In einem Büro gemeinsam arbeiten ohne zusammen zu arbeiten. Coworking beschreibt diese Arbeitsform mit flexiblen Büroplätzen. Das Konzept dahinter ist simpel: Betreiber der Coworking-Büros stellen die Infrastruktur wie Internet, Drucker, Scanner, Telefon und Besprechungsräume zur Verfügung.

Die Büroplätze können in der Regel von einem Tag bis über mehrere Wochen hinweg gemietet werden. Die Betreiber der Coworking-Büros versuchen, unter den Eingemieteten eine Art von Gemeinschaft aufzubauen. Sie organisieren Veranstaltungen oder Workshops.

Diese Büros funktionieren also nach dem Prinzip «alleine zusammen arbeiten». In der Schweiz gibt es schätzungsweise 3000 bis 5000 Coworker. Der Verein Coworking Switzerland listet auf seiner Homepage knapp 60 Standorte solcher Bürogemeinschaften auf. Aufgekommen ist das Phänomen in der Schweiz vor rund zwei Jahren. Diese Arbeitsform aber gibt es schon gut zehn Jahre.

Bisher mieteten hauptsächlich Freiberufler, mehrheitlich aus der Kreativ- oder IT-Branche, Start-ups mit zwei bis drei Mitarbeitern oder Selbstständige einen flexiblen Arbeitsplatz. Gearbeitet wird in offenen, teilweise mit Raumtrennern unterteilten Büros. Nach und nach beginnen sich nun Unternehmen unterschiedlicher Grösse und aus verschiedensten Bereichen, für den Coworking-Raum als Arbeitsplatz zu interessieren.

Nicht nur für Kreativbranche

Das Coworking-Büro dient als Austauschort, vor allem aber als Netzwerkplattform. Von gegenseitigem Input bis hin zur Gestaltung von gemeinsamen Projekten ist in solchen Räumen alles möglich.

Die ehemalige Sprecherin von Microsoft Schweiz und Mitgründerin der Initiative «Home Office Day», Barbara Josef, sagt: «Mich haben neue Arbeitsformen, die primär durch neue Technologien ermöglicht werden, schon immer interessiert. Dabei hat sich für mich herauskristallisiert, dass noch etwas fehlt.» Homeoffice sei gut für den Rückzug, die Ruhe.

«Der ganze kreative Aspekt, der Austausch mit anderen fehlt dabei aber.» Sie selber arbeite an ganz unterschiedlichen Orten, unter anderem auch in Coworking-Büros.

Mittlerweile sind solch flexible Arbeitsplätze aber nicht nur für Freiberufler und Selbstständige, die keinen eigenen Arbeitsplatz haben, interessant. Wie das Pilotprojekt von Microsoft und Swisscom zusammen mit der Hochschule St. Gallen im Raum Genf zeigt, ist die Nähe zu Startups und Freelancern für die Innovationsfähigkeit der Konzerne attraktiv und das unkonventionelle Umfeld wirkt inspirierend auf die Mitarbeiter.

Rund 50 Mitarbeitende arbeiten während vier Monaten versuchsweise in 25 Coworking-Büros. Detaillierte Ergebnisse der Studie sollen im September veröffentlicht werden.

Jenny Schäpper-Uster, Präsidentin von Coworking Switzerland, erklärt diesen Trend: «Grossfirmen entdecken die Coworking- Büros als Puls des Geschehens. Hier passiert der kreative Prozess. Hier entstehen Innovationen.» Aber nicht nur.

Die Firmen seien gefordert, der heranwachsenden Generation diese Flexibilität anzubieten, damit sie als Arbeitgeber attraktiv bleiben.

Mehr Balance im Alltag

Josef sagt, über 50 Prozent der in der Schweiz geleisteten Arbeit sei Informations- und Wissensarbeit: «Die Schweiz ist prädestiniert dafür, diese flexible Arbeitsform auszuprobieren.»

Es sei aber wichtig, Coworking nicht mit Privilegarbeit zu verwechseln. Es sei lediglich eine neue Form, wie man den Arbeitsalltag auch strukturieren kann.

Eine Umfrage von Regus, einem weltweit tätigen Unternehmen für Bürovermietung, zeigt: Mehr als die Hälfte der 200 befragten Arbeitskräfte finden, dass sich durch die Arbeit an einem mobilen Arbeitsort ihre Work-Life-Balance deutlich verbessert hat.

Coworking-Switzerland-Präsidentin Schäpper-Uster sagt: «Die Work-Life-Balance wird durch den flexiblen Arbeitsplatz besser: Ich muss weniger pendeln, trotzdem arbeite ich nicht alleine zu Hause und kann mich so einrichten, dass ich den Kindergeburtstag am Nachmittag besuchen kann. Ohne Arbeitszeitverlust. Der Arbeitsstress aber wird nicht weniger.»

Wichtig für Coworker ist zudem der Aspekt der Nachhaltigkeit: Weniger Pendeln führt zu weniger Verkehr und flexible Arbeitsplätze führen zu weniger brachliegendem Raum. Gerade deshalb ist Coworking für Firmen spannend.

Andreas Renggli, Initiant des Coworking Space Loreto, sagt: «Mit flexiblen Arbeitsplätzen können Firmen die Kosten deutlich reduzieren.» Und verweist auf eine Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, wonach bei vielen Unternehmen nur 60 Prozent der Bürofläche ausgelastet sind.