Chefwechsel
Der neue bei Interio: Vom Chefjuristen zum Möbelhändler

Der neue Unternehmensleiter von Interio ist kein ausgewiesener Fachmann im Einrichtungsgeschäft, sondern Jurist.

Sabina Sturzenegger
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Reto Waidacher

Reto Waidacher

Weihnachten wird opulent. Darauf lässt zumindest der Interio-Katalog schliessen, in welchem die diesjährigen Festdekorationen entweder in viel Gold getaucht oder mit einem behäbigen Landhaus-Stil versehen wurden. Wenn Anfang Januar das rauschende Fest vorbei ist, tritt Reto Waidacher seinen Job als Interio-Chef an – und zwar mit wenig Vorschusslorbeeren: Die Migros als Besitzerin des sechstgrössten Schweizer Möbel- und Wohnaccessiore-Fachgeschäfts gibt sich zur Person von Waidacher bislang bedeckt. «Reto Waidacher steht vor Ablauf der ersten 100 Tage als neuer Unternehmensleiter der Interio AG noch nicht für Auskünfte zur Verfügung», heisst es aus der Medienstelle lediglich.

Doch das, was bereits bekannt ist über Waidachers berufliche Herkunft, lässt aufhorchen. Der gebürtige Aroser ist zwar kein Migros-Neuling, er arbeitet seit zehn Jahren beim Detailhändler. Bisher aber war Waidacher nicht im Handel, sondern als Leiter des Rechtsdienstes in der Migros-Gruppe tätig.

Gegen «zahlreiche» Kandidaten

Die Frage stellt sich: Wie wird der Chefjurist zum Möbelhändler? Gemäss Migros-Handelschef Dieter Berninghaus wurden auch «zahlreiche» externe Kandidaten geprüft. Der
46-jährige Waidacher soll zudem Interio ein halbes Jahr lang «begleitet» und in dieser Zeit Berninghaus von seinen Qualitäten überzeugt haben. Und nicht zuletzt hat Waidacher im Verwaltungsrat des umsatzstärksten Schweizer Shoppingcenters, des Einkaufszentrums Glatt, seine einschlägigen Erfahrungen gemacht.

Auch gilt Waidacher überhaupt nicht als Prototyp des knochentrockenen Juristen, obwohl er für und mit dem emeritierten Rechtsprofessoren Peter Forstmoser über «Institutionelle Stimmrechtsvertretungen» publiziert hat. Er wird als «gewinnender, trendiger» Typ charakterisiert, der nicht den «Migros-Groove» mitbringt.

«Interio noch schöner machen»

Und das ist offenbar von Bedeutung: Die Interio-Gruppe, die seit drei Jahren mit sinkenden Umsatzzahlen kämpft, soll nicht mit der Migros und deren Möbel-Tochter Micasa gleichgesetzt werden. Stattdessen soll die Marke junge, zahlungskräftige Kundschaft anziehen, die Wert auf modernes Design legt.

Zurzeit ist Interio dabei, die Einrichtungshäuser nach dem neuen Ladenkonzept – Möbelausstellung und Dekoshop – umzubauen. Die Erwartung von Berninghaus: «Reto Waidacher wird vor allem die Neuausrichtung der Interio-Einrichtungshäuser konsequent umsetzen, die unverwechselbare Identität von Interio stärken, Innovation und Kreativität weiter erhöhen. Kurz gesagt – Interio noch schöner machen.»

Hürden beim Depot-Engagement

Die Herausforderung, die sich für Waidacher dabei stellt: Er muss beweisen, dass sich das Engagement der Migros an der deutschen Handelsgruppe Gries Deco mit deren Wohnaccessoire-Kette Depot gelohnt hat – ein Deal, den niemand anderes als sein zukünftiger Chef Dieter Berninghaus eingefädelt hat. Bis jetzt sieht es gut aus: «Wir sind mit den Umsätzen in den Interio-
Depot Filialen zufrieden», sagt Berninghaus.