Grossfusion

Die Wikinger lernen fliegen: Dänen übernehmen Basler Logistikkonzern Panalpina

Der Schweizer Logistikkonzern Panalpina wird dänisch.

Der Schweizer Logistikkonzern Panalpina wird dänisch.

In der Logistikbranche kommt es zu einer Grossfusion. Der Schweizer Logistikkonzern Panalpina wird von DSV übernommen. Die Dänen bezahlen insgesamt 4,6 Milliarden Franken für die Basler.

Im dritten Anlauf hat es doch noch geklappt. Der dänische Logistikkonzern DSV hat das Übernahmeangebot an die Panalpina-Aktionäre nochmals verbessert, sodass nun auch die Ernst-Göhner-Stiftung nicht mehr Nein sagen konnte. Diese besitzt 46 Prozent aller Panalpina-Aktien und hatte sich bislang gar nicht interessiert gezeigt.

Die Annahme des Übernahmeangebotes sei das Beste für die Aktionäre, die Kunden und die Mitarbeiter von Panalpina, liess sich ihr Vertreter Thomas Gutzwiller gestern sinngemäss in einer Medienmitteilung zitieren.

Die Dänen wollen für jede Panalpina-Aktie 2,375 DSV-Aktien auf den Tisch legen. Gemessen an den aktuellen Kursen der DSV-Aktie und der dänischen Krone entspricht dies einem Gegenwert von fast 4,8 Milliarden Franken. Dieses Gebot liegt fast 800 Millionen Franken über der ersten Offerte von Mitte Januar und rund 1,7 Milliarden Franken über dem Wert, den die Börse dem Unternehmen Panalpina in den Wochen vor dem ersten Angebot aus Kopenhagen zugebilligt hatte.

Die Ernst-Göhner-Stiftung verspricht, die neuen Aktien während einer Frist von mindestens zwei Jahren zu halten. Als dereinst grösste DSV-Aktionärin mit einem Aktienanteil von 11 Prozent soll sie mit einer Person in den sechsköpfigen Verwaltungsrat einziehen.

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Einkommen für Göhner-Erben

Ein wichtiges Investitionskriterium ist für die Stiftung auch die jährliche Dividendenzahlung, mit der sie ihre zahlreichen gemeinnützigen Projekte finanziert und den 29 Nachkommen des Stifters ein Einkommen garantiert. Auch hier mussten sich die Dänen flexibel zeigen. Sie werden künftig 15 Prozent ihres Jahresgewinns als Dividende ausschütten, obschon sie die Gewinne eigentlich lieber für den Rückkauf eigener Aktien einsetzen, wie DSV-Chef Jens Björn Andersen gestern auf einer Medienkonferenz in Basel einräumte.

Obwohl DSV für den Kauf von Panalpina 56 Millionen neue Aktien ausgeben und das eigene Aktienkleid damit um fast einen Viertel erweitern muss, zeigten die Investoren in Kopenhagen keinerlei Abstossreaktionen.

Der Glaube der Investoren, dass diesem Wachstumsschritt in etwa zwei Jahren eine signifikante Wertsteigerung folgen wird, wiegt offensichtlich deutlich schwerer als die Angst vor der Kapitalerhöhung, die den Wert der bestehenden DSV-Aktien über den Verwässerungseffekt mindestens kurzfristig deutlich nach unten drücken dürfte.

Seit der Veröffentlichung des ersten unverbindlichen Kaufangebotes Mitte Januar ist der DSV-Aktienkurs von 470 Kronen auf mittlerweile über 550 Kronen gestiegen. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Anleger auch im vorliegenden Fall an die von DSV schon seit vielen Jahren erfolgreich betriebene Akquisitionsstrategie glauben.

Luftfracht wird wichtiger

Mithilfe von Panalpina rückt DSV nun vor allem in der Luftfracht deutlich vor. Zusammen schliessen die beiden mit einer Jahresleistung von über 1,7 Millionen Tonnen zum weltweit zweitgrössten Anbieter Kühne + Nagel auf. Auch in der Seefracht verdoppeln DSV und Panalpina ihre kombinierte Leistung auf fast 3 Millionen Standardcontainer pro Jahr.

Für DSV geht die teure Übernahme auf, wenn es ihr gelingt, die Umsatzrendite von Panalpina von derzeit bescheidenen 1,3 Prozent auf das eigene Niveau von über 5 Prozent anzuheben. Dafür werden Einsparungen nötig.

Der Deal ist eigentlich unter Dach und Fach. Weil auch zwei Finanzinvestoren ihre Anteile andienen wollen, hält DSV bereits 70 Prozent der Panalpina-Aktien in der Hand.

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