In der Vergangenheit befanden sich Europas Wind- und Solarparkbetreiber in komfortabler Lage. Sie erhielten garantierte Abnahmeverträge über eine Laufzeit von 15 bis 25 Jahren. Marktrisiken gab es keine nennenswerten.

Nun verändert sich ihre Situation aber zunehmend. Die staatlich subventionierten fixen Preise fallen weg. An ihre Stelle treten Auktionsverfahren, bei denen Beihilfen im Wettbewerb ermittelt werden.

In Deutschland zum Beispiel müssen Planer gemäss «Erneuerbare Energien Gesetz 2017» einen Vergütungsbetrag je Kilowattstunde angeben, zu dem sie bereit wären, den Windpark zu bauen. Das niedrigste Gebot erhält den Zuschlag, und der Staat zahlt am Ende die Differenz zum Marktpreis dazu.

Auch in Spanien, Polen und den Niederlanden geht die Entwicklung in Richtung staatliche Ausschreibungen. «Der Handel von Strom aus erneuerbaren Energien wandelt sich von einem stabilen, vorhersehbaren zu einem offenen Markt, der viel komplexer, technischer und volatiler ist», sagt Michael Waldner, Mitgründer des Start-ups Pexapark.

Kunden in ganz Europa

Waldner, vorher bei Axpo Trading im Bereich Energiehandel tätig, hat das Start-up im August 2017 zusammen mit Luca Pedretti und Florian Müller gegründet. Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf den Windenergiemarkt. Man hilft Windparkbetreibern und Investoren, die erhöhten Marktrisiken besser zu verstehen und zu managen, indem man Daten zu den Risikofaktoren verschiedener Investments bereitstellt.

Zudem erstellt Waldner mit seinem Team Modellrechnungen, die Vorhersagen zur künftigen Rentabilität eines Parks zulassen.

Die Risiken im neuen Markt haben sich erhöht, weil die Marktpreise grossen Schwankungen unterliegen, die sich auf die Abnahmepreise übertragen. Die Pexapark-Kunden kommen aus ganz Europa. Insgesamt hat Waldner mit seiner Firma im Jahr 2018 bereits über 2,2 Gigawatt an Anlagen in Europa unterstützt.

Als noch jede produzierte Megawattstunde zum festen Preis vergütet wurde, mussten Betreiber den Markt und ihre Kunden nicht kennen, erklärt Waldner. Das könne man sich heute nicht mehr leisten. Zudem stellt er fest, dass den Akteuren oft das Wissen über den aktuellen Markt fehlt. «Es ist eine neue Welt, die sie erst verstehen lernen müssen.»

Das betrifft zum einen den Verkaufsprozess. Klassische Ausschreibeverfahren seien nicht ideal. «Der Verkaufspreis ist abhängig vom gehandelten Marktpreis, der eine grosse Volatilität aufweist.» Daher habe der Zeitpunkt des Verkaufsabschlusses einen grossen Einfluss, so Waldner.

Schweizer Markt verändert sich

Bei Strompreisen gebe es keinen Mengenrabatt. Im Gegenteil: Wird gleichzeitig viel Volumen verkauft, könne das den Preis drücken. Zweiter Punkt sind die Risiken. Pexapark bietet ein Monitoring für deren regelmässige Überwachung an. Risikomanagement heisst für Waldner nicht, jedes Marktrisiko auszuschalten.

Vielmehr geht es darum, sich als Betreiber
der Risiken bewusst zu sein. Die Faktoren müssten einzeln geprüft werden. Wichtige Fragen: Was ist meine Position? Was sind die Treiber der Risiken? Ist es der Standort? Die Technologie? «Wer die Risikotreiber versteht, kann sie neutralisieren, indem er eine Gegenpartei findet, die die Risiken übernimmt.»

Das Vermarktungsinstrument dafür nennt sich Power Purchase Agreement (PPA). PPAs sind langfristige Stromabnahmeverträge, die Erzeuger und grosse unternehmerische Verbraucher miteinander abschliessen. Abnehmer sind Industrieunternehmen wie Norsk Hydro.

Der norwegische Aluminiumhersteller vereinbarte mit dem Windturbinenbauer GE Wind Energy, seinen Strom 19 Jahre lang zum festen Preis aus dem riesigen 650-Megawatt-Windpark Markbygden in Nordschweden zu beziehen. Abnehmer können aber auch Tech-Giganten wie Microsoft oder Google sein, die auf Strom aus erneuerbaren Energien umstellen. In Deutschland, Schweden, Grossbritannien und Spanien sind solche Direktvermarktungsverträge gängig.

Laut der Managementberatung Horváth & Partners werden bis 2020 rund 80 Prozent der nicht mehr geförderten Anlagen solcherart vermarktet. Auch Pexapark setzt PPAs für seine Kunden auf. Das Europa-Geschäft läuft gut, hierzulande sind die Aktivitäten dagegen «eingeschränkt».

Der Schweizer Strommarkt ist immer noch sehr tarifdominiert, so Waldner. Den Bezug zum Heimatland hat man vorerst nur über Schweizer Investoren, die ihr Geld in ausländische Windparks stecken. Das könnte sich aber ändern. Waldner sieht auch hierzulande die Entwicklung vom tarifbasierten zum offenen Markt. Die Kundenbasis in der Schweiz würde sich dadurch erweitern.