MH17
Der Todesstoss für die angeschlagene Malaysia Airlines?

Eine staatliche Holding könnte die angeschlagene Gesellschaft übernehmen. Versicherungen werden den Schaden tragen – Schweizer Gesellschaften sind offenbar nicht beteiligt.

Matthias Niklowitz
Drucken
Teilen
Flugzeug der Malaysia Airlines.

Flugzeug der Malaysia Airlines.

Keystone

Hinsichtlich der Service-Qualität zählt Malaysia Airlines zu den führenden Gesellschaften weltweit: Lediglich sieben Gesellschaften, alle aus Asien, gehören gemäss den Passagierumfragen von Skytrax zum kleinen Club der „Fünf-Stern-Gesellschaften“. Exzellenter Service an Bord und am Boden sind dafür unabdingbar. Zum Vergleich: Swiss und Lufthansa sind mit ihren vier Sternen lediglich solides Mittelmass.

Hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Lage zählte Malaysia Airlines bereits vor den beiden tragischen Unglücken zu den chronischen Problemfällen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres beispielsweise blieb das Passagierzahlenwachstum weit hinter der Kapazitätsausweitung zurück. Die Erträge schmolzen aufgrund der hohen Überkapazitäten regionaler Billigflieger wie Air Asia und Lion Air und der Gesellschaften vom Arabischen Golf weiter und Malaysia Airlines schlägt sich mit „unvorteilhaften Kostenstrukturen“ herum, wie es weiter hiess. Hinzu kam eine Schwäche bei Luftfracht.

Unter dem Strich blieb ein Verlust von 443 Millionen Ringgit, entsprechend 125 Millionen Franken. Im vergangenen Jahr lag der Reinverlust bei umgerechnet 350 Millionen Franken – und das in einem Jahr, in dem die Fluggesellschaften weltweit ihre Gewinne um durchschnittlich 4,7 Prozent steigern konnten. Möglicherweise war das auch der Grund, dass Malaysia Airlines seine Maschinen trotz der Kampfhandlungen weiterhin über die Ukraine fliegen liess. Kurz nach dem Absturz von MH017 flog noch MH003, ein Airbus A380, auf der gleichen Luftstrasse von London nach Kuala Lumpur. Diese Maschine fasst 500 Passagiere.

Viel Kritik

„Bereits vor dem ersten Absturz war die Gesellschaft in einem schlechteren Zustand als praktisch alle anderen Fluggesellschaften weltweit“, sagte Luftfahrt-Experte Seth Kaplan gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Überschattet wurde das jüngste Ergebnis durch ein „negatives Sentiment“, wie die Unternehmensspitze weiter ausführte. „Das Ergebnis wurde durch das Verschwinden von MH370 belastet“, sagte CEO Ahmad Jauhari Yahya. „Der Markt reagierte mit nachlassender Nachfrage.“ Am 8. März war bereits eine Boeing-777 verschwunden, bis heute sind keine Trümmer aufgefunden worden. Die Fluggesellschaft war weit herum dafür kritisiert worden, wie sie die Hinterbliebenen nach dem ersten Absturz informiert und betreut hatte. Nach dem jüngsten Absturz fiel die Aktie um 2,2 Prozent.

Anfang Juli waren gemäss Reuters Pläne durchgesickert, wonach die staatliche Holdinggesellschaft Khaznah Nasional die Fluggesellschaft vom Markt nehmen soll, um sie gründlich zu restrukturieren. Eine solche Übung bei der teilstaatlichen Fluggesellschaft würde rund 300 Millionen Dollar kosten.

Profitable Bereiche wie die Fluggesellschaftsdienste und die Flugzeugwartung sollten ebenso wie die Billig-Flieger-Sparte verkauft werden, der aufgeblähte Verwaltungsapparat deutlich reduziert werden. Ende Juli wollte die malayische Regierung in Zusammenarbeit mit der Holdinggesellschaft die weiteren Reprivatisierungsschritte diskutieren.

Versicherungen zahlen

Gewerkschaften hatten vor zwei Wochen umgehend Widerstand gegen mögliche Sanierungs- und Entlassungsvorhaben angekündigt. Abstürze können wirtschaftlich angeschlagenen Fluggesellschaften den Rest geben: Die beiden US-Gesellschaften PanAm und TWA verzeichneten jeweils kurz vor ihren Bankrotten Abstütze von Boeing 747-Jumbo Jets über Schottland und bei New York.

Ob und wie Versicherungen zur Kasse gebeten werden, wird sich erst in diesen Tagen herausstellen. Fluggesellschaften versichern ihre Flotten an „Pools“ von Erst- und Rückversicherungen. Die Beteiligten ackern sich jetzt durch das Kleingedruckte der Verträge, insbesonders den Ausschlussklauseln bei Terror-Attacken, sowie den Haftungen in ihren Geschäftsbereichen. Bei ganz grossen Versicherungen können die Lebensversicherungs-, die Haftpflichtversicherungs-, die Flugzeugspezialversicherungs- und die Rückversicherungssparten involviert sein.

Bei MH370 waren laut Analysten die Versicherungen Allianz, Munich Re und Scor involviert. Munich Re und Scor sind grosse europäische Rückversicherungen. Swiss Re, die grosse Schweizer Rückversicherung, hat ihren Anteil in diesem Bereich in den vergangenen Jahren von 10 auf 6 Prozent reduziert und gilt laut Analysten als „kaum exponiert“. Swiss Re selber würde Schadenszahlungen laut Unternehmenskreisen nur dann melden, wenn sie so gross ausfallen, dass sie sich auf das Finanzergebnis auswirken – und danach sieht es gegenwärtig nicht aus, wie es aus Unternehmenskreisen heisst.

Aktuelle Nachrichten