Tabubruch

«Ich hatte Todesangst»: Swisslife-Chef spricht offen über schwere Krebs-Erkrankung

Swiss-Life-Chef Patrick Frost: Offener über Schwächen sprechen. Tom Haller/Swiss Life

Swiss-Life-Chef Patrick Frost: Offener über Schwächen sprechen. Tom Haller/Swiss Life

Patrick Frost tut, was nur wenige Manager tun: Er redet offen den Krebs.

Der Chef des Versicherungskonzerns Swiss-Life, Patrick Frost (Jg. 1968), ist nach seiner Krebserkrankung zurück auf seinem Posten. «Dank der Möglichkeiten unserer heutigen Medizin habe ich meine Krankheit überwunden», sagte er in einem Interview mit der «NZZ» vom Dienstag.

Der Konzernchef, der zunächst mit einem reduzierten Pensum arbeitet, hatte sich Ende März für eine mehrmonatige Therapie zurückgezogen, nachdem bei ihm eine Lymphdrüsen-Krebserkrankung diagnostiziert worden war.

Während der Chemotherapie sei er mit dem Unternehmen zwar verbunden gewesen, doch die «Arbeit war ganz klar zweite Priorität». Erschütternd sei die allererste Einschätzung gewesen, dass er einen Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium habe. Glücklicherweise habe sich diese Vermutung als falsch herausgestellt. «Beim ersten Befund hatte ich Todesangst. Ich dachte an die Kinder und dass ich möglicherweise nicht sehe, wie sie aufwachsen», sagte Frost.

«Angst vor Stigmatisierung»

Er habe sich für eine offene Kommunikation gegenüber den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit entschieden. Es brauchte Überwindung, doch er würde es wieder so machen. Es sei eine Stärke in der Schweiz, dass «wir vieles für uns behalten wollen», so Frost. Bei solchen Fragestellungen glaube er aber, dass man offener über diese Dinge sprechen könnte. In der Wirtschaftswelt herrsche aber immer noch eine «Angst vor Stigmatisierung» und eine «mangelnde Bereitschaft, Schwächen zuzugeben». In den USA, wo Frost sechs Jahre gelebt hat, sei dies anders. Dort würden Manager offen ihre Krebsleiden thematisieren. (az/sda)

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