Franken
Grübel: «Wer einen Mindestkurs von 1,40 fordert, ist ein Totengräber»

Die Diskussion um einen Austritt von Griechenland aus der Eurozone setzt dem Euro zu. Aus Angst vor unberechenbaren Folgen für die Gemeinschaftswährung flüchten Anleger in sicherere Währungen wie den US-Dollar oder den Schweizer Franken.

Marc Fischer
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Ex-Bankmanager Oswald Grübel (Archiv)

Ex-Bankmanager Oswald Grübel (Archiv)

Keystone

Der Euro wertet ab und damit gestaltet sich auch der Kampf der Schweizerische Nationalbank (SNB) gegen die Frankenstärke immer schwieriger. Seit der Einführung des Mindestwechselkurses im vergangenen September will die SNB keine Euro-Notierung unter Fr. 1.20 mehr zulassen. Am Samstag ist der Kurs aber bis auf Fr. 1.1877 gefallen. Die Untergrenze ist damit bereits zum dritten Mal in diesem Jahr unterschritten worden.

Grösstes Risiko der Geldpolitik

SNB-Präsident Thomas Jordan hatte in den vergangenen Monaten den Euro verschiedentlich als das grösste Risiko für die Schweizer Konjunktur bezeichnet. Er hat auch immer wieder zu verstehen gegeben, dass aus diesem Grund eine Erhöhung des Mindestkurses nicht klug wäre. Mit zunehmender Euroschwäche ist, wie sich jetzt zeigt, auch schon die Verteidigung des Fr.-1.20-Kurses ein ambitioniertes Ziel.

Mit einer schnellen Entspannung rechnen Experten nicht. Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer hält einen Euro-Austritt Griechenlands für wahrscheinlich. Deshalb geht er davon aus, dass der Mindestkurs von Fr. 1.20 noch einmal getestet würde, wie Bührer in der «NZZ am Sonntag» sagte. Die Wirtschaft müsse deshalb weiterhin mit dem starken Franken leben.

Aber längst nicht alle Firmen sind dazu bereit. So plant gemäss Recherchen des «Sonntags» der Aargauer Sportbekleidungshersteller Mammut im Allgäu einen Standort, von wo aus der europäische Markt bedient werden soll. Noch weiter weg von der Schweiz zieht es den Freiburger Sensorenhersteller Contrinex: Er plant wegen der Frankenstärke eine neue Produktionsstätte in Ungarn. «Wir können uns in der Schweiz künftig nur noch Spezialisten-Teams leisten», sagte Firmenchefin Annette Heimlicher gegenüber dem «SonntagsBlick». Dem Vernehmen nach soll auch der Baumaschinen-Hersteller Ammann wegen des starken Frankens Probleme beim Absatz der Maschinen im Ausland bekunden.

Vorwürfe gegen «neoliberale SRG»

Dass es so weit gekommen ist, ist gemäss dem ehemaligen SP-Präsidenten Peter Bodenmann in erster Linie die Schuld der Grossbanken und Hedge-Funds sowie des Schweizer Fernsehens. «In der Sendung ‹Eco› plädierte Bundesrat Schneider-Ammann vor einigen Wochen für einen Eurokurs von Fr. 1.40. Die wirtschaftspolitisch inzwischen neoliberale SRG unternahm alles, um diese korrekte Forderung lächerlich zu machen und unter den Tisch zu wischen», giftelt der heutige Hotelier in seiner aktuellen «Weltwoche»-Kolumne.

«Wer einen Mindestkurs von Fr. 1.40 fordert, ist ein Totengräber der Schweiz», entgegnet der ehemalige UBS-Boss Oswald Grübel. Denn für die Schweiz käme dies viel zu teuer zu stehen. «Jeder, der das Gegenteil behauptet, macht keine Vollkostenrechnung», so Grübel gegenüber der az. Selbst mit dem Mindestkurs von Fr. 1.20 übernehme die Schweiz bereits «mehrere tausend Milliarden» der Schulden des Euroraums, rechnet Grübel in seiner neuen «Sonntags»-Kolumne vor. «Ich glaube nicht, dass die relative Grösse unserer Volkswirtschaft das ohne erheblichen Schaden verkraften kann», so Grübel.