Wirtschaft

Gehört den Wasserstofflastwagen die alleinige Zukunft? Der Nidwaldner Elektrolastwagenhersteller E-Force meldet Zweifel an

Wasserstofflastwagen sollen künftig den Diesel verdrängen. Hyundai feierte dazu vergangene Woche in Luzern eine Weltpremiere. Der Elektrolastwagenhersteller E-Force aus Beckenried sieht es differenziert.

Am letzten Mittwoch hat der koreanische Lastwagenhersteller Hyundai publikumswirksam im Verkehrshaus Luzern die Weltpremiere seiner Wasserstofflastwagen gefeiert. Es war weltweit die erste Übergabe solcher Lastwagen an Kunden. An dem Anlass wurden die Vorteile der Wasserstofftechnologie gegenüber Elektrolastwagen betont, etwa die höhere Reichweite.

Elektrolastwagen wurden vor einigen Jahren noch als Beispiel dafür gesehen, dass auch in der Logistik der Verbrennungsmotor bald der Vergangenheit angehören könnte. Nun scheint Wasserstoff aber plötzlich überlegen zu sein. Sind Elektrolastwagen also dem Untergang geweiht?

Zwei Elektrolastwagen von E-Force.

Zwei Elektrolastwagen von E-Force.

Lidl, Coop und Pistor gehören zu den Kunden

In der Schweiz gibt es eine Handvoll Unternehmen, die auf die Produktion von E-Lastwagen spezialisiert sind. Ein grosser Player ist die Designwerk Technologies AG in Winterthur, doch auch in der Zentralschweiz gibt es einen Hersteller von E-Lastern: die E-Force One AG mit Sitz in Beckenried, hier ein Blick in die Werkstatt:

Blick in die Werkstatt der Nidwaldner Firma E-Force.

Blick in die Werkstatt der Nidwaldner Firma E-Force.

Seit 2013 auf dem Markt, zählt das Unternehmen unter anderem Lidl, Coop und den Rothenburger Bäckereienzulieferer Pistor zu seinen Kunden.

Vereinfacht gesagt baut E-Force klassische Diesel-Lastwagen von Iveco so um, dass sie rein elektrisch fahren. Die Batterien kauft E-Force ein oder stellt sie teilweise selber her. Das vom Basler Hansjörg Cueni gegründete Unternehmen beschäftigt aktuell in Beckenried und Fehraltorf ZH je zehn Personen. Seit der Gründung hat das Unternehmen 30 Lastwagen ausgeliefert.

E-Force-Chef Reto Leutenegger.

E-Force-Chef Reto Leutenegger.

Reto Leutenegger ist seit kurzem neuer Geschäftsführer von E-Force. Der 40-Jährige äussert sich im Gespräch grundsätzlich positiv zur Initiative von Hyundai in der Schweiz: «Es ist gut, dass Wasserstofflastwagen endlich im Einsatz sind, denn das befeuert die Entwicklung hin zu alternativen Antrieben.» Je nach Art des Wasserstofflastwagens handle es sich im Grunde genommen ebenfalls um einen Elektrolastwagen, mit dem Unterschied, dass der Wasserstofflaster den Strom selber produziere.

Leutenegger glaubt aber nicht, dass Wasserstofflastwagen alleine die Logistik von morgen bestimmen werden. «Es braucht mittelfristig einen gesunden Mix der Antriebsformen. Und Diesel wird noch auf Jahre hinaus dominierend bleiben.»

Zweifel an der Berechnung der Betriebskosten

Leutenegger, der seit Jahren in der Branche ist, gibt zu bedenken, dass Diesel-Lastwagen heute in der Beschaffung immer noch am günstigsten seien. Danach folge aber gleich der E-Lastwagen. «Unsere Lastwagen sind in der Regel zwei- bis dreimal teurer als ein Diesel-Lastwagen.» Wasserstofflastwagen seien hingegen aufgrund ihrer Komplexität noch einmal teurer in der Anschaffung. «Das ist auch der Grund, warum sich Hyundai entschieden hat, die Lastwagen zu vermieten statt zu verkaufen – sie wären im Moment schlicht zu teuer», so Leutenegger.

Daniel Keller von Hyundai sagte am letzten Mittwoch im Verkehrshaus bei der Präsentation, die Betriebskosten eines Wasserstofflastwagens seien in etwa gleich hoch wie beim Diesel. Leutenegger setzt hier ein Fragezeichen: «Es kommt immer darauf an, wie man das rechnet. Ich glaube aber, dass die Betriebskosten eines Wasserstofflastwagens höher sind als beim Diesel und auch höher als bei einem E-LKW.»

Trotzdem: Leutenegger räumt ein, dass Elektrolastwagen nicht für alle Arten der Logistik gemacht sind. Für Langstrecken seien sie eher nicht geeignet. «Am besten funktionieren sie bei abschätzbaren Reichweiten von 200 bis 250 Kilometern oder im Stadtverkehr.» Die Technologie habe in den letzten Jahren einen enormen Wandel durchgemacht. «Die ersten Motoren kamen eigentlich aus der Autoproduktion und am Anfang konnten wir nur 18-Tonner bauen. Heute verkaufen wir 40- bis 44-Tonner.»

Leutenegger sieht den Hauptfokus bei E-Force mittlerweile aber nicht unbedingt nur bei den E-Lastwagen, sondern auch in der Herstellung von Batterielösungen für Lokomotiven. «Um voll und ganz auf E-Lastwagen zu setzen, müssten wir den Absatz massiv erhöhen, aber eine grössere Produktion von E-Lastwagen ist in der Schweiz wirtschaftlich nicht möglich.» Entsprechend ist das Unternehmen aktuell in Verhandlung mit Partnern über eine Produktion und Weiterentwicklungen.

Wäre es denkbar, dass die Nidwaldner künftig ebenfalls Wasserstofflastwagen produzieren? Reto Leutenegger lässt sich nicht in die Karten blicken und wiederholt seine eingangs gemachte Aussage: «Es braucht mittelfristig einen gesunden Mix der Antriebsformen und wir werden weiterhin unseren Beitrag leisten.»

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