Logistikbranche

Gesperrte Rheintalbahn kostet SBB Cargo und BLS Cargo Dutzende Millionen

Die Ursache der Streckensperrung: Abgesacktes Bahngleis bei Rastatt (D).

Die Ursache der Streckensperrung: Abgesacktes Bahngleis bei Rastatt (D).

Die Schliessung der Rheintalbahn zwischen Basel und Karlsruhe hat grosse finanzielle Folgen. SBB Cargo ist besonders stark betroffen. Nun soll es zu einem Krisengipfel kommen.

Die Sperrung der Rheintalstrecke zwischen Basel und Karlsruhe ist eine grosse Belastung für die Schweizer Logistikbranche. Der Teilabschnitt im baden-württembergischen Rastatt ist voraussichtlich bis 7. Oktober für den Zugsverkehr gesperrt. Normalerweise rollen rund 200 Züge pro Tag auf dieser Strecke. Sie ist eine der wichtigsten Adern in der europäischen Verkehrsarchitektur und die bedeutendste Verbindung für den schienengebundenen Güterverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz.

Der Ausfall der Strecke beschert den Eisenbahnen Millionenverluste. Der Verband Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) schätzt, dass die Güterbahnen seit Beginn der Sperrung am 12. August wöchentlich 12 Millionen Euro Umsatz verlieren. Je länger die Sperrung dauert, desto stärker steigen die Ausfälle an. NEE-Geschäftsführer Peter Westenberger sagt, dass auf das Ferienende hin im September die Umsatzeinbussen auf 15 bis 20 Millionen Euro ansteigen werden. Insgesamt müssten die Güterbahnen mit Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe rechnen.

SBB Cargo stark betroffen

Besonders betroffen sind die Schweizer Güterbahnunternehmen SBB Cargo (bzw. ihre Tochter SBB Cargo International) sowie BLS Cargo. SBB Cargo hat mit 80 Zügen pro Tag einen Marktanteil von 40 Prozent auf der Rheintalbahn. Der Anteil von BLS Cargo, die normalerweise 20 Züge pro Tag über die Schienentrassees schickt, beträgt 10 Prozent. Somit dürfte die Sperrung die beiden Schweizer Bahnunternehmen zwischen 10 (BLS) und 40 Millionen Franken (SBB) kosten. Doch das dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Bei SBB Cargo kommt hinzu, dass auch der innerschweizerische Güterverkehr durch die Sperrung beeinträchtigt ist. Täglich sind dadurch 60 Zugsverbindungen betroffen.

Teure Ausweichrouten

Ausserdem sind die Ausweichrouten deutlich teurer. Die SBB wickelten am Donnerstag 42 Verbindungen über die die Gäubahn via Singen und Stuttgart ab. Dazu mussten sie auf Teilstrecken Diesellokomotiven voranstellen, weil die gesamte Strecke nicht durchgehend elektrifiziert ist. All das kostet nochmals Millionen. Mehrkosten liessen sich theoretisch den Kunden überwälzen. Doch angesichts der Konkurrenz durch die Strasse ist es fraglich, ob die Bahnunternehmen dies auch tun werden.

SBB-Sprecher Ginsig wollte keine Angaben machen zu den Verlusten und verwies auf die ordentliche Berichterstattung. BLS-Sprecherin Stefanie Burri sagt, dass das Unternehmen mit einem Ertragsausfall im einstelligen Millionenbereich rechne. Dies allerdings nur unter der «Voraussetzung, dass wir weiterhin die Hälfte des Verkehrs über alternative Routen» abwickeln können.

SBB Cargo verbuchte 2016 einen Gewinn von 1 Million Franken. 2017 wird sie mit grosser Wahrscheinlichkeit tiefrote Zahlen schreiben. Auch BLS Cargo, die letztes Jahr einen Gewinn von 1,5 Millionen Franken erzielte, dürfte durch die Sperrung in die Verlustzone rutschen. Seit Februar gehörten 45 Prozent des Berner Unternehmens den französischen Staatsbahnen SNCF.

Bei den betroffenen Unternehmen ist die Hektik gross. Es jagt eine Krisensitzung die nächste. Um der Dringlichkeit Nachdruck zu verleihen, hat SBB-Chef Andreas Meyer die Chefs der Deutschen Bahn, der französischen SNCF und der österreichischen ÖBB zu einem Krisengipfel geladen, um gemeinsam die Kapazitäten zu verbessern, wie am Freitag bekannt gegeben wurde.

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