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«Hochinteressanter Markt»: Das hat der Onlinegigant Alibaba wirklich vor

Hub des chinesischen Elektronikkonzerns und Alibaba-Partners Suning in Nanjing.

Hub des chinesischen Elektronikkonzerns und Alibaba-Partners Suning in Nanjing.

Nach Amazon könnte ein weiterer Online-Riese Europa überrollen. Dabei hat Alibaba mit seinen jüngsten Vorstössen gar nicht die hiesigen Konsumenten im Blick – zumindest vorerst nicht.

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst von Alibaba. Ende 2018 kündigte der chinesische Onlineriese an, am belgischen Flughafen Lüttich auf einer Fläche von mehr als 220 000 Quadratmetern ein gigantisches Logistikzentrum einzurichten.

Eine Investitionssumme von mindestens 75 Millionen Euro hat Alibaba allein für den ersten Schritt vorgesehen. Dann folgte Anfang Januar die Übernahme des Berliner Start-ups Data Artisans für etwa 90 Millionen Euro. Und auch das Gerücht, Alibaba könnte den deutschen Onlinehändler Zalando übernehmen, hält sich hartnäckig.

Schon schrillen die Alarmglocken, nach Amazon könnte ein weiterer Online-Riese Europa überrollen. Dabei hat Alibaba mit seinen jüngsten Vorstössen gar nicht die hiesigen Konsumenten im Blick – zumindest vorerst nicht. Alibaba geht es um den heimischen Markt in China.

Die Luxus-Kunden im Visier

«Mehr als eine halbe Milliarde Konsumenten auf unseren Marktplätzen beginnen Konsumerfahrungen in China bei Alibaba», sagt Terry von Bibra, Europa-Chef des chinesischen Internet-Giganten. Das berge ein enormes Potenzial.

Er veranschaulicht das an zwei Zahlen: Rund 1,4 Milliarden Menschen leben in China. Über 700 Millionen Menschen sind bereits regelmässig online. Das würde bedeuten: Weitere 700 Millionen Menschen, die das Internet noch nicht nutzen – was sich aber bald ändern könnte.

Besonders für viele Schweizer Marken insbesondere der Luxusbranche sei China «deswegen ein hochinteressanter Markt», sagt von Bibra. Chinesische Verbraucher vereinten die grösste Kaufkraft auf dem globalen Luxusmarkt. Laut dem Beratungsunternehmen Bain machten sie 2017 bereits 32 Prozent des weltweiten Umsatzes aus.

Ein aktueller McKinsey-Bericht prognostiziert, dass Chinas Anteil an den globalen Luxusausgaben in den nächsten sechs Jahren 44 Prozent des Gesamtmarktes erreichen werde. «Marken wie Tissot und Longines, oder auf der Konsumentenseite Nestlé und Lindt sind beliebt bei chinesischen Konsumenten», sagt von Bibra. Das Logistikzentrum in Lüttich diene als «Gateway to China». An Konsumenten aus Deutschland oder der Schweiz scheint Alibaba derzeit hingegen weniger interessiert zu sein.

Im Gegensatz zum US-Konkurrenten Amazon ist Alibaba beim Onlinshopping ein reiner Plattformanbieter. Eigene Lagerhallen benötigt Alibaba nicht. Zudem ist der Konzern mit seinen Geschäftsfeldern noch sehr viel breiter aufgestellt als Amazon. Neben seinen Verkaufsplattformen betreibt Alibaba auch Cloud-Computing-Angebote, Nachrichtendienste und den Online-Bezahldienst Alipay. Heute beschäftigt Alibaba 66 000 Vollzeitkräfte und ist an der Wall Street mehr als 500 Milliarden Dollar wert.

Das bargeldlose Zahlen mit Alipay ist derzeit schon in 20 europäischen Ländern möglich – allerdings vorerst ausschliesslich für chinesische Kunden. Um Alipay nutzen zu können ist ein chinesisches Konto notwendig. Alipay hat die wachsende Zahl an chinesischen Touristen im Visier.

Die App soll ihnen bei Europareisen den Währungswechsel ersparen. In Luxemburg hat Alipay eine Lizenz als E-Geldinstitut beantragt und auch erhalten, um vom Grossherzogtum aus den gesamten EU-Markt zu steuern.

Lieferung innert 24 Stunden

Vor allem als Logistikdienstleister will Alibaba zum Weltmarktführer aufsteigen. Seit rund zwei Jahren ist Alibaba bereits Mehrheitseigner von Cainiao, einem Zusammenschluss mehrerer grosser Logistikunternehmen in China. Mit Cainiao verfolgt Alibaba das Ziel, Bestellungen aus der Volksrepublik binnen 24 Stunden weltweit zu ihren Zielen zu bringen.

Auch das ist nur ein Zwischenschritt. Alibaba-Gründer Jack Ma spricht von «electronic World Trade Platform», kurz eWTP. Hinter dieser sperrigen Abkürzung verbirgt sich sein Ziel, eine Plattform zu schaffen, die Hersteller weltweit direkt mit den Endkunden zusammenbringt. Von allen Punkten der Welt zu allen Punkten sollen Pakete spätestens innerhalb von drei Tagen geliefert werden können.

Das Logistikzentrum in Lüttich ist denn auch nur ein Drehkreuz von mehreren. Vergleichbare Stützpunkte hat Alibaba ausser seinem Unternehmenssitz im ostchinesischen Hangzhou auch in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur sowie in Ruanda errichten lassen. Ein weiteres Versandzentrum soll in Bulgarien entstehen. Mehr als 13 Milliarden Euro will Alibaba in den kommenden fünf Jahren für sein weltumspannendes Netz investieren. Oder wie es ein Branchenexperte bezeichnet: «ein digitales Pendant zur Welthandelsorganisation».

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