Zürich
Die Grossbaustelle Zurich verunsichert Mitarbeiter

Zurich-Chef Mario Greco nimmt Stellung zu den Berichten um den Stellenabbau am Hauptsitz in Zürich.

Andreas Schaffner
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So soll der neue Hauptsitz des Zurich-Konzerns in Zürich bald aussehen. Visualisierung

So soll der neue Hauptsitz des Zurich-Konzerns in Zürich bald aussehen. Visualisierung

HO

Zürich, Mythenquai. Hauptsitz der grössten Versicherung der Schweiz. Von hier aus hat die Zurich Insurance Group ihren globalen Feldzug unternommen. Aus dem einstigen «Versicherungs-Verein», dessen Statuten 1872 der damalige Staatsschreiber Gottfried Keller unterzeichnet hatte, entstand ein Gigant mit heute 55 000 Mitarbeitern in 170 Ländern.

Am Freitag wurde hier in Anwesenheit der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch der Grundstein für den Neubau des Hauptsitzes gelegt. Der Glaspalast kommt hinter dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert zu stehen. Es entstehen 1000 Arbeitsplätze für bis zu 1300 Mitarbeiter. «Der Umbau des Hauptsitzes unterstreicht unsere Verbundenheit mit der grossartigen Stadt Zürich, deren Namen wir in die ganze Welt hinaustragen», sagt Mario Greco im Gespräch am Rand der Veranstaltung gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Zeitgleich mit dem Umbau des Hauptsitzes wird auch der Konzern umgekrempelt. Das führt unter Mitarbeitern zu Verunsicherung. Eine negativ ausgefallene Mitarbeiterumfrage soll laut dem Portal «Inside Paradeplatz» für rote Köpfe in der Führungsetage geführt haben. Ausgelöst hat die Umbauwelle Greco, der im März 2016 von der italienischen Konkurrentin Generali eingewechselt wurde. Grecos Vorgänger, der inzwischen verstorbene Martin Senn, hatte den Konzern zwar erfolgreich durch die Finanzkrise manövriert. Doch an den grossen Umbau hat er sich nicht gewagt. Doppelspurigkeiten, verbunden mit der komplizierten Führungsstruktur blieben. Auch der Aktienkurs machte Sorgen.

«Super-Mario», wie Mario Greco genannt wird, gilt als Zahlenmensch und auch als medienscheu. Doch er macht unmissverständlich klar, dass das Unternehmen nicht von Grund auf neu gebaut werden muss. Der Vergleich mit der Baustelle hinke deshalb. «Zurich ist schon vor meinem Antritt ein sehr gutes Unternehmen mit talentierten Mitarbeitenden gewesen. Ich half, die Wahrnehmung zu verbessern. So vertrauen uns Investoren heute, dass wir die attraktive Dividende beibehalten können.»

Schuld an der Unsicherheit bei den Mitarbeitern war eine Meldung von Tom de Swaan, der in seiner damaligen Zweitfunktion als interimistischer Konzernchef im vergangenen Jahr verkündet hatte, dass man 8000 Stellen oder mehr als jeden siebten Arbeitsplatz streichen möchte. Seither ist das Thema kaum mehr aus den Köpfen zu bringen. Auch Greco geht es ums Kostensparen, daran lässt er keinen Zweifel. Doch er nennt keine feste Mitarbeiterzahl. Für ihn ist wichtig, dass bis 2019 1,5 Milliarden Dollar eingespart werden. Er bestätigt jedoch, was er in einem Interview schon einmal gesagt hat, dass in der Versicherungsbranche wohl nicht die Zeit des grossen Stellenwachstums da ist.

Hin und her bei Ankündigungen

Und so kündigte Zurich Anfang Jahr den Abbau von 123 Stellen im Schweiz-Geschäft und 240 Stellen in Grossbritannien. Vor ein paar Wochen wurde gemäss einer Meldung des Finanzportals «Finews» bekannt, dass Stellen am Hauptsitz gestrichen werden. Betroffen sind Funktionen im Bereich Finanzen und Controlling. Dort arbeiten 450 der 1200 Mitarbeiter der Zentrale. Greco stellt klar, dass es hierbei nicht um eine eigentliche Abbauübung gehe: «Dies ist weder eine Initiative zum Stellenabbau, noch haben wir ein Ziel für den Abbau von Arbeitsplätzen. Wir hinterfragen, wie unsere Gruppenfunktionen am Hauptsitz am besten Werte für die Geschäftsbereiche schaffen und wie wir unsere Kunden noch besser bedienen können.»

Die Kostensenkungen zeigen schon jetzt erste Wirkungen. Die Zurich steht nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre wieder gefestigter da. Der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr dieses Jahres wurde um 13 Prozent gesteigert. 550 Millionen der angestrebten Kostensenkungen von 1,5 Milliarden sind schon eingespart worden. Die Zurich-Aktie ist seit dem Antritt Grecos um 28 Prozent angestiegen.

Nun geht es um die nächste Stufe. Die Führungsstrukturen werden vereinfacht und Ländergesellschaften erhalten mehr Kompetenzen. Damit gibt Greco denjenigen Stimmen Recht, die schon immer überzeugt waren, dass man globale Versicherer ihr Geschäft in den Ländern nicht vom Hauptsitz aus führen kann. Greco nutzt auch die Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft, um die Prozesse zu vereinfachen.

Zentrale Aufgaben werden in firmeneigenen Dienstleistungszentren, so genannten Shared Service Centers, zusammengefasst. In Irland und Barcelona werden Software entwickelt und die technische Infrastruktur betreut, im polnischen Krakau sind Finanzwesen und Controlling und im slowakischen Bratislava die Datenanalyse angesiedelt. Ob die Mitarbeiter in der Schweiz angesichts dieser Pläne nicht doch verunsichert sind, bleibt abzuwarten.