Credit Suisse

Dichtung und Wahrheit in der Khan-Affäre – die Folgen der misslungenen Beschattung

Die Geschichte um Iqbal Khan fügt dem ramponierten Ruf der Schweizer Banken weiteren Schaden zu. Bild: Keystone

Die Geschichte um Iqbal Khan fügt dem ramponierten Ruf der Schweizer Banken weiteren Schaden zu. Bild: Keystone

Wem die Darstellungen über den gescheiterten Beschattungsversuch des Bankmanagers nützen – und wem sie schaden.

Die Geschichte um den gescheiterten Beschattungsversuch des Ex-Credit-Suisse-Managers Iqbal Khan ist im Fluss. Harte Fakten gibt es wenige. Dafür umso mehr Dichtung. Klar ist bislang nur eines: Die Vorgänge haben dem ohnehin schon ramponierten Ruf der Schweizer Banken und allen voran jenem der Credit Suisse weiteren Schaden zugefügt.

Doch bekanntlich bringen Scherben bisweilen auch Glück. Wird der 43-jährige Shooting-Star der Schweizer Bankbranche als grosser Nutzniesser aus der Affäre hervorgehen? Dessen Förderer, Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam, könnte am Ende auf der Strecke bleiben, nachdem er im Sommer, kurz vor Khans überraschender Kündigung, aus einem mutmasslichen Machtkampf mit dem Jungtalent noch als Sieger hervorgegangen sein soll. Und was ist mit dem umstrittenen CS-Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner? Vielleicht wird sich Rohner in der Khan-Affäre als Saubermann positionieren und endlich jene Führungsstärke demonstrieren können, die ihm seine vielen Kritiker schon immer abgesprochen haben. Zu erwähnen bleibt auch UBS-Chef Sergio Ermotti, der in der Geschichte vorerst nur eine Nebenrolle spielt. Ermotti hat Khan Ende August zum Wechsel von der Credit Suisse zur UBS bewogen. War das ein guter Zug?

Eine Affäre als Imagepolitur für Khan und Rohner

Aus der bisherigen Erzählung ergeben sich eindeutige Antworten: Der misslungene Beschattungsauftrag poliert Khans Image als starker Manager, der die Credit Suisse mit seinem Abschied das Fürchten lehrt. Ermotti wäre demnach eine hervorragende Akquise geglückt. Umso mehr, als sich Khan bei der UBS offenbar brav als einer unter vielen auf die Namensliste setzen lässt, aus der die Bank dereinst Ermottis Nachfolger wählen will.

Sogar für Rohner scheint sich die Affäre als Glücksfall zu erweisen. Er liess am Montag in einer kurzen Medienmitteilung auffallend souveräne Töne anklingen. Der Verwaltungsrat habe sich entschieden, eine Untersuchung der Vorfälle einzuleiten in der die mit der Untersuchung betrauten Personen direkt an den Verwaltungspräsidenten berichten sollen. Rohner hat eine geschickte Formulierung gefunden, mit der er sich subtil von den mutmasslichen Vorgängen im Unternehmen distanziert und seine Entscheidungsgewalt herausstreicht.

Als grosser Verlierer steht Tidjane Thiam da. Sein Name stand am Montag (zusammen mit jenem seines Präsidenten) unter einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter, in der von «sensationsgetriebenen Darstellung» in den Medien die Rede war. So drückt sich ein CEO aus, der nach Ausreden sucht.

Unklar bleibt vorerst, wer den Auftrag zu der dilettantischen Beschattungsaktion erteilt hat. Zwar hatte die «SonntagsZeitung» berichtet, die Credit Suisse habe dies gegenüber der Polizei bereits bestätigt. Doch die Information stammt nur aus zweiter oder gar dritter Hand, wie fast alle Informationen, die in der Affäre derzeit von PR-Beratern und anderen Strippenziehern mit unterschiedlichen Motiven herumgeboten werden. Dennoch hängt der Verdacht zurzeit vor allem an Thiam.

Thiam und Khan: Einst nützliche Partner

Der Franko-Ivorer hat sich bei der Credit Suisse als harter Manager durchgesetzt. Er liess sich von den massiven Wellen der Kritik an seinen Entscheidungen und an seiner Person nicht beirren und führte den Umbau zu Ende. Nun überraschte er jene, die damit gerechnet hatten, dass er seine Zelte nach getaner Arbeit abbauen würde. Doch dafür gibt es nicht die geringsten Anzeichen. Thiam nährt mit seinem Beharrungsvermögen die Spekulationen um seine Machtansprüche und er weckt die Abwehrreflexe jener, die sich wieder eine schweizerische Credit Suisse wünschen.

Dass Thiam just über die Khan-Affäre stolpern könnte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Khan wie Thiam haben die Schweiz und ihre Bankenwelt als Aussenseiter erobert. Sie waren sich auf ihrem Aufstieg gegenseitig überaus nützliche Partner. Diese Symbiose hat viel dazu beigetragen, dass Khan in wenigen Jahren das Image eines Starbankers erlangen konnte. Wird Khan deshalb überschätzt? Vielleicht, die Credit-Suisse-Aktionäre werden die Antwort schneller wissen als jene der UBS. Indessen verfolgt man in beiden Lagern die Affäre Khan weiter, deren Leidtragende und Nutzniesser am Ende vielleicht nicht die Gleichen sind, wie die vorläufige Erzählung vermuten lässt.

Autor

Daniel Zulauf

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