Dose
Die Dose erobert die Schweiz zurück - Konsumenten wollen nur noch Bier aus der Dose

Die Dose bekommt seine zweite Chance. Schweizer Konsumenten verlangen wieder nach dem Bier in der Dose. Die Konsequenz: Über die Hälfte aller importierten Biere sind in den Büchsen abgefüllt und auch die Detailhändler verzeichnen einen Umsatzanstieg von Dosenbier im zweistelligen Prozentbereich.

Vasilije Mustur
Merken
Drucken
Teilen

Keystone

Die Dose galt hierzulande jahrelang als ökologische Drecksschleuder und wurde deshalb aus den Regalen der Schweizer Detailhändler verbannt. Damit ist jetzt Schluss. Das kühle Blonde in der Dose erlebt ein Revival. «Ja, es stimmt. Das Dosenbier ist bei Schweizer Konsumenten beliebter denn je und hat in den letzten zehn Jahren die Regale der Schweizer Detailhändler auf Kosten der Mehrwegflasche erobert», bestätigt Marcel Kreber - Direktor des Schweizer Brauerei-Verbandes Recherchen von «a-z.ch».

Auch Nichtalkoholische Getränke in Dosen sind beliebt - Red Bull sei Dank

Neben den Bierdosen erlebt Coop auch bei den alkoholfreien Getränken in Alubüchsen ein enormes Wachstum. Dies habe vor allem mit der enormen Beliebtheit der Energydrinks - wie beispielsweise Red Bull - zu tun. Diese werden fast ausschliesslich in Dosen abgefüllt und verkauft. (muv)

50 Prozent aller importierten Biere kommen in Dosen

In der Tat: Kaufte der Konsument 1998 gerade einmal sechs Prozent aller in der Schweiz hergestellten Biermarken in Dosen, beträgt diese Zahl laut dem Schweizer Brauerei-Verband heute 27 Prozent. Damit nicht genug: Wie aus der Schweizer Aussenhandelsstatistik hervorgeht, stammen 20 Prozent der in der Schweiz getrunkenen Gerstensäfte aus dem Ausland. Davon werden über die Hälfte in Dosen importiert.

Neben dem Schweizer Brauereiverband bestätigt auch Feldschlösschen den Trend hin zum Dosenbier. So lag der Anteil der verkauften Dosenbiere beim grössten Schweizer Bierhersteller 2003 noch bei 14 Prozent. 2009 betrug der Dosenanteil 27 Prozent. Ausserdem würden laut Feldschlösschen-Sprecher Werner alle Detailhandelskanäle die verstärkte Nachfrage spüren. So auch der Detailhandelsriese Coop.

Coop:
«Im Jahr 2006 hat Dosenbier das Einweg-Glas als beliebtestes Gebinde abgelöst. 2008 wurde die gleiche Menge Dosenbier verkauft wie Bier im Glas und letztes Jahr hat Dosenbier das Flaschenbier überholt,» bestätigt Coop-Sprecherin Denise Stadler. Insgesamt hätten sich die Wachstumsraten von Dosenbier beim Detailhändler in den letzten fünf Jahren im zweistelligen Prozentbereich erhöht - und das pro Jahr.

Derweil liegen die Gründe für die Beliebtheit der Dose auf der Hand. Sie ist unzerbrechlich, handlich und jedermann kann die Dose gleich mit mitnehmen - ohne über die Rückgabe der Flaschen nachdenken zu müssen. «Zudem verursacht die Dose praktisch keinen Abfall. Einweg-Glas hat viel das grössere Volumen und dem Kunden ist das Mehrwegglas mit dem Hin und Her der Harassen zu mühsam»,sagt Coop-Sprecherin Stadler.

WM ist Verkaufstreiber für Feldschlösschen-Bier

Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Für Bierbrauer ein Freudentag. «Wir rechnen aufgrund der Fussball-Weltmeisterschaft insgesamt mit fünf bis zehn Prozent mehr Bierabsatz als in einem normalen Juni», sagt Feldschlösschen-Sprecher Werner. Neben den Dosen würden auch Bier im Offenausschank am stärksten von der WM profitieren. Der Grund: Erfahrungsgemäss treffen sich viele Fans bei Public-Viewings oder in Gartenrestaurant.

Ausserdem wünscht sich Feldschlösschen, dass die Schweiz lange im Turnier bleibt - auch aus finanziellen Gründen. «Für den Bierabsatz während der WM sind insbesondere zei Faktoren entscheidend: Das Wetter und das Abschneiden der Schweizer Nationalmannschaft».

Dose soll gute Ökobilanz haben

Nichts desto Trotz ist das Comeback der Dose erstaunlich, zumal die Büchsen als umweltschädlich gelten. Diesen Vorwurf lässt Coop aber so nicht gelten. «Wenn die Dosen sachgemäss an die Dosenrecycling-Stellen zurückgebracht werden, sind Dosen nicht per se umweltschädlich. Es gibt auch Studien, die der Dose eine bessere Ökobilanz als Glas attestieren».

Recherchen von «a-z.ch» zeigen denn auch, dass die Weissblechdose heute gegen 30 und eine Aluminiumdose 15 Gramm auf die Waage bringen sowie um bis zu 30 Prozent leichter geworden sind, als vor 15 Jahren. Dies kann Feldschlösschen-Sprecher Werner bestätigen. «Die Büchsenwände wurden deutlich dünner gemacht, um das Gewicht zu reduzieren». Zudem falle die Ökobilanz von Dosen auch deswegen gut aus, weil sie leichter seien und deshalb weniger Treibstoff für den Transport in die Schweiz benötigen.

Dosen seien nicht günstiger

Darüber hinaus widerspricht Coop-Sprecherin Stadler den Verdacht, dass die Dosenbiere günstiger als Flaschenbiere seien. Schliesslich biete Coop wie bei allen Gebinden, auch Dosenbiere in allen Preiskategorien an. «So gibt es günstiges Bier in Mehrwegflaschen aber auch Premium Bier in der Dose. Es ist aber sicher so, dass günstige Dosenbiere ein mengenmässiger Wachstumstreiber sind».

Ungeachtet dessen: Der Brauerei-Verband, wie auch Coop und Feldschlösschen rechnen damit, dass der Trend nach Dosenbieren weiter anhalten wird. Wie hoch die Wachstumsraten sein werden, lasse sich indes nicht sagen.