Chefwechsel

Die Zeit des beinharten Sanierers bei Axpo ist bald vorbei

Axpo-CEO Andrew Walo tritt spätestens Ende Jahr ab. (Archiv)

Axpo-CEO Andrew Walo tritt spätestens Ende Jahr ab. (Archiv)

Der Abgang von Axpo-CEO Andrew Walo kommt zu einem idealen Zeitpunkt. Als neuer Chef wird ein «Visionär» gesucht.

Andrew Walo ist als Chef von Axpo bald Geschichte. Sein pingeliger Führungsstil dürfte den Angestellten des Energiekonzerns jedoch noch lange in Erinnerung bleiben. Wenn eine Zahl nicht stimmte, eine Formulierung unklar war, konnte das Walo sein Gegenüber auf unangenehme Weise spüren lassen. Seine Detailversessenheit zeigte sich etwa, als er bei Axpo ein grosses Sparpaket durchpeitschte. Konnte die Position im Budget noch so klein sein, sie entging seinem Auge nicht. Doch so gelang es Walo, Millionen aus dem Konzern «herauszuputzen», wie es auf Saniererdeutsch heisst.

Die Sparübung war nötig, um die grösste Schweizer Energiegruppe durch die Stromkrise der letzten Jahre zu führen. Der Preis für eine Kilowattstunde ist nach der Finanzkrise kontinuierlich gefallen und erreichte im März 2016 den absoluten Tiefpunkt. Das brach Energiekonzernen wie der Axpo, die selbst Strom produzieren und am Markt absetzen müssen, fast das Genick. Die Folge waren riesige Verluste und milliardenschwere Abschreiber auf den Kraftwerksanlagen.

Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Strompreise ziehen wieder an. Und die Axpo schreibt wieder Gewinne. Sogar die jahrelang ausgesetzten Dividendenzahlungen an die Eignerkantone sind wieder in greifbare Nähe gerückt. Was gibt es da noch zu tun für Walo, den beinharten Sanierer? Nicht mehr viel, sagt eine mit den Vorgängen vertraute Quelle: «Er hat seinen Job gemacht, der Verwaltungsrat braucht ihn nicht mehr.»

Erste Brüche

Kommt hinzu: Das Verhältnis zwischen CEO Andrew Walo und Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber ist nicht das beste. Die beiden sind komplett unterschiedlich. Sieber als ehemaliger Chef des Mobilfunkanbieters Orange hatte es nicht einfach, sich den Respekt des Energievollprofis zu erwerben. Offenbar war Sieber schon länger bemüht, Walo loszuwerden. Doch das war nicht so einfach. Denn in den Krisenjahren war Sieber schlicht auf das Wissen und die Erfahrung von Walo angewiesen.

Den ersten sichtbaren Bruch zwischen den beiden gab es Ende 2016, als Axpo die Gründung der Axpo Solutions ankündigte. In dieser neuen Gruppengesellschaft sollten die gewinnbringenden Aktivitäten wie neue erneuerbare Energien und das internationale Kundengeschäft gebündelt werden. Neue Investoren sollten Geld in die Axpo Solutions einschiessen, um am Markt wachsen zu können, wozu die damals blutende Axpo nicht in der Lage war.

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Pikant: Das neue Unternehmen sollte nicht von Andrew Walo geführt werden, sondern von einer neuen Führungskraft. In der Mitteilung wurde diese heikle Personalie damals zwar
in Watte verpackt: Die Axpo Solutions brauche einen «eigenen Management-Fokus», hiess es, was man mit der Eigenständigkeit der neuen Firma erreichen werde. Damit setzte der Verwaltungsrat jedoch ein starkes Zeichen gegen Walo. Und intern war damit klar: Der Verwaltungsrat läutet den Anfang von Ende des Axpo-Chefs ein.

Ein Stahlbad

Doch die Aufspaltungspläne konnten nie in die Realität umgesetzt werden. Die Investoren bissen nicht an. Für sie gab es zu viele Unwägbarkeiten. Insbesondere schreckte sie ab, dass sie bei einem weiteren Abschmieren der Kern-Axpo in Mitleidenschaft gezogen worden wären. Nur knapp ein Jahr später wurde die Idee schubladisiert.

So blieb der Axpo-Führung nichts anderes übrig, als zu hoffen und zu beten, die Strompreise würden bald steigen. Derweil tat Andrew Walo in seinen bald fünf Jahren bei Axpo das, was er am besten kann: Er drehte an der Kostenschraube. Und wie: Bis 2017 senkte er die Ausgaben um 200 Millionen Franken und verkaufte Beteiligungen und Immobilien. Es sei ein eigentliches Stahlbad gewesen, erinnern sich Mitarbeiter.

Immerhin: Die Senkung der Kosten hat zur Folge, dass mit der eingetretenen Strompreiserholung die Gewinne jetzt umso üppiger fliessen. Konkret: Die Axpo machte im Geschäftsjahr 2017/18 einen Betriebsgewinn von 348 Millionen Franken. Sprich: Ein Plus von 29 Prozent. Die erstarkten Finanzen erlauben es dem Unternehmen, wieder aus eigener Kraft zu investieren. Diesen Frühling gab sie die Übernahme des französischen Solarunternehmens Urbasolar bekannt. Walo sprach an der Medienkonferenz von einem «Meilenstein», der erreicht sei. «Unser Portfolio ist nun komplett», sagte er. Rückblickend klingt das wie eine Abschiedsbotschaft. Möglicherweise war das Walos letzter öffentlicher Auftritt.

Jetzt sucht der Nominationsausschuss des Verwaltungsrats einen Nachfolger. Unter Insidern werden bereits Namen herumgereicht. Beim Anforderungsprofil sind die meisten Beobachter der Meinung, dass die Axpo «jetzt einen Visionär braucht», also eine Person, die das Unternehmen in die Zukunft führen kann. Als Zukunft versteht man bei Axpo den Ausbau des Portfolios von erneuerbaren Energien wie Wind und Solar sowie neue Dienstleistungen für das intelligente Zuhause.

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Autor

Beat Schmid

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