Der Lastwagen hat nicht nur keinen Fahrer, sondern auch kein Steuerrad und keine Kabine. Der T-Pod, vom schwedischen Start-up Einride sowie dem deutschen Logistikunternehmen Schenker seit 2017 entwickelt, fährt autonom und wird ferngesteuert überwacht. Bei dem weltweit ersten solchen Lastwagen auf öffentlichen Strassen muss sich gemäss den Auflagen der schwedischen Transportbehörde nicht – wie bei autonom fahrenden Personenwagen – für den Notfall eine Person hinter dem Steuer befinden, sondern eine Person muss sich «in der Nähe» aufhalten.

Ein Techniker in einem Begleitwagen hatte deshalb bei der Jungfernfahrt letzte Woche die Möglichkeit, per Laptop und Fernsteuerung einzugreifen, für den Fall, dass sich der 20 Tonnen schwere T-Pod nicht ordnungsgemäss verhielte. Grundsätzlich erfolgte die Steuerung aber von einer 80 Kilometer weit entfernten Zentrale aus; möglich ist aber auch eine Entfernung von mehreren tausend Kilometern. Der Lastwagen übermittelt mit Radar und 360-Grad-Kameras ein Rundumbild seiner Umgebung sowie seinen Standort auf 2 Zentimeter genau. Operateure sollen in Zukunft bis zu zehn selbstfahrende Lastwagen gleichzeitig überwachen können.

Im Betrieb billiger als Dieselfahrzeuge

Die erfolgreich absolvierte Testfahrt führte zunächst über ein Firmenareal, danach auf einer öffentlichen Strasse durch ein Industriegebiet, einige hundert Meter weit und bloss mit 5 Stundenkilometern. Es ist ein gemächlicher Anfang, den die Betriebsbewilligung der Transportbehörde erlaubt, doch bei Einride und Schenker sieht man das Potenzial des neuen Gefährts. Während der T-Pod nun zwischen zwei Lagerhallen hin- und herfährt, könnte er in Zukunft Zentralen in verschiedenen Städten verbinden. Für Kundenkontakt ist der Lastwagen ohne Chauffeur selbstredend eher nicht geeignet, der Beruf wird deshalb auch nicht überflüssig werden, «doch wir könnten in Zukunft unsere interne Logistik zwischen Lagern in ganz Schweden optimieren», sagte Mats Grundelius, CEO von Schenker in Skandinavien.

Nächstes Jahr soll deshalb eine Bewilligung für längere autonom bewältigte Strecken sowie höhere Geschwindigkeiten beantragt werden. Möglich ist mit dem T-Pod bereits jetzt Tempo 90. Primär sieht Grundelius den Aufgabenbereich des Lastwagens auf Terminal- und Lagerfahrten, die immer gleich sind. Damit könnten Chauffeure, von denen es zu wenige gibt, für andere Aufgaben eingesetzt werden. Der Elektrolastwagen schafft 200 Kilometer mit einer Batterieladung und hat eine Ladefläche von 15 Quadratmetern.

Der Umweltgedanke spielt für die Entwickler einer wichtige Rolle. Da gerade der Schwerverkehr viel CO2 und Feinstaub verursache, sei der T-Pod «ein wichtiger Schritt hin zu einem nachhaltigen Transportsystem», sagte Robert Falck, Gründer und Direktor von Einride. Der Elektrolastwagen ist aber nicht nur sauberer, sondern auch billiger im Betrieb als Dieselfahrzeuge, unter anderem weil er wegen der fehlenden Chauffeurkabine deutlich leichter ist.

Bekannte Kunden und ein skurriles Problem

Falck, der früher für Volvo arbeitete, sucht nun Kooperationen mit Lastwagenherstellern, da er Einride primär als Softwareentwickler bezeichnet. Neben Schenker hat das Unternehmen bereits einige andere Kunden, darunter Lidl Deutschland und schwedische Detailhändler, an der Angel. Das Ziel sind 200 T-Pods auf Achse bis 2020.

Ein Problem werden die Entwickler bis dahin wohl auch gelöst haben. Es sei eine Herausforderung, erklärte Schenker während der Tests, zu erreichen, dass andere Automobilisten den T-Pod «in Ruhe» liessen. Also nicht verzweifelt versuchten, das Gefährt ohne Chauffeur zu stoppen – weil sie vermuten, es sei unkontrolliert weggerollt.