"Was Sie uns Eltern als Anerkennung unseres Leides angeboten haben, ist kein 'dafür gerade stehen'", heisst es in einem Brief, der am Dienstag vom Opfer-Anwalt Elmar Giemulla veröffentlicht wurde. "Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit 45'000 Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst."

Alle Zeit und alles Geld, "das wir für die Jahre unserer Kinder verwendet haben", sei "fortgerissen" worden mit der Tat eines Piloten aus dem Lufthansa-Konzern. "Wenigstens das muss ersetzt werden", fordern die Hinterbliebenen.

Der Lufthansa-Konzern zeigte grundsätzlich Verständnis für die Reaktion der Hinterbliebenen, wandte sich aber gegen einzelne Vorwürfe. Demnach zahlt Lufthansa den Hinterbliebenen deutlich mehr Geld, als von den Familien genannt.

Durchschnittlich über 100'000 Euro

Im Durchschnitt würden die Hinterbliebenen mehr als 100'000 Euro Entschädigung erhalten, sagte der Sprecher Andreas Bartels der Nachrichtenagentur AFP. Wenn es sich bei dem Opfer um den Hauptverdiener einer Familie handle, könne die Summe auch über einer Million Euro liegen.

Bartels bestätigte damit einen Bericht der "Allgemeinen Zeitung Mainz". Die Fluggesellschaft zahlt demnach an die Hinterbliebenen jedes Opfers 25'000 Euro Schmerzensgeld für das Leiden des Opfers selbst sowie 10'000 Euro an jeden nächsten Angehörigen. Hinzu komme die Soforthilfe von 50'000 Euro.

Lasse ein Opfer etwa einen Ehepartner und zwei Kinder zurück, summiere sich die Entschädigung auf 105'000 Euro. Handelt es sich um ein Kind mit zwei Eltern, belaufe sich die Entschädigung auf 95'000 Euro.

Entschuldigt oder nicht?

Die Hinterbliebenen warfen Spohr auch vor, dass er nicht mit ihnen gesprochen habe. Sie hätten zudem erwartet, "irgendwann in diesen schweren Tagen eine Entschuldigung von der Lufthansa zu hören".

Der Konzern wies diese Vorwürfe zurück. Alle Angehörigen hätten ein von Spohr unterzeichnetes Kondolenzschreiben mit einer persönlichen Entschuldigung bekommen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Der Manager habe auch mit Angehörigen gesprochen, aber nicht alle treffen können.

Bei dem Absturz der Germanwings-Maschine auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf waren am 24. März alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Den Ermittlungen zufolge hatte der Copilot den Airbus absichtlich in den französischen Alpen abstürzen lassen. Unter den Opfern waren 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern in Westfalen.