Die Rosskur ist ausgestanden. Die noch gut 45 000 internen und über 20 000 externen Mitarbeiter, die nach der dreijährigen Restrukturierung im Unternehmen verblieben sind, dürfen aufatmen – endlich. Obschon die zweitgrösste Schweizer Bank auch im neuen Jahr weiter sparen wolle, sei 2019 kein grösserer Stellenabbau mehr geplant. Dies sagten hochrangige Credit-Suisse-Manager am Rande der gestrigen Jahresbilanzpressekonferenz in Zürich.

Unter dem im Sommer 2015 als Erneuerer angetretenen CEO Tidjane Thiam hat die Bank eine scharfe Zäsur durchgemacht. Allein in der Schweiz wurden 1700 Arbeitsplätze abgebaut. Weltweit waren es mehr als doppelt so viele. Fast zwei Milliarden Franken hat die Bank in der Ära Thiam für Entlassungen und Frühpensionierungen und für andere Elemente des Restrukturierungsplanes ausgegeben. Die Kosten für den laufenden Betrieb haben sich dadurch seit 2015 um 4,6 Milliarden verringert. Kapitalintensive und nicht tragfähige Handelsaktivitäten wurden aufgegeben – mit der Folge, dass der Konzern 2018 mehr als zwei Milliarden Franken weniger umsetzte als drei Jahre zuvor.

Das Ergebnis: Die Credit Suisse schreibt zum ersten Mal seit 2014 wieder schwarze Zahlen. Gut zwei Milliarden Franken blieben in der Erfolgsrechnung des Berichtsjahres als Profit zurück. Der Grossteil oder sogar noch mehr soll an die Aktionäre zurückfliessen. Für die um 5 Prozent erhöhte Dividende werden rund 670 Millionen Franken benötigt. Für das im Dezember angekündigte Aktienrückkaufprogramm sind mindestens eine Milliarde bis maximal 1,5 Milliarden Franken budgetiert.

Auch punkto Kapitalstärke hat sich die Bank in den vergangenen drei Jahren gesundgespart. Die Bilanz ist um über 50 Milliarden Franken oder um mehr als sechs Prozent kleiner geworden. Das Kernkapital, das qualitativ beste Eigenkapital bestehend aus einbezahltem Aktienkapital und zurückbehaltenen Gewinnen, stand vor Thiams erster grosser Kapitalerhöhung im Herbst 2015 bei dünnen 29 Milliarden Franken. Ende Jahr belief sich die Summe trotz kleinerer Bilanz auf nahezu 36 Milliarden Franken. So gesehen steht die Credit Suisse tatsächlich so gut da wie seit Jahren nicht mehr.

Doch solche statische Betrachtungen sind nur ein Element, um den Gesundheitszustand eines Unternehmens beurteilen zu können. Das weiss auch Thiam, der gestern nicht müde wurde, die strategischen Verbesserungen seines Grossumbaus ins Licht zu rücken. Der Umsatzrückgang sei kein Kollateralschaden der Restrukturierung, sondern ein gewollter Prozess, in dem nur die qualitativ besten Erträge gesteigert wurden, erklärte er. Unter guten Erträgen versteht der CEO regelmässige Einnahmen aus Geschäften, die wenig Kapital und somit einen geringen Einsatz von Risiko erfordern. Die Einnahmen aus diesen Geschäften, zu denen Thiam Vermögensverwaltungsmandate, Honorare aus Fusions- und Übernahmeberatungen und nicht zuletzt auch die Zinsdifferenz im Kreditgeschäft zählt, hätten von 2015 bis 2018 um fast 16 Prozent auf über 15 Milliarden Franken zugenommen, während die flatterhaften Einnahmen aus handelsnahen Geschäften um über 40 Prozent auf nur mehr 5,4 Milliarden Franken abgeschmolzen seien.

Und die UBS?

Diese Darstellung suggeriert Berechenbarkeit, mindestens für die unmittelbare Zukunft. In der Tat rechnen die Finanzanalysten bis Ende nächsten Jahres mit einem Gewinn von 3,5 Milliarden bzw. 4 Milliarden Franken. Die Rechnung fusst nicht zuletzt auf der Annahme, dass der Rückbau der nicht mehr weiterzuführenden Geschäfte 2019 nur noch 500 Millionen und danach gar keine Kosten mehr generiert. 2018 waren der Bank durch diese Aktivitäten noch Kosten von über 1,2 Milliarden Franken entstanden. Doch die Kür der Credit Suisse dauert länger als zwei Jahre.

Die Bank wird zeigen müssen, wie sie in einem stark veränderten Umfeld wieder wachsen kann. Diese Aufgabe könnte sich noch als weit schwieriger erweisen als die Sanierung. Die UBS hat ihre grosse Restrukturierung drei Jahre vor der Credit Suisse in Angriff genommen – gezwungenermassen, denn die Grossbank war in der Finanzkrise weit mehr vom guten Weg abgekommen als ihre kleinere Rivalin und war deshalb gezwungen, schneller zu handeln. Doch die Erfahrungen der UBS sprechen Bände. Die Bank vermochte ihren Umsatz seit 2015 nicht mehr zu steigern, und ihr Gewinn ist rückläufig. Solche Beobachtungen machen auch die Investoren. Sie sind ein wichtiger Grund dafür, dass die Aktien der beiden Grossbanken nicht auf Touren kommen. Die Credit-Suisse-Titel büssten gestern 3,4 Prozent auf 11,6 Franken ein. Die UBS-Titel verloren über 2 Prozent.