Basel

Die Geldquelle im Joggeli sprudelt nicht mehr

Für die Betreiber von Old Boys bald geschlossen: der Bier-Pavillon vor dem St. Jakob-Park.

Catering im Joggeli

Für die Betreiber von Old Boys bald geschlossen: der Bier-Pavillon vor dem St. Jakob-Park.

Weniger Matchbesucher, weniger locker sitzende Geldbörsen: Das grosse Vereinsgeschäft mit dem eigenen Verpflegungsstand des BSC Old Boys im Basler Fussballstadion lässt sich nicht mehr machen.

Bojan Stula

Kalt erwischt hat es den traditionsreichen Basler Fussballverein BSC Old Boys (OB) - und das mitten im Frühling. Seit der Stadioneröffnung des neuen St. Jakob-Parks im Frühjahr 2001 durften die Schwarzgelben bei jedem FCB-Heimspiel zwei bis vier eigene Getränke- und Verpflegungsstände führen. Doch Ende dieser Saison ist Schluss damit.

Die Berchtold Catering AG, die für einen Teil der Stadionrestauration verantwortlich ist und den rotblauen «Bierpavillon» auf der Stadionterrasse an die Old Boys vergibt, hat den Vertrag per Ende Juni gekündigt. Die Berchtold AG wird diesen Stand in der neuen Fussballsaison selber und mit eigenem Personal führen. Dadurch sollen im Zeichen der Finanzkrise Pensenreduktionen bei regelmässigen Teilzeitangestellten verhindert werden.

Für OB hat diese Kündigung noch nicht abschätzbare finanzielle Konsequenzen. Im goldenen Champions-League-Jahr 2002 floss dank reissender Getränkeverkäufe ein «hoher fünfstelliger» Betrag in die Vereinskasse, wie Klubpräsident Balz Heusler mit Wehmut erzählt.

Zwar sind die Einnahmen aus dem Stadion-Catering in den letzten Jahren stetig zurückgegangen, doch für OB immer noch die mit Abstand wichtigste regelmässige Einnahmequelle neben den Mitgliedergebühren. Diese Geldquelle versiegt nun Ende Meisterschaft von einem Tag auf den anderen.

«Ich weiss noch nicht, wie ich das Budget für die kommende Fussballsaison erstellen soll», stöhnt Old-Boys-Präsident Heusler, «und eine Alternative zum Stadioncatering hat sich noch nicht ergeben. Wir hoffen jetzt auf Ideen und Unterstützung aus den Reihen der Vereinsmitglieder». Fest steht nur, dass eine nochmalige Erhöhung der Mitgliedergebühren nicht in Frage kommt.

So überraschend und folgenschwer die Kündigung den BSC Old Boys getroffen hat, so wenig mag Balz Heusler der Berchtold AG irgendwelche Vorwürfe machen: «Ich verstehe, dass die Weiterbeschäftigung von eigenen Mitarbeitern Vorrang vor der Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Vereinshelfern hat. Ich führe ja schliesslich selber einen Betrieb.»

Auch sei die Zusammenarbeit mit den Catering-Profis von Berchtold, die zu Zeiten des FCB-Exils auf der Schützenmatte ihren Anfang nahm, stets problemlos verlaufen. Doch die gravierenden finanziellen Probleme, vor denen der ehrgeizige Fussball-Erstligist mit seinem Aushängeschild Massimo Ceccaroni jetzt steht, werden dadurch nicht kleiner.

Um den Weiterbetrieb seiner Verpflegungsstände im Inneren des St. Jakob-Parks muss sich der FC Concordia Basel zwar vorerst nicht sorgen. Das Concordia-Catering untersteht vertraglich direkt der Stadionbetreiberin Basel United AG und stützt sich auf andere Lieferanten als die Berchtold AG. Doch auch beim Verein mit der grössten Anzahl selber betriebener Stände - elf Verkaufsboxen und fünf Aussenbüffets - haben sich die äusseren Umstände deutlich verschlechtert.


Eine Million Franken erwirtschaftete sich Congeli 2002 dank des Stadion-Caterings. Inzwischen sind es noch 300 000 bis 400 000 Franken pro Jahr, wie der Verantwortliche Peter Moser bestätigt. Das letzte Heimspiel gegen den FC Zürich Ende Februar brachte den schlechtesten Umsatz seit Jahren - trotz 21 800 anwesenden Matchbesuchern. «Man merkt, dass das Portemonnaie bei den Leuten nicht mehr so locker sitzt. Und da wird zuerst bei der Wurst und beim Bier gespart», folgert Moser.

Da ist Thomas Anliker, Geschäftsführer der Berchtold Catering AG, nicht unbedingt gleicher Meinung. «Den Hauptgrund für den Rückgang der Einnahmen sehe ich ganz simpel im Umstand, dass inzwischen im Schnitt weniger Menschen zu den FCB-Spielen pilgern.» Wie auch immer: Die Folgen treffen die professionellen Stadioncaterer ebenso stark wie die ehrenamtlichen Helfer der beteiligten Sportvereine.

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