Der Expansionshunger des Flughafens Zürich ist nicht gestillt. Erst kürzlich hat die Firma in Brasilien eine Ausschreibung gewonnen für den Betrieb von zwei Flughäfen im Südosten des Landes. Inzwischen sind die Zürcher in vier südamerikanischen Ländern präsent. In Asien hingegen wollte es zuletzt nicht klappen.

In Indien bewarb man sich für die Privatisierung von mehreren Flughäfen – und ging leer aus. Doch nun hat der Flughafen Zürich ein Auge auf ein Projekt auf der indonesischen Insel Batam geworfen, einer Freihandelszone nahe dem Stadtstaat Singapur im Südchinesischen Meer. Dies bestätigt Finanzchef Lukas Brosi im Gespräch mit CH Media.

Indonesien sei ein Kernmarkt bei der internationalen Expansionsstrategie. Beim Projekt handelt es sich um den Hang Nadim International Airport, der jährlich 6 Millionen Passagiere zählt; fünf Mal weniger als Kloten. Die Zürcher befinden sich zurzeit in der Prä-Qualifikation. Je nach Ausgang werde danach auch eine Teilnahme am Ausschreibungsprozess geprüft, sagt Brosi. Im Kern geht es um den Betrieb des Flughafens und die bauliche Weiterentwicklung auf über 1700 Hektaren. Da das Projekt noch am Anfang stehe, könne man keine konkreten Angaben zum Zeitplan machen, sagt eine Sprecherin des Flughafens Zürich auf Anfrage.

Laut der Branchenplattform «Blue Swan Daily» hat der Flughafen Zürich zudem vor längerer Zeit Interesse für ein Projekt in Vietnam gezeigt: den Bau des Long Thanh International Airport, der den Flughafen in Ho Chi Minh City entlasten soll. Vietnam sei ebenfalls ein Fokusmarkt, sagt zwar eine Sprecherin, ein konkretes Interesse an einem Projekt könne man derzeit aber nicht bestätigen.

ZKB warnt vor Risiken

Auf den Philippinen hingegen haben die Zürcher einen Rückzieher gemacht. Dort liebäugelte man mit einer Bewerbung bei der Privatisierung des Militärflughafens Clark ausserhalb der Metropole Manila. Man habe an der Ausschreibung nicht teilgenommen, sagt die Sprecherin. Gründe gibt sie keine an. Für die Expansion in Asien haben die Zürcher im August ein Büro in Kuala Lumpur, Malaysia, eröffnet und die Tochterfirma «Zurich Airport Asia Consultancy» gegründet (CH Media berichtete).

Ziel des Flughafens Zürich ist es, dass die ausländischen Geschäfte langfristig fünfzehn Prozent zum Gewinn beitragen. Er begründet die Expansion mit den begrenzten Wachstumschancen in Kloten. Die Zürcher Kantonalbank schrieb kürzlich in einer Analyse, diese Strategie sei nachvollziehbar. Allerdings warnt die Bank: «Die politischen Risiken vor allem in Schwellenländern sind ungleich höher als im Heimmarkt.» In der Schweiz sei der Flughafen von höchster Wichtigkeit und als nationale Schlüsselinfrastruktur auch von der Politik geschützt. «Dies ist im Ausland viel weniger der Fall.»