Die Schweiz hat im vergangenen Jahr 2731 Tonnen Käse nach Russland exportiert. Das ist ein neuer Rekord und entspricht einer Zunahme von 39 Prozent innert Jahresfrist. Im Vergleich zu 2013 haben sich die Ausfuhren nach Russland sogar mehr als versechsfacht, wie der Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung zu entnehmen ist.

Der Boom setzte 2014 ein, als die Exporte von Schweizer Käse von 431 auf 1161 Tonnen in die Höhe schnellten. In den letzten beiden Jahren verstärkte sich die Zunahme noch einmal, mit Wachstumsraten von 51 beziehungsweise 39 Prozent.

Die Zäsur im Jahre 2014 wirft unter anderem die Frage auf, ob die Schweizer Käseproduzenten von der wirtschaftlichen Isolierung Russlands durch die internationale Gemeinschaft nach der Annexion der Ukraine profitieren. Und falls ja: Wäre das nicht ein Widerspruch zur Politik des Bundesrats, wonach die Schweiz Umgehungsgeschäfte der EU-Sanktionen gegen Russland vermeiden will?

Exportentscheid liegt bei den privaten Firmen

Die Antwort ist komplizierter. Denn die EU-Sanktionen sehen kein Verbot von Käseexporten nach Russland vor. Entsprechend enthält auch die bundesrätliche Verordnung «über Massnahmen zur Vermeidung der Umgehung internationaler Sanktionen im Zusammenhang mit der Situation in der Ukraine» keine Restriktionen in diesem Bereich, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erläutert.

Hingegen hat Russland als Reaktion auf die internationalen Sanktionen im August 2014 einen Einfuhrstopp für Lebensmittel und Agrargüter, darunter Käse, aus westlichen Ländern erlassen. Die Schweiz ist von diesen Retorsionsmassnahmen nicht direkt betroffen, weil sie sich den Russland-Sanktionen nicht anschloss. «Die Schweiz hat indessen keine Massnahmen getroffen, um die Ausfuhr von Agrarerzeugnissen nach Russland zu fördern», teilte Seco-Sprecher Fabian Maienfisch mit.

Die Entscheidung, nach Russland zu exportieren, liege bei den privaten Unternehmen. Was die Bedeutung des Russland-Booms für die gesamte Schweizer Käsewirtschaft betrifft, so ist der Erfolg insofern zu relativieren, als nach wie vor nur 4 Prozent der gesamten Schweizer Käseexporte nach Russland gehen. Ausserdem hat das Preisniveau mit der mengenmässigen Zunahme nicht Schritt gehalten. Das könnte indirekt eine Folge des russischen Käse-Embargos gegen die Europäische Union sein, weil seit dem Jahr 2014 mehr Käse auf den europäischen Markt gelangt und die Preise seither tendenziell gedrückt werden.