Pharma

Gute Stimmung bei Novartis dank Jahrhundert-Pille

Der Hauptsitz des Pharmakonzerns Novartis. (Symbolbild)

Der Hauptsitz des Pharmakonzerns Novartis. (Symbolbild)

Der Pharmakonzern Novartis hat im zweiten Quartal 2015 deutliche Einbussen erlitten. Trotzdem gibt man sich optimistisch — zu Recht, sagen Analysten.

Novartis-Chef Joseph Jimenez verkündet einen Gewinnrückgang von 32 Prozent und spricht gleichzeitig von einem soliden Quartal. Zugegeben: Auf den ersten Blick geht das so nicht zusammen. Zwar geht ein Teil davon auf Währungsschwankungen zurück – Novartis rechnet in Dollar, und der Dollar wurde in den vergangenen Monaten immer stärker. Doch selbst nach Abzug des Währungseffekts bleiben immer noch 18 Prozent Gewinnrückgang. Trotzdem blicken sowohl die Konzernleitung als auch die meisten Analysten weitestgehend positiv in die Zukunft.

Der Grund ist ein neues Medikament gegen Herzinsuffizienz, das dem Basler Pharmakonzern Milliarden einbringen könnte. Novartis vertreibt es unter dem Namen Entresto. Das Mittel soll das Todesrisiko bei Herzinsuffizienz sowie das Risiko eines Klinikaufenthalts um 20 Prozent verringern. «Was Novartis mit dem Medikament Entresto hat, gelingt vielleicht einmal in mehreren Dekaden», sagt Michael Nawrath, Arzt, Forscher und Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Seit zwei Wochen ist es in den USA zugelassen und Nawrath sieht keinen Grund, warum Entresto nach der Zulassung in den USA irgendwo sonst auf der Welt die Genehmigung verwehrt bleiben sollte.

Potenzial von über zehn Milliarden

Entsprechend riesig ist das Umsatzpotenzial. Novartis schätzt es konservativ auf jährlich mindestens fünf Milliarden Dollar. Analysten liegen mit ihren Schätzungen zum Teil bei über zehn Milliarden Dollar. Michael Nawrath von der ZKB kommt sogar auf 12,8 Milliarden Dollar.

Novartis-Chef Jimenez zeigte sich mit dem Verkaufsstart von Entresto zufrieden. Das Medikament werde «ziemlich gut» aufgenommen, sagte er gestern anlässlich der Präsentation des Quartalsergebnisses. Im nächsten Jahr sollen die Verkäufe dann an Fahrt gewinnen.

Neben Entresto spielt in den Zukunftsplänen von Novartis ein zweiter Kunstname eine wichtige Rolle: Glatopa. Anders als Entresto ist Glatopa ein Nachahmerprodukt. Zur Anwendung kommt es bei der Nervenkrankheit multiple Sklerose (MS). Im Geschäft mit den sogenannten Biosimilars, die wesentlich komplexer und aufwendiger in der Herstellung und bei der Zulassung sind als die bekannteren Generika, sieht Jimenez grosses Potenzial. Generika sind Nachahmerprodukte von Medikamenten, deren Patente abgelaufen sind. Sandoz, die Generika-Tochter von Novartis, soll die Entwicklung der Biosimilars künftig weiter vorantreiben. Ein möglicher Vorteil gegenüber dem Basler Dauerrivalen Roche, der keine Generika oder Biosimilars herstellt. Roche setzt dagegen voll auf personalisierte Medizin. Mit zielgerichteten Therapien und diagnostischen Tests sollen Behandlungen auf die jeweiligen Patientenbedürfnisse abgestimmt werden. Bis jetzt kann der Spezialist für Krebstherapien mit seiner Pharmasparte eine Gewinnmarge von rund 40 Prozent erzielen. Novartis kommt dagegen mit seinem Pharmabereich nur auf 25 Prozent Marge. Generika bringen deutlich geringere Margen und machen deshalb zumindest für das Roche-Management keinen Sinn.

Für Novartis dagegen scheint die Rechnung aufzugehen. Die beiden Bereiche Pharma und Sandoz laufen nach Plan. Währungskursbereinigt stieg der Umsatz im zweiten Quartal um sechs respektive elf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bereits jetzt hat der Konzern bei den Biosimilars die Nase vorn – weltweit. Jetzt müssen nur noch die Ärzte von deren Wirksamkeit überzeugt werden. Sie stehen diesen bisher skeptisch gegenüber.

Alcon läuft schlechter als geplant

Ein Sorgenkind gibt es dennoch im Hause Novartis: das Geschäft mit der Augenheilkunde. «Enttäuschend» nennen Analysten die Zahlen der Konzerntochter Alcon. Auch die Aussichten für den Rest des Jahres fallen schlechter aus als erwartet. «Für Alcon wurde aufgrund der Abschwächung in den Schwellenländern und bei Kontaktlinsenpflegemitteln die Prognose für das Umsatzwachstum vom mittleren bis hohen auf den unteren einstelligen Bereich korrigiert», schreibt Stefan Schneider von der Bank Vontobel in seinem Kommentar.

Alcon-Chef Jeff George nennt die Konkurrenzsituation in dem umkämpften Markt als Grund. Weiter sagte er gestern: «Wir müssen in diesem Bereich unsere Innovationen vorantreiben.» ZKB-Mann Nawrath ist jedoch skeptisch. Alcon müsse Akquisitionen durchführen. Anders, beziehungsweise schneller, sei der Weg auf den Wachstumspfad kaum einzuschlagen.

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