Rennsport

Der neue Formel-1-Boss ist in der Schweiz kein Unbekannter

Kabelfernseh-Mogul, Grossgrundbesitzer und seit dieser Woche Formel-1-Chef.

Kabelfernseh-Mogul, Grossgrundbesitzer und seit dieser Woche Formel-1-Chef.

John Malone ist einer der wichtigsten US-Medienunternehmer – in der Öffentlichkeit aber wenig präsent.

75 Jahre alt und mehr als sieben Milliarden Dollar schwer: Eigentlich könnte John Malone nun an den Ruhestand denken. Doch der gewiefte Unternehmer will sich nicht auf die faule Haut legen. Nachdem er im vorigen Jahr mit einer Mega-Fusion den amerikanischen Kabelfernsehmarkt aufgemischt hatte, versucht sich der Medienunternehmer nun im Geschäft mit schnellen Flitzern.

Am Mittwoch (Ortszeit) wurde in den USA bekannt, dass die Liberty Media Corporation, die von Malone kontrolliert wird, die Firma Delta Topco vollständig übernehmen wird – die Muttergesellschaft der Formel 1. Das neue Unternehmen solle den Namen Formula One Corporation tragen und von der neu gewonnenen Beliebtheit des Motorsports in den USA profitieren. Die Konkurrenz ist allerdings hart: Bereits kämpfen in Amerika die Nascar-Flitzer – das sind aufgedonnerte Serienwagen – mit den Boliden der Indycar Series um Fernsehzuschauer und Werbedollars.

Ein Blick in die Biografie von Malone zeigt allerdings, dass er bereits weit grössere Herausforderungen bewältigt hat. An der Spitze der Firma TCI – dem eigentlichen Pionier der Kabelfernseh-Branche in den USA – sorgte der Absolvent der John-Hopkins-Universität in Baltimore (Maryland) in den Siebziger- und Achtzigerjahren dafür, dass sein Unternehmen massiv expandierte. Mit einer Reihe von komplexen Transaktionen, seiner eigentlichen Spezialität, behielt das in Denver (Colorado) domizilierte Unternehmen in einer stark regulierten Branche die Oberhand. 1998 erfolgte der Verkauf an den Telekommunikationskonzern AT&T für 48 Milliarden Dollar und die Ablösung von Malone als «King of Cable».

Auch UPC gehört ihm

Der heimatlose Multi-Milliardär suchte sich ein neues Betätigungsfeld und begann in Firmen zu investieren, die Medien-Inhalte (auf Englisch: «Content») produzierten und vertrieben. Über seine Holdinggesellschaften kaufte er sich Anteile von Firmen wie AOL, News International (dem Vehikel von Medien-Baron Rupert Murdoch) und dem Satellitenradio-Anbieter Sirius XM zusammen. Auch in der Schweiz wurde Malone aktiv. 2005 übernahm Liberty Global – zuständig für das Geschäft ausserhalb der USA – für 2,83 Milliarden Franken die Cablecom, die heute unter dem Namen UPC auftritt.

2013 folgte die Rückkehr in das Telekommunikationsgeschäft. Malone stieg als Minderheitsaktionär bei Charter Communications ein, einem 1993 in Missouri gegründeten Kabelunternehmen. Obwohl er das Unternehmen, das nun in Connecticut domiziliert ist, nicht offiziell kontrollierte – sein Aktienpaket belief sich anfänglich auf etwa 27 Prozent – galt er doch als der starke Mann des aggressiv auftretenden Konzerns.

«Wenn er spricht, höre ich ihm zu», so Charter-Konzernchef Thomas Rutledge einst zur «New York Times». «Ich weiss, was er denkt, und er weiss, was ich denke.» Ihr eigentliches Gesellenstück lieferten Rutledge und Malone vor einem Jahr ab, als Charter Communications die Übernahme von Time Warner Cable und Bright House Networks bekannt gab – für den stolzen Preis von insgesamt 67,1 Milliarden Dollar. Bei Time Warner Cable handelt es sich um die frühere Kabelsparte des Medienhauses Time Warner, das Filme produziert und Zeitschriften herausgibt. Malone ist Minderheitsaktionär von Time Warner. Auf einen Schlag wurde Charter damit zum zweitgrössten Kabelfernseh-Anbieter der USA, mit
einem Kundenstamm von rund 24 Millionen Menschen an der Ost- und Westküste. Der Deal wurde im Frühjahr 2016 durch die Aufsichtsbehörden genehmigt.

Dank diesem Geschäft hat sich Malone seinen alten Titel – «King of Cable» – zurückerobert. Im Gegensatz zu seiner ersten Regentschaft in den Achtziger- und Neunzigerjahren kontrolliert er nun nicht nur den Vertrieb, sondern auch die Produktion von Unterhaltungsprogrammen. So ist er am Shopping-Sender QVC beteiligt. Zudem besitzen die Malone-Firmen Liberty Media und Liberty Interactive Anteile am Baseball-Team Atlanta Braves, einem Online-Reisebüro (Expedia), einem virtuellen Kreditbüro (LendingTree) und einer Online-Boutique (Zulily). Hinzu kommt der Bezahlsender Starz Entertainment.

Grösster Landbesitzer der USA

Weniger bekannt ist die private Seite des unermüdlichen Unternehmers. Seit einigen Jahren gilt Malone als der grösste private Landbesitzer Amerikas, nachdem er sich im Bundesstaat Maine rund 400 000 Hektaren Wald unter den Nagel gerissen hatte. Dank weiteren Grundstücken in Colorado, New Hampshire, New Mexiko und Wyoming sollen seine Güter rund 900 000 Hektaren gross sein. Experten sagen, dass Malone dieses Land vor allem gekauft habe, um es vor der wirtschaftlichen Ausbeutung zu schützen.

Trotz seines Reichtums gilt er als bescheiden. Angeblich reiste er jahrelang mit seiner Gattin und den Familienhunden im Wohnmobil durch das Land. Billig war dieses Gefährt allerdings nicht. Unter Insidern ist die Rede von einem Kaufpreis mehr als einer Millionen Dollar. Am nötigen Kleingeld fehlt es Malone nicht.

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