Wirtschaft

Frauen an der Spitze grosser Firmen: Die Schweiz gehört zu den Schlusslichtern

Nur in China gibt es prozentual weniger Frauen auf dem Chefposten grosser Unternehmen als in der Schweiz.

Nur in China gibt es prozentual weniger Frauen auf dem Chefposten grosser Unternehmen als in der Schweiz.

Nur eine Frau sitzt bei den 50 grössten Schweizer Unternehmen auf dem Chefsessel, wie eine neue Studie einer Headhunting-Firma zeigt.

Mit EMS-Chefin Magdalena Martullo-Blocher befindet sich nur gerade eine Frau an der Spitze der 50 grössten börsenkotierten Schweizer Firmen. Damit zählt die Schweiz zu den Schlusslichtern, was den Frauenanteil unter den Konzernchefs grosser Firmen anbelangt. Dies zeigt eine Studie des weltweit tätigen Headhunting-Unternehmens Heidrick & Struggles. Die Firma hat dabei die Daten von 906 Konzernchefs in 16 Ländern untersucht. Noch schlechter als die Schweiz schneidet lediglich China ab. An der Spitze der untersuchten Länder befindet sich Norwegen mit einem Frauenanteil von 16 Prozent, vor Belgien mit einem Anteil von 10 Prozent.

Frauen würden in diesen Ländern stärker gefördert als hierzulande, sagte Oliver Schiltz, Schweiz-Chef von Heidrick & Struggles. Gerade in skandinavischen Ländern werde mehr für die Unterstützung von Frauen getan. Auch Teilzeitmodelle seien dort gang und gäbe. Aus der Sicht von Schiltz komme die Schweiz nicht um eine Frauenquote herum, wolle sie den Anteil weiblicher Führungskräfte signifikant erhöhen. Erhalte sein Unternehmen den Auftrag, ei­nen Konzernchef zu suchen, bestehe die eigene Kandidatenliste aus mindestens 50 Prozent Frauen.

Den Firmen rät Schiltz, sich möglichst früh mit der Nachfolgeplanung zu befassen. Zudem sollten die Beteiligten den ­Konzernchef dabei unterstützen, ein möglichst vielfältiges Topmanagement aufzubauen. Der Chef solle dann aber auch daran gemessen werden.

Hoher Anteil ausländischer Chefs

Einen Spitzenplatz erreicht die Schweiz bei der Zahl der ausländischen Konzernchefs. So stammen 46 Prozent der Chefs der untersuchten Schweizer Firmen aus dem Ausland. Schaut man alle 16 analysierten Länder an, beträgt der Wert lediglich 20 Prozent. Der hohe Anteil hierzulande ist laut der Studie auf die starke internationale Ausrichtung der Schweizer Firmen sowie auf den überschaubaren Arbeitsmarkt im Land zurückzuführen. Gleichzeitig sei es vergleichsweise schwierig, einen Schweizer Konzernchef zu finden, der im Ausland gearbeitet hat und somit internationale Erfahrung mitbringt, sagt Schiltz.

Wenn es darum geht, den Chefposten mit einem internen oder externen Kandidaten zu besetzen, so entscheiden sich die untersuchten Schweizer Firmen in zwei Drittel der Fällen für einen Manager aus den eigenen Reihen. Diese Tendenz habe in den letzten Jahren zugenommen, beobachtet Schiltz. Die Unternehmen glaubten, mit einem internen Kandidaten ein geringeres Risiko einzugehen, vermutet Schiltz. Gleichzeitig gehört die Schweiz zu jenen Ländern, wo man auch ohne Führungserfahrung auf der obersten Ebene Konzernchef werden kann. So haben es rund ein Drittel der Manager an die Spitze geschafft, ohne zuvor in der Konzernleitung tätig gewesen zu sein.

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