In den frühen Achtzigerjahren liess Lee Iacocca Werbespots produzieren, in denen er als Geschäftsführer des damals noch unabhängigen Chrysler-Konzerns seine Fahrzeugpalette anpries. «Kein Auto ist perfekt», sagte er, mit einer Mischung aus Arroganz und entwaffnender Offenheit. Aber die neuen Modelle, die alle auf derselben Plattform aufbauten, kämen dem Idealzustand ziemlich nahe. Dann sagte er, direkt in die Kameras schauend: «Wenn Sie ein besseres Auto finden, kaufen Sie es!»

Das Vabanquespiel des Autobosses ging auf. Der Chrysler-Konzern, der noch 1980 einen Verlust von 1,7 Milliarden Dollar erzielt hatte, kehrte mit viel Getöse in die schwarzen Zahlen zurück. 1984 schrieb das Unternehmen einen Gewinn von 2,4 Millionen Dollar – auch dank der Lancierung des Minivans, eines damals revolutionären Konzepts. Iacocca galt plötzlich als patriotischer Held, weil er eine uramerikanische Firma gerettet hatte. Der gebürtige Schweizer Auto-Manager Bob Lutz, der einige Jahre für Iacocca gearbeitet hatte und ihn als Mentor bezeichnete, sagte später: Iacocca sei es gelungen, ein mediokres Produkt zu verkaufen, indem er Chrysler das Image eines tapferen Aussenseiters verpasst habe.

Iacocca nutzte den Ruhm, um sich selbst zu inszenieren. 1984 publizierte er seine Autobiografie, ein veritabler Bestseller. Und er warnte vor den Herausforderungen, mit denen sich amerikanische Autobauer konfrontiert sahen. So attackierte er immer wieder die japanischen Konkurrenten, die den amerikanischen Markt mit innovativen Fahrzeugen überschwemmten. Nachdem er in den frühen 90er-Jahren Teil einer Handelsdelegation gewesen war, die unter Führung des damaligen Präsidenten George Bush nach Japan reiste, sagte ein sichtlich wütender Iacocca: Amerika habe nun lange genug auf versöhnliche Signale der japanischen Hersteller gewartet. «Nun müssen wir unsere eigene Waffe benutzen, die altmodische amerikanische Ungeduld.»

Der Chef lässt die Zügel schleifen

Solche Auftritte – die entfernt an die Tiraden des amtierenden US-Präsidenten gegen China erinnern – vermochten allerdings nicht darüber hinwegzutäuschen, dass Iacocca die Zügel an der Spitze des Chrysler-Konzerns schleifen liess. 1987 kaufte er den Sportwagen-Hersteller Lamborghini. Ein Jahr später lancierte er mit Maserati einen neuen Sportwagen – eine Kombination aus einem Maserati-Chassis und einem Chrysler-Motor, die sich als Flop erwies. Auch kaufte Chrysler die American Motors Corporation, Besitzerin der Marke Jeep. 1992 trat Iacocca als Konzernchef und Verwaltungspräsident von Chrysler in den Ruhestand. Jahre später, als Chrysler erneut am Abgrund taumelte, lancierte er ein Übernahmeangebot. Chrysler zog es aber vor, von Daimler-Benz gekauft zu werden. Heute gehört Chrysler zum Fiat-Konzern.

Iacocca, geboren 1924, stammte aus einer italienischen Einwandererfamilie, die sich in der Industriestadt Allentown (Pennsylvania) niedergelassen hatte. Bereits in jungen Jahren, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, strebte er nach Reichtum. 1946, nachdem er an der Elite-Universität Princeton ein Ingenieur-Diplom erworben hatte, heuerte er beim Autobauer Ford in Chester (Pennsylvania) an und wurde Verkaufsleiter. Dank innovativen Ideen wurde die Zentrale in Dearborn (Michigan) auf den jungen Mann aufmerksam. Als er ins Hauptquartier transferiert wurde, kam er unter die Fittiche des damaligen Ford-Managers Robert S. McNamara, dem späteren US-Verteidigungsminister. 1964 war Iacocca einer der Väter des Mustang, eines Sportwagens für die Massen, der sich zum Verkaufsschlager entwickelte. 1970 wurde er zum Ford-Präsidenten ernannt. Acht Jahre später folgte der Karriereknick. Henry Ford II, das Oberhaupt der Besitzerfamilie, überwarf sich mit Iacocca und entliess ihn. Iacocca rappelte sich auf und ging zur Konkurrenz. Der Rest ist Geschichte. Lee Iacocca ist an den Folgen von Parkinson in seinem Haus in Bel Air (Kalifornien) gestorben. Er war 94 Jahre alt.