Es sind enorme Summen: Roche hat mit seinen drei wichtigsten Krebsmedikamente in den vergangenen 20 Jahren über 270 Milliarden Franken umgesetzt. In der gleichen Zeitspanne hat sich die ausbezahlte Dividende verzehnfacht. Zwar hängt der Gewinn des Basler Pharmakonzerns von vielen weiteren Faktoren ab. Dennoch haben die drei Präparate sehr viel zum Wohlergehen von Roche und seiner Aktionäre beigetragen.

Damit kommt rasch die Frage auf, ob das Unternehmen dank der hohen Medikamentenpreise nicht zu viel verdient. Letztlich werden sie vielerorts staatlich festgelegt und von der Allgemeinheit bezahlt. Roche und andere Pharmakonzerne argumentieren jeweils mit dem hohen Risiko in der Erforschung und Entwicklung neuer Medikamente. Dies stimmt zwar. Jedoch muss die Pharmaindustrie bislang nie den Beweis antreten, dass die Investoren auch tiefere Gewinne akzeptieren würden. Insofern haftet dem Argument etwas Theoretisches an.

Im Fall von Roche kann man dem Pharmakonzern immerhin zugutehalten, dass er so viel Geld in Forschung und Entwicklung steckt, wie kaum ein anderer. So tüfteln die Basler etwa weiterhin an Medikamente gegen Alzheimer, obwohl zahlreiche andere Firmen gescheitert sind.

Dennoch machen sich Roche und ihre Konkurrenten mit diesen enormen Umsätzen und Gewinnen angreifbar. Bislang konnten sie ihre hohen Preise verteidigen. Doch selbst im Pharmaland USA kippt die Stimmung je länger je mehr zuungunsten der Hersteller. Eine kritischere Sicht auf die hohen Medikamentenpreise in den USA ist auch aus europäischer Sicht wünschenswert. Denn die Amerikaner gehen voran – und schrauben so mit ihren Preisen auch das europäische Niveau nach oben.