Brady Dougan
Die Credit Suisse verheimlicht Dougans Lohn – und zeigt sich auch beim CEO Thiam zurückhaltend

Die Zürcher Grossbank publiziert lediglich die Bezüge des neuen CEOs Tidjane Thiam.

roman seiler
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KEYSTONE

Zahlen, Zahlen, Zahlen: 35 Seiten lang ist der Vergütungsbericht der Credit Suisse (CS) für das letzte Jahr. Doch ein gewichtiges Detail beim Ausweis der Chef-Saläre fehlt: Wie viel der Ende Juni ausgeschiedene, langjährige CEO der CS, Brady Dougan, verdient hat. Offengelegt worden ist lediglich, dass fünf im vergangenen Jahr aus der Geschäftsleitung ausgeschiedene Mitglieder «variable, leistungsbezogene Vergütungen» in der Höhe von total 21 Millionen Franken zugeteilt erhalten haben.

Andere sind transparenter

Ein Teil dieser Boni floss an Dougan, zudem mindestens die Hälfte seines Fixhonorars von jährlich 2,5 Millionen Franken. Wie viele Millionen der US-Amerikaner schliesslich bezogen hat, lässt sich nur mutmassen. Ebenso, und damit steht die CS nicht alleine da, bleibt im Dunkeln, wie viele seiner gesperrten Saläranteile aus früheren Jahren übertragen worden sind.

Andere bösenkotierte Firmen legen sowohl das Salär ihres im Verlauf des Jahres ausgeschiedenen Chefs und dasjenige seines Nachfolgers offen. Dazu zählen der Zementhersteller Lafarge-Holcim, der Warenprüfkonzern SGS und die Ölbohrfirma Transocean. Der Unternehmer und Ständerat Thomas Minder, Vater der Abzocker-Initiative, sagt dazu: «Grundsätzlich müsste das Salär des CEOs ausgewiesen werden.» Also auch dasjenige eines Chefs, der im Lauf eines Jahres die Gesellschaft verlässt. Dies wünscht sich auch Melanie Wagner vom auf Salärfragen spezialisierten Beratungsunternehmens HKP: «Es wäre schön, wenn es einen Standard gäbe, wie die Entschädigungen eines zurückgetretenen CEOs offengelegt werden muss.»

Die CS macht es anders: Sie weist zum einen die Vergütung des höchstbezahlten Geschäftsleitungsmitglieds aus. Robert Shafir, der im Oktober aus der Geschäftsleitung ausgeschiedene Co-Chef der Vermögensverwaltung, erhielt für zehn Monate 7,9 Millionen Franken. Zum anderen legte sie das Salär von Tidjane Thiam offen, dem Nachfolger von Dougan. Der Ivorer erhielt für ein halbes Jahr 4,57 Millionen. Obendrein erhielt er eine Kompensationszahlung von 14,3 Millionen Franken für verlorene Boni-Ansprüche bei seinem früheren Arbeitgeber Prudential. Insgesamt strich Thiam 18,9 Millionen Franken ein.

Allerdings verzichtete er auf 40 Prozent seiner variablen Vergütungen, «wegen des schwächeren Finanzergebnisses» der Grossbank, wie im Geschäftsbericht vermerkt wird. Der Bonus für Thiam wurde deshalb um rund 1,9 auf 2,86 Millionen Franken reduziert. Auf das ganze Jahr hochgerechnet hätte der CS-Chef ohne diesen Verzicht rund 13 Millionen Franken erhalten. Zum Vergleich: Brady Dougan kam 2014 auf 9,7 Millionen. 14 Millionen verdiente UBS-CEO Sergio Ermotti 2015, 3 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Die UBS konnte den Gewinn deutlich erhöhen, die CS wies wegen Abschreibungen auf Altlasten und höheren Rückstellungen für Rechtshändel (siehe unten) einen Verlust aus.

49 Millionen Boni für 2016

Die Vergütung der 17 CS-Geschäftsleitungsmitglieder – davon fünf ehemalige und sieben neu ernannte – beläuft sich auf 80,4 Millionen Franken. Darin inbegriffen sind auch der Gegenwert der Wertschriften, die Thiam und ein weiteres Mitglied als Ersatz für entgangene Boni-Anteile bei ihren früheren Arbeitgebern zugesprochen worden sind. Für dieses Jahr beantragt der Verwaltungsrat den Aktionären, Langfrist-Boni in der Höhe von 49 Millionen Franken für die Geschäftsleitung zu genehmigen. Für die fixe Vergütung sind 33 Millionen vorgesehen.

Doch nicht nur die Geschäftsleitungsmitglieder der CS und der UBS sind Grossverdiener. Das gilt für alle diejenigen, die als sogenannte «Risikonehmer» gelten. Dazu zählen auch die höchsten Kaderangehörigen sowie Mitarbeiter wie Händler, die grosse Gewinne, aber auch hohe Verluste für das Geldhaus einfahren können. Wie diese entlöhnt werden, muss im Geschäftsbericht offengelegt werden. Bei der CS kassiert einer dieser 835 Banker im Schnitt 1,7 Millionen Franken – ohne Sozialleistungen. Bei der UBS sind es 669 Mitarbeitende, die im Schnitt auf 2,3 Millionen Franken kamen. Das ist zehnmal mehr als der Durchschnittslohn aller Mitarbeiter der UBS.

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