Digital kennt keine Gärtchen

Konvergenz total: Nokia macht Computer, Apple-Handys und Google-Betriebssysteme. Surfen mit dem Handy oder Telefonieren auf dem Laptop. Die Technik verschmilzt, die IT-Branche rückt zusammen und so wächst auch die Konkurrenz.

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Nokia Netbook

Nokia Netbook

Keystone

Sven Millischer

Nokia steigt ins PC-Business ein. Die Nachricht lässt aufhorchen. Denn bislang mied der Marktleader für Mobiltelefone das tiefmargige Computer-Massengeschäft wie der Teufel das Weihwasser. Nun beugen sich die Finnen dem Trend asiatischer Hersteller wie Asus oder Acer und offerieren ebenfalls ein Netbook.

Denn die PC-Winzlinge sind ideal, um unterwegs im Internet zu surfen oder E-Mails abzurufen. Und sie verkaufen sich wie warme Weggli: Trotz Rezession wurden im zweiten Quartal in der Schweiz gemäss Branchendienst IDC 131 000 portable PC abgesetzt. Ein sattes Plus von 43 Prozent gegenüber Vorjahresquartal. «Nokias Netbook ist eine Reaktion auf den Trend zur Konvergenz», sagt Uwe Neumann, Technologie-Analyst bei der Credit Suisse. Denn der PC-Bildschirm und das Handy-Display würden künftig zu einem mobilen Endgerät verschmelzen. «Egal, wo ich bin, soll ich dann auf alle meine Daten zugreifen können», sagt Neumann. So weit das hehre Ziel der IT-Branche. Und bis es so weit ist, versucht Nokia auf zwei Hochzeiten zu tanzen: Netbooks und Smartphones.

iPhone hat die Nase vorn

Letztere, diese hochgezüchteten Mobiltelefone, lassen sich ebenfalls zum portablen Surfen oder E-Mailen nutzen. Und wie ihre PC-Pendants, die Netbooks, kennt auch der Absatz bei den Smartphones keine Krise. Gemäss Marktanalyst Gartner stiegen die Verkäufe weltweit im zweiten Quartal um 27 Prozent, während der Markt für Mobiltelefone rückläufig ist.

Auch bei diesen High-Tech-Geräten hat Nokia mit einem Marktanteil von 45 Prozent bislang die Nase vorn. Doch Apple sägt mit dem iPhone beständig am Smartphone-Thron. Die Goldgrube des Quereinsteigers aus der Computer-Branche ist sein «App-Store». Geschätzte 200 Millionen Dollar pro Monat nimmt Apple mit dem Verkauf von Handy-Software ein. Studien zeigen, dass jeder iPhone-Nutzer monatlich mehr als zwei kostenpflichtige Apps auf sein Telefon herunterlädt.

Quereinsteiger mit Goldgrube

Mit diesem Geschäftsmodell werde der Benutzer ans Endgerät gebunden, weiss CS-Analyst Neumann. «Erst die Kombination aus Hardware und Diensten sichert langfristig die Erträge.» Und dies lockt Nachahmer an: Während Apple bereits im letzten Sommer den App-Store lancierte, zog Handy-Primus Nokia im Mai mit dem «Ovi-Store» nach. Der Erfolg war bislang allerdings mässig. Denn Auswahl und Verknüpfung mit dem Endgerät lassen zu wünschen übrig, sodass die Finnen nun Besserung geloben: «Wir bauen künftig Handys um die Software herum, anstatt Software für fertige Handys zu entwerfen», sagt Vizestrategiechef Heikki Norta gegenüber dem «Spiegel».

Ein Trend, der Schule macht: Mit dem «Android Market» hat auch Suchgigant Google den Software-Supermarkt fürs Handy entdeckt. Und künftig will auch Microsoft mit mobilen Applikationen Kasse machen: Das angekündigte Update von Windows Mobile im Oktober bringt den «Marketplace» aufs Handy. Daniel Moschin, General Manager Schweiz, ist zuversichtlich: «Besser spät als nie.»