnissen nachzukommen, verkauft Ikea die Möbel beispielsweise nicht bloss, sondern vermietet sie auch. Die hauseigene Wertschöpfungskette soll so in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft umgewandelt werden.

Ikea zielt mit einem weiteren Projekt gegen die Wegwerfgesellschaft: Das Unternehmen kauft von seinen Kundinnen und Kunden gebrauchte Möbel zurück. Das Programm «Zweites Leben» gibt es in der Schweiz bereits seit zwei Jahren, vorzu wird es nun auch in anderen Ländern lanciert. Konkret funktioniert es so: Wer seine alten Ikea-Möbel zurück in den Laden bringt, erhält einen Gutschein. Die Höhe des Gutscheins ist abhängig vom Zustand der Möbel, beträgt maximal aber 60 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises.

Noch scheint das Programm allerdings schleppend zu laufen. Um darauf aufmerksam zu machen, lanciert Ikea zum Black Friday deshalb den «Buy Back Friday»: In der Woche vom Black Friday kauft das Unternehmen die alten Möbel zum doppelten Gutschein-Wert zurück, maximal gibt es aber den ursprünglichen Kaufpreis. Trotz Pandemie ist die Möbelrückgabe weiterhin aber nur im Laden möglich. Der Black Friday fällt dieses Jahr auf den 27. November – wegen der Coronakrise wird gegenüber Vorjahren ein geringerer Ansturm auf die Shops erwartet.

Wegen falscher Holzdeklarationen im Visier des Bundes

Punkto Nachhaltigkeit erhielt Ikea in letzter Zeit aber nicht bloss Glanznoten. Wegen falscher Holzdeklarationen hat der Bund vor ein paar Wochen ein Verfahren gegen Ikea eröffnet. Demnach hat Ikea in über 80 Fällen nicht genau angegeben, woher das Holz stammt. Das Verfahren ausgelöst hat der Bruno-Manser-Fonds aus Basel, der sich für den Erhalt von schützenswerten Wäldern einsetzt. Ikea weigere sich, «präzise geografische Angaben zu Holzkonzessionen in Hochrisikoländern wie Rumänien und der Ukraine zu liefern, wo illegaler Holzschlag und Korruption an der Tagesordnung seien», teilte der Fonds mit.

Die Untersuchung liegt beim Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF). Wie das WBF auf Anfrage schreibt, wurde in zwei Fällen ein Verwaltungsstrafverfahren eröffnet, da ein «Verdacht wegen wiederholter Falschdeklaration» vorliegt. Bis zum Abschluss der Verfahren gelte die Unschuldsvermutung. An der Medienkonferenz darauf angesprochen, sagte Aurel Hosennen, Mitglied der Geschäftsleitung von Ikea Schweiz: «Wir haben alle Informationen zur Herkunft des Holzes. Eine interne und eine externe Untersuchung haben das bestätigt. Das Problem ist, dass die Labels auf den Produkten von unseren Kundinnen und Kunden manchmal abgerissen und von unseren Mitarbeitenden manuell wieder aufgeklebt werden müssen.»

Autor

Gabriela Jordan

Meistgesehen

Artboard 1