Biotechnologie

Diese US-Firma ist dem Corona-Impfstoff auf der Spur – nun kommt sie nach Basel

Moderna hat nun auch in Basel einen Ableger. Für die Schweizer Tochter sucht das Unternehmen über 20 Mitarbeiter.

Moderna hat nun auch in Basel einen Ableger. Für die Schweizer Tochter sucht das Unternehmen über 20 Mitarbeiter.

Das amerikanische Unternehmen Moderna entwickelt zusammen mit der Basler Pharmazulieferin Lonza einen Impfstoff. Nun will sich die Firma in der Schweiz niederlassen, wie Recherchen zeigen.

Die US-Biotechfirma Moderna ist im Rennen um eine Coronaimpfung ganze vorne dabei. Den Wirkstoff dafür stellt die Basler Pharmazulieferin Lonza her. Nun siedelt sich Moderna auch in Basel an, wie Recherchen von CH Media zeigen. Das Unternehmen aus der Steueroase Delaware hat Ende Juni über ihre britische Moderna Biotech UK Ltd. die Moderna Switzerland GmbH im Handelsregister eingetragen.

Die Schweizer Tochterfirma ist hochkarätig besetzt. In der Geschäftsleitung der GmbH sitzt unter anderem Moderna-Chef Stéphane Bancel. Flankiert wird er von der Konzernanwältin Lori Henderson und Finanz-Kadermann Christoph Brackmann. Der Deutsche hat zuvor über zehn Jahre für Novartis gearbeitet.

Unterstützung durch Standortförderung

Moderna sucht offensichtlich die Nähe zur Partnerin Lonza. Doch die Gründung der Tochtergesellschaft hat nicht nur rechtlichen oder repräsentativen Charakter. Die US-Firma hat derzeit über zwanzig Stellen in Basel ausgeschrieben, wie der Karriereplattform Linkedin zu entnehmen ist. So werden Kadermitarbeiter für die Qualitätssicherung und die Logistik gesucht. Gemäss diesen Stellenprofilen dürfte es darum gehen, die Qualität des Lonza-Wirkstoffs zu prüfen und den weltweiten Vertrieb zu organisieren.

Lonza baut in einem ersten Schritt vier Produktionslinien in den USA und in Visp im Wallis auf. Damit lassen sich jährlich 400 Millionen Dosen herstellen, sagte Lonza-Präsident Albert Baehny kürzlich in einem Interview. Der bei Lonza hergestellte Wirkstoff soll dann von anderen Firmen zu Impfdosen weiterverarbeitet werden, damit schliesslich gespritzt werden kann.

Moderna sei bei der Ansiedlung von der Standortförderungsorganisation Basel Area unterstützt worden, sagt ein Sprecher auf Anfrage. Es sei dabei unter anderem um die Klärung von Fragen zur Firmengründung, zu Arbeitsbewilligungen und zu Reisebeschränkungen wegen Corona gegangen. Basel Area haben Moderna Vorschläge für Büroräumlichkeiten gemacht. Allerdings sei zu dieser Frage noch nichts spruchreif, erklärt der Sprecher.

Wird Basel gar Europa-Hauptsitz von Moderna?

Es ist durchaus denkbar, dass Moderna in Basel ihren Europa-Hauptsitz ansiedeln wird, sagt ein Branchenkenner. Neben steuerlichen Vorteilen sei Basel auch mit Blick auf die vorhandenen Fachkräfte interessant. Neben Novartis und Roche befinden sich in Basel und der Region auch zahlreiche Biotechfirmen. Mehrere Pharma- und Biotechkonzerne haben schon seit Längerem ihren Europa-Hauptsitz in der Schweiz, darunter etwa Johnson & Johnson, Biogen und Amgen.

Moderna wird kräftig von der US-Regierung unterstützt. So haben die USA ihre Investitionen für einen möglichen Corona-Impfstoff der Firma von zunächst 472 Millionen Dollar verdoppelt, gab die Firma vor gut einer Woche bekannt. Die deutliche Aufstockung der Investitionen sei dadurch gerechtfertigt, dass die Pläne für die dritte und letzte Testphase für den Impfstoff «erheblich» ausgeweitet worden seien, sagte Moderna dazu. Die dritte Testphase mit 30'000 Teilnehmern in den USA wurde vor einer Woche gestartet.

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